Gregor Gysi hielt eine leidenschaftliche Rede in Borken

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Der Starpolitiker und seine Anhänger: Gregor Gysi inmitten der Genossen im Bürgerhaus in Borken neben Jochen Böhme-Gingold, Kreisvorsitzender der Linken, und Willi van Oyen, Fraktionsvorsitzender im Hessischen Landtag.

Borken. „Wir sind ein Korrektiv!“ So sieht Gregor Gysi die Aufgabe der Linken und machte dies am Samstagabend im Borkener Bürgerhaus in einer äußerst leidenschaftlichen Rede vor 100 Anhängern deutlich.

Gefeiert wurde das Sommerfest des Borkener Ortsverbandes zum fünfjährigen Bestehen der Partei. Einige der Gäste waren eigens nach Borken gereist, um den Starpolitiker der Linken zu erleben.

Gysi ist bekannt für seine flammenden Reden. „Der ist interessant“, sagte Karin Büttner aus Melsungen und freute sich auf den Auftritt. Enttäuscht wurde sie nicht. Temperamentvoll, wortgewandt und mit vielen Spitzen, ganz so wie man ihn aus seinen Auftritten in Talkshows oder aus Bundestagsdebatten kennt, vertrat Gysi in kämpferischer Manier seine politische Überzeugung.

Nur wenige Schlipsträger

Im Saal gab es wenig Schlipsträger. Der Kleidungsstil war eher lässig. Gysi legte immer wieder den Finger in die Wunde, wandte sich gegen den Fiskalpakt, machte die Banken für die Finanzkrise verantwortlich: „Wir haften für Banken und Hedgefonds“, sagte er und erntete begeisterten Applaus. Er will sogar eine einstweilige Verfügung gegen den Fiskalvertrag erwirken: „Damit wird das Grundgesetz grundlegend verletzt.“ Gysi befürchtet weiteren Sozialabbau und ließ an der SPD kein gutes Haar: „Die SPD ist keine Opposition“, sagte er. „Wer will, dass die SPD sozialdemokratisch wird, muss die Linke wählen“, lautete sein Schlachtruf. Er kritisierte den Ruck der Sozialdemokraten in die Mitte. Eins der schlimmsten Beispiele: Hartz IV.

Zu den Querelen innerhalb der eigenen Partei sagte er nur, dass die Krise vorbei sei und es nun munter weiter gehe. Die Partei löse sich nicht auf. „Wir hatten einen Tiefpunkt erreicht und werden wieder ansteigen“.

„Ich will auch dem Einzelnen helfen.“

Er sei eigentlich friedlich, fast harmoniesüchtig, sagt er. „Aber ich habe mich daran gewöhnt ein Störenfried zu sein und ich bleibe ein Störenfried.“ So sprach er sich für die Vermögensteuer, den Mindestlohn und mehr Steuergerechtigkeit aus. „Wir sind das Korrektiv in der Konsens-Soße von CDU, SPD und Grünen.“

Friedlich wirkte er dann aber doch noch als er in der anschließenden Diskussion freundlich und fast fürsorglich auf die sehr individuellen Belange aus dem Publikum einging, bot sogar seine persönliche Hilfe an: „Ich will auch dem Einzelnen helfen“, sagte er und besuchte dann noch das kleine Fest im Anschluss bei dem Borkener Ortsverbandsvorsitzender Milorad Gligoric.

Von Christine Thiery

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