Etappenziel Stichwahl

Landratswahl Schwalm-Eder: Stefanie Pies setzt sich für Gleichberechtigung ein

Liest in ihrer Freizeit gern und schreibt an ihrem ersten eigenen Roman: Landratskandidatin Stefanie Pies aus Edermünde.
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Liest in ihrer Freizeit gern und schreibt an ihrem ersten eigenen Roman: Landratskandidatin Stefanie Pies aus Edermünde.

Bei der Kommunalwahl am 14. März wählen die Menschen im Schwalm-Eder-Kreis auch ihren Landrat. Wir stellen die Kandidaten im Porträt vor. Heute Stefanie Pies von Bündnis90/Die Grünen.

Schwalm-Eder – Etwas überrascht ist Stefanie Pies noch immer, wenn sie sich mal wieder selbst von zahlreichen Straßenlaternen aus anlächelt. Ihr Gesicht ist eines von denen, die man derzeit in nahezu jedem Ort im Landkreis sieht – auf Wahlplakaten. Die 43-Jährige will Landrätin des Schwalm-Eder-Kreises werden. Sie ist die Überraschungskandidatin in diesem Wahlkampf. „Das war der Plan“, sagt sie. Und fügt mit einem Lächeln hinzu: „All in“ – alles oder nichts.

In der zweiten Jahreshälfte 2020 habe sie sich entschieden, anzutreten. 2017 hat sich die Edermünderin den Grünen angeschlossen. Ihre Motivation? „Nach der Bundestagswahl war mir klar, dass ich mich engagieren will.“ Dem Wahlerfolg der AfD will sie mit Haltung entgegentreten – und sich gegen rechte Tendenzen stellen. Im Programm der Grünen habe sie alles gefunden, was zu ihrer Einstellung passt. Dazu zählen die Schwerpunkte auf der gleichberechtigten Teilhabe, die paritätischen Ansätze und das Frauenstatut. „Ich war von Beginn an aktives Mitglied. Nicht aktiv sein, liegt mir nicht so“, sagt sie. Seit 2018 gehört sie zum Grünen-Vorstand im Kreis. Im Landesfrauenrat der Grünen engagiert sich Pies seit 2020.

Die 43-Jährige ist Marketingökonomin, arbeitet seit 1996 bei B. Braun Melsungen und hat Erfahrung in der Wirtschaft mit Führungsverantwortung für 55 Personen. „Ich leite ein tolles Team“, sagt sie. Weil sie Spaß daran habe, Neues auszuprobieren und Menschen für ihre Ideen zu begeistern, trete sie an. Ihr Etappenziel: Stichwahl. Und dann? „Schauen wir neu“, sagt sie und lächelt zuversichtlich. Als zielstrebig, willensstark und empathisch beschreibt sie sich. „Im positiven Sinn“, fügt sie schnell an. Aber ihr seien auch die Mehrheitsverhältnisse im Kreis klar. In ihrem beruflichen Werdegang habe Pies erlebt, welche Potenziale in der gleichberechtigten Teilhabe liegen. Dafür wolle sie sich einsetzen. Wohl auch deshalb ist Wirtschaft ein weiterer Schwerpunkt. „Frauen stoßen in Unternehmen oft an Limits“, sagt Pies. Es gebe aber viele tolle Unternehmerinnen im Kreis mit ebenso tollen Ideen, die vernetzt sind und gemeinsam agieren. Solche Netzwerke gelte es auf- und auszubauen.

„Die Männer überlasse ich aber nicht den drei anderen Kandidaten“, sagt die Landratskandidatin. Familien seien heute anders aufgestellt. Vätern müsse mehr Raum gegeben werden, um sich der Familie zu widmen. „Betreuungszeiten, wohnortnahe Betreuungseinrichtungen, Teilzeitmodelle“, nennt sie als Stichworte.

Landratswahl Schwalm-Eder: Pies will Landleben stärken

Selbst lebt sie im Job derzeit die Vier-Tage-Woche. Ihre weiteren Eckpunkte: Landleben stärken, sanfter Tourismus. Zu kurz kommen ihr im Schwalm-Eder-Kreis auch die Angebote für Jugendliche. „Da muss man mit der Zeit gehen.“

Schnellere Entscheidungswege würde sie sich in der Kreispolitik wünschen. „Und die Offenheit für neue Ideen und Einflüsse.“ Eine Entscheidung für Lüfter in Schulen hätte im Coronajahr früher getroffen werden müssen, sagt sie. Überhaupt hätte der Landkreis in der Krise schneller beschlussfähig aufgestellt sein müssen, um Entscheidungen zu treffen. „Es ist nicht alles gut, es wird auch nicht alles wieder gut“, sagt sie mit Blick auf Arbeitslosenzahlen und drohende Pleitewelle. Jetzt sei der Zeitpunkt, um an Perspektiven für Wirtschaft und Kultur zu arbeiten.

Dass der Wahlkampf in Coronazeiten ein anderer ist, sei auch eine Chance. „Dadurch haben wir die gleichen Möglichkeiten“, sagt Pies. Sie bietet unter anderem einen Podcast und digitale Wohnzimmergespräche an. Sich lange an negativen Gedanken aufzuhalten, ist nicht ihre Sache. Pies sucht nach Lösungen und positiven Perspektiven. Und sie hat Gefallen daran gefunden, durch die Plakate jetzt von noch mehr Menschen erkannt und auf ihre Ziele angesprochen zu werden, sagt sie. Sie deutet auf eine Stellwand in ihrem Wohnzimmer: Weltfrauentag, Equal Pay Day (internationaler Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern) sind da notiert. Gerechtigkeit – in allen Bereichen. Dafür stehe sie. Nicht nur im Wahlkampf. (Maja Yüce)

Informationen: Stefaniepies-landraetin.de

ZUR PERSON

Stefanie Pies (43) wurde in Kassel geboren und ist in Edermünde aufgewachsen. Sie ging in Gudensberg und Fritzlar zur Schule. Ausbildung zur Industriekauffrau bei B. Braun, Studium Marketingökonomin, Abteilungsleiterin im Supply Chain Management für Medizinprodukte. In ihrer Freizeit liest sie gerne, wandert und macht Yoga. Pies ist geschieden. (may)

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