Homeschooling keine Alternative zu Unterricht

Im Altkreis enden die Osterferien: Schüler werden weiter zuhause unterrichtet

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Zusammenhalt zählt: Katrin Möbus, pädagogische Leiterin der Ursulinenschule in Fritzlar, bedankte sich mit einem Selfie bei Lehrern, Eltern und Schülern.

Viele Schüler wird es freuen, dass sie Montag nicht zurück in die Schule müssen. Die Ferien sind trotzdem vorbei.

Normalerweise würde es am Montag wieder in die Schule gehen. Doch nicht so in der Coronakrise. Bund und Länder haben sich geeinigt: Ab dem 27. April sollen Schüler und Lehrer erstmal nur schrittweise zusammenkommen. Noch heißt es also: Homeschooling (Schule von Zuhause). Vertreter einiger Schulen in der Region sind sich einig, dass das dies überraschend gut klappt. Aber: Es sei keinen Alternative zum Unterricht.

Christophorus-Schule

Günter KochChristophorus-Schule

Für Schulleitung und Lehrer bedeutete die Schulschließung echter Stress, erinnert sich Günter Koch, Chef der Christophorus-Schule in Oberurff. Während die Schüler online informiert wurden, machten sich die Lehrer daran, Aufgaben für das Homeschooling zu erarbeiten. Dabei stellte sich heraus, dass in den oberen Klassen der Unterricht am heimischen Küchentisch ganz gut lief. Probleme gab es in den 5. und 6. Klassen. „Schülern fehlt in diesem Alter noch die Medienkompetenz“, sagt Koch. Auch wenn es Reibungspunkte gab, waren die Rückmeldungen positiv. Dabei seien die Schüler doppelt belastet: Sie mussten den Schulstoff und die Hausaufgaben absolvieren. Die Folge: „Die Lehrer haben jetzt viel zu korrigieren.“

Sein Fazit: Homeschooling ist etwas für den Notfall, allenfalls eine Ergänzung des Unterrichts. Denn „es fehlt der persönliche Kontakt zu den Lehrern, die Diskussion untereinander“. Auch werde die Schule ihrem Erziehungsauftrag nicht gerecht.

Theodor-Heuss-Schule

Hans-Joachim SchwieteringTheodor-Heuss-Schule

Nach Startschwierigkeiten sei die Verteilung der Aufgaben gut gelaufen, sagt Studienleiter der THS in Homberg, Hans-Joachim Schwietering. Auch habe sich gezeigt, dass trotz der Plattformen, des Austausches per Email der Unterricht in der Schule nicht zu ersetzen sei. „Dauerhaft ist das keine Alternative zum Lehrer-Schüler-Verhältnis“, sagt der Pädagoge.

Dabei habe es wenig Klagen gegeben, habe ihm der Vorsitzende der Schülervertretung, Thorben Utpatel erklärt. Nur die Hausaufgaben, die seien allzu üppig ausgefallen. Recht positiv sei auch das Fazit des Vorsitzenden der Elternvertretung, Christian Utpatel, ausgefallen. Alle hätten sich auf die Situation gut eingestellt und das Beste daraus gemacht.

Und noch eines habe das Homeschooling gezeigt: „Es ist nicht damit getan, Geld in die Anschaffung von Computern zu investieren. Die Lehrer müssen im Umgang mit der Technik geschult und die Geräte müssen gewartet werden. Das muss in den Digitalpakt aufgenommen werden“, sagt Schwietering.

König-Heinrich-Schule

Thomas NeumarkKönig-Heinrich-Schule

„Es gab nur eine Klage darüber, dass es zu viele Aufgaben waren“, sagt Direktor der KHS in Fritzlar, Thomas Neumark. Seiner Beobachtung nach bewältigten die Schüler das Pensum mit großem Eifer. Doch hatte der Tag eine andere Struktur. Die Folge: Schularbeiten zogen sich bis zum Abend hin.

Für die Eltern habe die Schule ein Sorgentelefon eingerichtet. Dabei habe sich herausgestellt, dass nicht nur Eltern, sondern auch Lehrer anrufen, wie sie mit der neuen Lage umgehen sollen. Denn dem E-Learning fehle „ein sicheres Gerüst, um damit umzugehen“.

Bislang habe man gut improvisiert. Das Fazit Neumarks: „Von einem sicheren Umgang mit dem E-Learning sind wir noch weit entfernt“. Das gelte für die Menge des Stoffs, die Qualität des Unterrichts und die Notengebung. Vor allem fehle der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern. Technisch habe man Fortschritte gemacht, aber auch Mängel erkannt.

Dennoch: „Die Schule braucht die Menschen und die Menschen die Schule.“ 

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