In Blockaden die Spielräume finden

Fragen und Antworten: Fasten in einer von Verzicht geprägten Coronazeit

Die Fastenzeit beginnt heute und endet dann mit dem Osterfest. Flavia Conte (27) hat beschlossen, während dieser 40 Tage auf Zucker zu verzichten.
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Die Fastenzeit beginnt heute und endet dann mit dem Osterfest. Flavia Conte (27) hat beschlossen, während dieser 40 Tage auf Zucker zu verzichten.

Heute beginnt die Fastenzeit. Nach einem vom Verzicht geprägten Corona-Jahr rufen die katholische und die evangelische Kirche zu einer Alternative zum klassischen Fasten auf: Klimaschützen ist ebenso ein Thema wie „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“. Sabine Koch, Pfarrerin in Hebel und Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit über die Fastenzeit im Coronajahr.

Kann man die Fastenzeit nach einem schweren Coronajahr nicht einfach ausfallen lassen?

Dieses Argument habe sie schon oft gehört, sagt Sabine Koch. Doch gehe es bei „Sieben Wochen ohne Blockaden“ nicht nur darum, auf etwas zu verzichten. Sondern vielmehr darum, Spielräume trotz der Blockaden zu finden.

Wie kann man solche Spielräume ausmachen?

Ein Beispiel seien die Kirchengemeinden, die trotz der Corona-Beschränkungen kreativ geworden sind und Angebote gemacht haben – Video-Gottesdienste, Gebete an Wäscheleinen. „Sie haben neue Spielräume gefunden. Denn es stimmt nicht, dass man nichts tun kann“, erklärt Koch. „Es wurden kleine Lücken gefunden und diese wurden trotz der Blockaden genutzt“, sagt Koch. Das könne ein Beispiel sein in dieser ganz anderen Fastenzeit: Zu den Regeln gehöre Spielraum. Und dessen Auslotung sei eine Kunst.

Sabine Koch

Also ist diesmal die Fastenzeit auch eine ganz andere. Es geht nicht primär um Verzicht?

Es gehe darum, die eigene Lebensweise zu hinterfragen. Und es gehe auch darum, „trotz der vielen Vorgaben, mit denen wir gerade alle leben müssen, keine Mauern aufzubauen“, sagt Koch. Ohne Blockade lebt es sich zum Beispiel, wenn man seine eine wichtige Person trifft, wenn man aber auch das Telefon in die Hand nimmt und mit den Menschen spricht, die man gerade nicht treffen kann. Und dass man vielleicht auch mal wieder einen Brief schreibt. Darin kann man etwas Positives entdecken – trotz des Verzichts.

Positives im Verzicht entdecken, was sagen wohl Menschen dazu, die gerade um ihre Existenz kämpfen?

Auch für sie passe das Motto. „Denn Gastronomen haben zum Beispiel auch neue Spielräume entdeckt und bieten Abholaktionen an. Diese Menschen möchte ich ermuntern, weiter Spielräume zu suchen“, sagt Koch. Das Gute der Fastenzeit sei auch, dass ein Ende in Sicht ist. „In 40 Tagen ist sie vorbei, dann ist Ostern und ich habe die Hoffnung, dass wir die Osternacht feiern können“, so Koch. Die Art der Feier könne auch ein Kompromiss sein. 7wochenohne.evangelisch.de

Von Maja Yüce

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