Polizei sucht Zeugen

Sorge nach Hochsitz-Brand: Forstämter verurteilen Vandalismus an Hochsitzen

Das Werk von Brandstiftern: Jagdpächter Tobias Freudenstein aus Fritzlar räumt die Reste des zerstörten Ansitzes beiseite, der in seinem Lendorfer Revier stand. Für Hinweise auf die Täter will er 500 Euro Belohnung zahlen.
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Das Werk von Brandstiftern: Jagdpächter Tobias Freudenstein aus Fritzlar räumt die Reste des zerstörten Ansitzes beiseite, der in seinem Lendorfer Revier stand. Für Hinweise auf die Täter will er 500 Euro Belohnung zahlen.

Tobias Freudenstein aus Fritzlar feierte gerade den Geburtstag seiner Zwillinge, als sein Reviernachbar anrief: In Lendorf brenne Freudensteins Hochsitz, die Feuerwehr sei im Einsatz.

Tobias Freudenstein aus Fritzlar feierte gerade mit seinen vierjährigen Zwillingen und der ganzen Familie den fröhlichen Kindergeburtstag, als sein Reviernachbar anrief: In Lendorf brenne Freudensteins Hochsitz, die Feuerwehr sei im Einsatz: „Besser, du kommst vorbei.“

Als der 43-jährige Jagdpächter dort vorfuhr, wo noch kurz zuvor ein Anhänger mit dem Ansitz drauf gestanden hatte, fand er nur noch rauchende Trümmer vor. 25 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um das Feuer zu löschen, das unbekannte Brandstifter an dem Nachmittag gelegt hatten.

Die hatten am hellen Tage mit Hilfe eines Brandbeschleunigers das Feuer entfacht. Das entwickelte eine solche Hitze, dass die Reifen des Hängers schmolzen, der Lack vom Trapezdach abplatzte.

Unbekannte setzen Hochsitz in Lendorf in Brand

Seit sechs Jahren betreut Tobias Freudenstein das Revier bei Lendorf, aber einen solchen Übergriff habe er noch nie erlebt. Den Hochsitz, dessen Trümmer er jetzt auf den Hänger verladen und zur Mülldeponie bringen musste, hatte er zusammen mit seinem Vater gebaut.

Die Jagd, sagt der 43-Jährige, stelle für ihn mehr als ein Hobby dar: „Mit ist ein harmonisches Verhältnis zwischen Jägern, Spaziergängern, Hundehaltern und Erholungssuchenden wichtig“, sagt Freudenstein. Doch anstatt Freude macht ihm die Jagd gerade richtig Sorge. „Es ist wie nach einem Einbruch – es fühlt sich völlig übergriffig an.“

Trümmerhaufen: Die Feuerwehr konnte nichts mehr retten – die Täter hatten beim Entzünden des Hochsitzes Brandbeschleuniger eingesetzt.

Jagdpächter: Eigentum von anderen respektieren

Freudenstein ist es ein Rätsel, wie sich jemand am Eigentum eines anderen vergreift: „Natürlich kann man Jagdgegner und Naturschützer sein – aber niemand darf Dinge einfach zerstören.“ Freudenstein ist sauer über den Täter, der noch dazu so dreist und skrupellos war, dass er mitten am Tag zuschlug, nicht mal auf den Schutz der Dämmerung wartete.

Freudenstein will das nicht einfach so hinnehmen: Er schreibt eine Belohnung in Höhe von 500 Euros für sachdienliche Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen.

Damit wolle er mit Nachdruck zum Nachdenken anregen: Wer immer am Donnerstagnachmittag (7. Oktober) eine verdächtige Person oder eine ungewöhnliche Situation wahrgenommen habe, solle sich mit der Polizei in Verbindung setzen, damit der oder die Täter schnellstmöglich dingfest gemacht werden können – damit nicht noch weitere Jagdpächter zu Schaden kommen. Kontakt: Polizei Homberg, Tel. 0 56 81/7740

Forstämter verurteilen Vandalismus an Hochsitzen

Der Fall des angezündeten Hochsitzes bei Lendorf beschäftigt die Fachleute sehr. Bislang ist der Vorfall, bei dem noch unbekannte Brandstifter einen Hochsitz in Flammen aufgehen ließen, der einzige im Landkreis, auch wenn es immer wieder einmal Übergriffe und Vandalismus an Jagdeinrichtungen gebe, heißt es aus den drei Forstämtern im Landkreis.

Dort ist man sich einig: Ohne die Jagd und die damit verbundene Arbeit der Jagdpächter werde es schwer, neue, stabile Mischwälder zu begründen, sagt Karl-Gerhard Nassauer, Leiter des Forstamtes in Jesberg. „Wir stehen vor der schweren Aufgabe der Wiederaufforstung – mit zuviel Wild aber wird es keine neuen Baumgenerationen geben. Denn dann produzieren wir mit den Setzlingen statt Nachwuchs für den Wald nur Grünfutter fürs Schalenwild.“

Vandalismus gefährdet Jagd und Wald

Das aber sei in den Köpfen der meisten Menschen angekommen, ist sich Ralf Apel vom Forstamt Neukirchen sicher. „Die meisten Menschen sehen in unserer waldreichen Region die Probleme, die durch Dürre und Borkenkäfer entstanden sind“, sagt Apel. „Und sie sehen, wie wichtig Naturverjüngung und Wiederaufforstung sind, die aber der Wildverbiss gefährdet: Damit nimmt das Verständnis der Menschen für die Bedeutung der Jagd zu.“

Im Forstamt Melsungen gab es jüngst einen Fall von Brandstiftung an vier Poltern bei Vockerode, doch sei eine solche Tat die Ausnahme, so Forstamtsleiterin Petra Westphal: „99 Prozent der Menschen haben verstanden, welche Bedeutung der Wald für die Natur und das Klima hat.“

Hoch- und Ansitze sind wichtig für die Jagd

Die Hoch- und Ansitze seien von großer Bedeutung. „Man braucht sie für eine vernünftige und effektive Jagd, damit wir die Wiederbewaldung vornehmen können.

Petra Westphals Appell an alle Spaziergänger und Erholungssuchenden: Wer immer Fälle von Vandalismus oder Manipulationen beobachte, sollte umgehend das Forstamt oder die Polizei benachrichtigen. Eine Gefährdung der Jägerschaft sei nicht hinnehmbar, ergänzt Karl-Gerhard Nassauer vom Jesberger Forstamt.

Vier Fälle allein in diesem Jahr

Allein in diesem Jahr verzeichnet die Polizei zwei Straftaten, bei denen Hochsitze angezündet wurden. Jens Breitenbach, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder, berichtet auf HNA-Anfrage vom Vorfall in Lendorf sowie von einer Tat in Haldorf. Außerdem wurden in Spangenberg und Linsingen Hochsitze beschädigt. 2020 wurden zwei Vorfälle angezeigt, 2019 vier Fälle – davon zwei bei denen Feuer im Spiel war. Die Polizei spricht dabei nicht von einer Häufung. chm

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