Jedes dritte Baby im Schwalm-Eder-Kreis kommt per Kaiserschnitt

Schwalm-Eder. Kaiserschnitt statt Geburt auf natürlichem Wege: Der Trend setzt sich fort. Mehr als ein Drittel der Kinder im Landkreis kam im Jahr 2014 durch eine Operation zur Welt.

Das waren 310 von 900 Entbindungen oder 34,4 Prozent.

Der Schwalm-Eder-Kreis liegt damit leicht über dem hessischen Durchschnitt (33,8 Prozent) und dem Bundesdurchschnitt von 31,8 Prozent. Das belegen Daten des Statistischen Landesamtes, die von der Krankenkasse IKK classic ausgewertet wurden.

„Die Zahlen der Kaiserschnitte steigen seit Jahren“, sagt auch die Hebamme Susanna Ziegler (Knüllwald). 1994 betrug der Anteil in Deutschland lediglich 17,3 Prozent, vor zehn Jahren waren es im Kreis 21,8 Prozent der Geburten.

Ziegler sieht einen Hauptgrund dafür in der wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser: Kaiserschnitte würden besser honoriert und seien gut integrierbar in den Terminplan der OP-Säle. „Eine Gyn-Abteilung mit einer OP-Rate unter 30 Prozent ist unwirtschaftlich“, sagt sie

Die Ursachen für den Anstieg der Kaiserschnitte seien vielfältig, sagt Dr. Wolfgang Kersting, Geburtshelfer im Fritzlarer Hospital. Der medizinische Fortschritt habe den Eingriff risikoärmer gemacht, die medizinischen Gründe dafür würden großzügiger gehandhabt. Und: „Manche Frauen wollen die Belastung der Geburt nicht aushalten“, sagt er. Sie seien heute über Alternativen gut informiert.

Dass sich Frauen spezielle Geburtstermine aussuchten, weil es ihnen besser passe, halten Ziegler und Kersting für eher selten. Es sei bei uns noch lange nicht so wie etwa in Brasilien, wo 52 Prozent der Geburten terminiert würden, sagt Dr. Kersting. Ein Drittel Kaiserschnitte hält er noch für okay. Susanna Ziegler betont, dass jeder operativen Eingriff ein Risiko berge. Zudem seien die Folgen für Mutter und Kind später spürbar.

Rubriklistenbild: © dpa

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