An Waldstück in Jesberg sollen bis zu 14 Windräder gebaut werden

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Über den Wipfeln zwischen Jesberg und Reptich herrscht noch Ruh, aber das könnte sich bald ändern: Neuentals Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm (links) und Jesbergs Rathauschef Heiko Manz vor dem Wald, in dem bald bis zu 14 Windräder stehen könnten. Das Foto entstand auf dem Turm der Burg Jesberg, rechts die Häuser der Siedlung Jesberg.

Jesberg. Am Jesberger Prinzessingarten drehen sich vielleicht bis zu 14 Windräder: Hessen-Forst hat jetzt die Gemeinden Jesberg und Neuental über die geplante Ausschreibung der Standorte informiert.

Im Klartext heißt das, dass Hessen-Forst als Eigentümer die Vorrangflächen vermarkten will.

Jetzt sind die Anliegergemeinden Jesberg und Neuental aufgefordert, Anregungen zu den Plänen zu geben. Für Dr. Philipp Rottwilm (Neuental) und Heiko Manz (Jesberg) kommt es nun doch überraschend, dass Hessen-Forst Investoren ausgerechnet für Gebiete sucht, die neben Naturdenkmälern (Prinzessingarten) oder Kulturdenkmälern (keltische Ringwallanlage auf der Altenburg) liegen. „Die Botschaft lautete jahrelang: Ihr müsst euch keine Sorgen machen, es gibt genügend Flächen, die viel besser geeignet sind“, sagt Heiko Manz.

Diese Ansage gilt nun nicht mehr, im Gegenteil, es scheint beschlossene Sache zu sein, dass in Jesberg und Neuental bald ein anderer Wind weht. Die Bürgermeister aber sehen die Standorte am Prinzessingarten und an der Altenburg kritisch, sie fordern ein Mitspracherecht, um noch ein Veto einlegen zu können: „Wir waren beide noch gar nicht im Amt, als die Sache verhandelt wurde.“

Die Parlamente aus Neuental und Jesberg haben bereits vor Jahren eine eindeutige Position bezogen und sich gegen die Flächen ausgesprochen. „Es geht nicht darum, dass wir gegen Windkraft an sich sind“, sagt Rottwilm: „Wir halten nur schlicht den Standort für falsch.“ Ein viel besserer, ebenfalls im Regionalplan festgelegter sei der ehemalige Bundeswehrstandort bei Dorheim.

Der Prinzessingarten aber, zu dem früher eine mit Eichen bestandene Allee vom Maximilianschlösschen führte, sei ein bei Touristen und Einheimischen beliebtes Wander- und Erholungsgebiet, zudem stelle er ein Bodendenkmal dar. Dass Hessen-Forst beabsichtige, direkt an die Grenze des alten Waldes bis zu 240 Meter hohe Windräder aufzustellen, können die Bürgermeister nicht verstehen. Für ein jedes Rad müsse ein halber Hektar Wald gerodet werden, zudem müsse man Zuwegungen schaffen. Zu den maximal 14 Rädern am Prinzessingarten könnten drei weitere bei Elnrode/Strang und auch etliche auf der Altenburg kommen. Die Voraussetzungen für all diese Pläne sind geschaffen, alles ist möglich. Zwar ist zurzeit noch die Meinung der beiden Rathauschefs gefragt, die aber ist längst nicht ausschlaggebend. Auch nicht die Hinweise auf dort lebende Rot- und Schwarzmilane und Bartfledermäuse. „Die vorgetragenen Bedenken und Aspekte sind überprüft und berücksichtigt, heißt es im Regionalplan.

Was sich Manz und Rottwilm wünschen: Auch jetzt noch ein Mitspracherecht. Sowohl was Argumente als auch das Finanzielle angeht. Denn sollten sich am Prinzessingarten bald Windräder drehen, würde die Gemeinde keinen Cent daran verdienen. Diese Tatsache, sind sich Manz und Rottwilm einig, erhöhe nicht gerade das Verständnis und die Akzeptanz der Anwohner.

„Vergabe beginnt nächste Woche“

Der Prinzessinnengarten im Staatswald des Forstamtes Jesberg sei grundsätzlich als Windkraftstandort geeignet, deshalb seien dort die Vorranggebiete für Windenergie ausgewiesen, teilt Pressesprecherin Petra Westphal mit. Jetzt seien folgende Schritte geplant: • Hessen-Forst will im Vorfeld des Vergabeverfahrens auf Anregungen und Hinweise der betroffenen Waldbesitzer und Gemeinden eingehen und diese berücksichtigen. • Ab 18. Juni werden die Standorte den Entwicklern und Betreibern von Windenergieprojekten angeboten. • Sechs Wochen später (Ende Juli) soll der Zuschlag erteilt werden. Innerhalb des Bieterverfahrens werden die Angebote nach Wirtschaftlichkeit sowie Kriterien „der regionalen und kommunalen Wertschöpfung“ gewichtet. Die Möglichkeiten einer finanziellen Beteiligung der Bürger im Bereich der Anlagenstandorte werden im Vergabeverfahren besonders berücksichtigt, teilt Hessen-Forst mit: „In einem transparenten und objektiven Verfahren wird nach Gewichtung dieser Auswahlkriterien schließlich der Zuschlag erteilt“, heißt es in der Pressemitteilung.

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