Über 250 Menschen kamen in die Kellerwaldhalle

Bei Diskussion um Mastbetrieb für 30.000 Hühner in Jesberg blieb manche Frage offen

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Reges Interesse: Mehr als 250 Gäste verfolgten die Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative Pro Jesberg, die den Bau eines geplanten Hähnchenmastbetriebs verhindern will. 

Jesberg. Diese Nachricht hat für Wirbel gesorgt: Die Familie Kröschel will nahe der Jesberger Siedlung am Schlossberg einen Hähnchenmaststall für 29.900 Hühner errichten. 

Weil einige Jesberger Einwohner Angst vor Dreck, Lärm und Umweltbelastung haben, gründeten sie die Bürgerinitiative (BI) Pro Jesberg, um den geplanten Stall zu verhindern.

Mit einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in der Kellerwaldhalle hatte die BI in einem ersten Schritt für mehr Transparenz sorgen wollen, 250 Menschen waren gekommen. Die Besucher erhofften sich Antworten auf Fragen rund um das Reizthema Hähnchenmast und vor allem zu Daten und Fakten rund um den geplanten großen Stall.

Letztendlich blieb manche Frage offen. Über das Vorhaben von Bauherr Gerhard Kröschel und seinem Sohn Andreas lagen zunächst nicht viele Informationen vor. Das führte dazu, dass die Podiumsdiskussion eher zu einer allgemeinen Abhandlung über die Nachteile der Massentierhaltung abdriftete.

„Industrielle Tierhaltung ist ein Auslaufmodell, das auf den Müll der Geschichte gehört“, rief Dr. Markus Schimmelpfennig dem applaudierenden Publikum zu. Den stellvertretenden Leiter des Kasseler Gesundheitsamts, der bei der Diskussion als Privatmann auftrat, hatte die Initiative neben dem Grünen-Europaabgeordneten Martin Häusling aus Bad Zwesten und Michael Heder von der BI ProWaldeck als Experten gewonnen. Häusling und Schimmelpfennig warnten vor der Gefahr multiresistenter Keime durch zu hohe Antibiotika-Gaben und warben für alternative Methoden wie die Freilandhaltung und die Bio-Landwirtschaft.

Michael Heder von der BI Pro Waldeck berichtete, dass auch dort die Bürgerinitiative versuche, den Bau einer Mastanlage zu verhindern. „Was in einem solchen Fall rechtlich möglich ist, das muss ein Jurist beurteilen“, erklärte er. Die Kommunikation mit dem betroffenen Landwirt funktioniere dort nicht gut, der Bauer sei nicht zu Gesprächen bereit.

In Jesberg scheint es anders zu laufen. Andreas Kröschel wollte sich zwar nicht in der Kellerwaldhalle äußern, erläuterte aber am Freitag nach einer HNA-Anfrage die Pläne seiner Familie. 

Das sagt Landwirt Andreas Kröschel

In der Versammlung sei die Antibiotika-Thematik in Mastbetrieben zu drastisch dargestellt worden, sagt Landwirt Andreas Kröschel (20). Während seiner Ausbildung habe er in einem Hähnchenmastbetrieb gelernt, dort sei es gar nicht nötig gewesen, den Tieren Antibiotika zu verabreichen: „Ein gutes Management macht das möglich.“ Wann denn der Stall nahe der Schlossberg-Siedlung gebaut werden soll, stehe noch nicht fest; „erst muss die Genehmigung vorliegen.“ Um die Lärmbelastung gering zu halten, soll der Lastwagenverkehr über Feldwege erfolgen. Er bekräftigt: „Ich bin für alle Gespräche offen und habe nichts zu verheimlichen.“ 

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