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Die Reise zu den Wurzeln: Familie Rundell will Stolpersteine in Jesberg finanzieren

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Besuch am jüdischen Friedhof Jesberg: von links Paul und Keegan Rundell, Mark Immer und Jane Salomon Rundell am Grab von Moses Schloss.
Besuch am jüdischen Friedhof Jesberg: von links Paul und Keegan Rundell, Mark Immer und Jane Salomon Rundell am Grab von Moses Schloss. © Rainer Scherb

Familie Rundell will Stolpersteine in Jesberg finanzieren. Sie waren dort zu Besuch.

Jesberg – Ein Stück Ortsgeschichte kehrt zurück nach Jesberg: Nachfahren der Familien Schloss und Rosenbaum kamen am Samstag erstmals nach 1946 zu Besuch. Jane Salomon Rundell (75) aus Chicago besuchte Jesberg, wo ihre Großeltern Johanna und Hermann Schloss ein Geschäft betrieben, ihre Mutter Ilse lebte. Sie kehrte nach dem Holocaust auch dorthin zurück und heiratete 1945 Rolf Salomon. Janes Schwester Ruth kam dort zur Welt.

Es ist wohl schwer nachzuvollziehen, dass Ilse 1945 zurück nach Jesberg kam. Aber die Überlebenden des Holocausts waren entwurzelt, traumatisiert. In ihrer Verzweiflung blieb oft nur der Heimatort, zumal man dort nachforschen konnte, ob es weitere Überlebende gab. Ludwig Hirschberg aus Bad Zwesten wählte den selben Weg wie Ilse Rosenbaum. Auch er heiratete in seiner alten Heimat, sein erstes Kind wurde in Fritzlar geboren. Später wanderte er genau wie Janes Eltern mit seiner Familie in die USA aus.

In Jesberg empfing Regina Ochs die Gäste, die selbst viele Jahre die jüdische Geschichte vor Ort erforscht

Jane Salomon Rundell kam mit ihrem Lebensgefährten Mark Immer, Sohn Paul Rundell (49) und Enkel Keegan Rundell (14) nach Jesberg. Weitere Stationen ihrer Deutschland-Reise sind Berlin, die Gedenkstätte Dachau und die Gedenkstätte des Ghettos Theresienstadt.

Möglich machten den Besuch in Deutschland der Kontakt zu Thomas Schattner aus Wabern und zu Rainer Scherb. In Jesberg empfing Regina Ochs die Gäste, die selbst viele Jahre die jüdische Geschichte vor Ort erforscht.

Zu Besuch in Jesberg: Jane Rundell will Gedenksteine finanzieren

Neben den Häusern, in denen ihre Vorfahren lebten, stand der Besuch des kleinen Jesberger jüdischen Friedhofs an. Jane gedachte dort ihres Urgroßvaters Moses Schloss, der 1933 mit 80 Jahren in Jesberg starb. Die Amerikaner waren von dem herzlichen Empfang der Familien Cramer und Drüsedau angetan, die heute im Haus von Janes Eltern und im Nachbarhaus wohnen, das ehemals Janes Großeltern gehörte.

Der Besuch war mit dem innigen Wunsch verbunden, dass Stolpersteine für Janes Vorfahren in Jesberg verlegt werden. Rainer Scherb fuhr mit den Gästen nach Zimmersrode, um die im Mai von Gunter Demnig verlegten Stolpersteine zu zeigen. Jane Rundell will Gedenksteine finanzieren: für ihre Eltern Ilse und Rolf Salomon, für die ermordeten Großeltern Hermann und Johanna Rosenbaum und ihren Onkel Julius Günther, ihre Urgroßmutter Jettchen Schloss und ihren Urgroßvater Moses Schloss, der 1933 starb. (Thomas Schattner)

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