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Kalkung vitalisiert versauerte Böden

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Von: Kerim Eskalen

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Die Waldkalkung per Helikopter: Knapp 800 Kilogramm Kalk werden aus einem zylinderartigen Gefäß über den Bäumen pro Überflug abgelassen.
Die Waldkalkung per Helikopter: Knapp 800 Kilogramm Kalk werden aus einem zylinderartigen Gefäß über den Bäumen pro Überflug abgelassen. © Kerim Eskalen

Über den Wäldern bei Jesberg konnte man dieser Tage einen Hubschrauber seine Runden drehen sehen. Hintergrund ist die Waldkalkung.

Jesberg – Über den Wäldern bei Jesberg konnte man dieser Tage einen Hubschrauber seine Runden drehen sehen. Hintergrund ist die Waldkalkung des Staatswaldes, von einem Privatwald und von zwei Gemeinschaftswäldern in der Gegend – zusammen knapp über 900 Hektar.

Das Prinzip der Kalkung stammt aus der Zeit des Waldsterbens, wo sich saurer Regen im Boden festgesetzt hatte, erklärt Christian Hiestermann, vom Forstamt Jesberg (Hessen Forst). Der Boden und die Wälder seien damit nicht klargekommen, weshalb man bis heute versuche, mit der Kalkung diese Altlasten abzufedern. Denn der Waldboden reguliere als Nährstoff- und Wasserspeicher die Stoffflüsse zwischen Boden und Pflanzen.

Waldkalkung bei Jesberg

Generell komme es aber bis heute durch Stickstoff- und Schwefelverbindungen aus der Umwelt zu einer Versauerung der Böden. Das Puffervermögen der Waldböden könne dem nur bedingt entgegenwirken. Darunter leide auch das Wurzelsystem der Bäume und sie werden weniger widerstandsfähig: „Aktuell ist die Kalkung auch wegen des Klimawandels wichtig, um unsere Wälder zu stabilisieren“, sagt Hiestermann. „Trockenheit, Stürme, Hitze, Windwurf oder auch der Befall mit Borkenkäfern – unsere Wälder müssen einiges aushalten. Da hilft das Kalken enorm.“

Der Kalkbehälter am Helikopter wird mithilfe eines Radladers befüllt.
Der Kalkbehälter am Helikopter wird mithilfe eines Radladers befüllt. © Eskalen, Kerim

Durch die Kalkung werde die Bodenversauerung gemindert und die Vitalität der Waldbestände verbessert. Sie ist laut Hiestermann jedoch keine Düngung. „Der Boden nimmt den Kalk langsam auf. Es soll ja auch zehn Jahre halten, ehe wieder gekalkt werden muss“, sagt er. Die Organisation und Begleitung der Kompensationskalkung erfolgt durch den Landesbetrieb Hessen Forst.

Waldkalkung: Hubschrauber fliegt Runden

Insgesamt werden mit einem Hubschrauber pro Hektar drei Tonnen feuchter, mild wirkender Magnesiumkalk ausgebracht. Dessen Behälter muss nach jedem Ausleeren am Boden erneut von einem Radlader befüllt werden. Die Kosten je Tonne liegen laut Hiestermann bei 97 Euro. Von der Waldkalkung ausgenommen seien gut oder schlecht nährstoffversorgte, trockene sowie nasse Standorte. Gleiches gelte für Gewässer, Moore, Naturschutzgebiete und Freiflächen.

„Hierfür werden Pufferzonen eingehalten“, sagt Hiestermann. „Zudem sperren wir die Gegend zum Schutz der Menschen ab, denn es kann immer mal passieren, dass Steine oder Klumpen in dem Behälter sind, was dann unschön für Menschen oder Fahrzeuge enden könnte.“

Aus der Sicht des Hubschrauberpiloten könne man sich die Kalkung wie ein Malen nach Zahlen vorstellen, sagt Christian Meß, einer von zwei zuständigen Piloten. „Mit GPS sieht der Pilot eine gelbe Karte, die mit der Kalkung vollständig schwarz werden soll“, erklärt er. (Kerim Eskalen)

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