Es bleiben nur Automaten

Raiffeisenbank und Kreissparkasse verlassen Jesberg – Umzug in Neuental

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Zieht die Mitarbeiter ab: Die Raiffeisenbank Borken und die Kreissparkasse Schwalm-Eder wandeln ihre mitarbeitergeführten Filialen in Jesberg in reine Automaten-Standorte um.

Jesberg/Neuental. Die Raiffeisenbank Borken und und die Kreissparkasse Schwalm-Eder ziehen beide ihre Mitarbeiter aus Jesberg ab.

Auch in Neuental steht eine Änderung an: Die Raiffeisenbank wird dort von Zimmersrode nach Bischhausen umziehen, aber auch dort Mitarbeiter nur noch nach vorheriger Anforderung einsetzen. Damit werden die bislang mitarbeitergeführten Zweigstellen in reine Automatenstandorte umgewandelt. Die Kreissparkasse bleibt in Zimmersrode in bisheriger Form erhalten.

Die Politiker der beiden Gemeinden reagierten in den Sitzungen am Montag entrüstet und betroffen auf diese Nachricht. Die Jesberger verabschiedeten einstimmig eine Resolution, die Neuentaler riefen eine Unterschriftenaktion gegen diesen Beschluss ins Leben: Mit dem Wegfall eines ganzen Berufszweiges aus dem Ort werde das Ausbluten des ländlichen Raumes weiter beschleunigt, heißt es in der Jesberger Resolution. Eine Gemeinde könne nicht wachsen, wenn sich die Banken „vom Acker machten“, heißt es im Neuentaler Text. Folgendes ist geplant:

Jesberg

Die Kreissparkasse Schwalm-Eder gibt ihre angemieteten Räume in der Bahnhofstraße 23 auf. Sie wird künftig ihre SB-Automaten in der Bahnhofstraße 3 aufstellen: Jenem Gebäude, das der Raiffeisenbank Borken gehört.

Sie zieht ebenfalls ihre Mitarbeiter aus der Kellerwaldgemeinde ab und bietet dann zusammen mit der Kreissparkasse einen gemeinsamen Automaten-Standort in ihren jetzigen Räumen an.

Die Gemeinde Jesberg werde die Vorhaben zwar nicht verhindern können, wolle aber ein deutliches Zeichen ihres Unmutes setzen, sagte Bürgermeister Heiko Manz: „Eine Bank gehört vor Ort.“

Das betont auch die einstimmig verabschiedete Resolution: Mit Blick auf die demografische Entwicklung sei ein Serviceangebot wichtig für die Grundversorgung der Einwohner, heißt es dort. Ein reiner Automatenstandort werde den Bedürfnissen der Kunden nicht gerecht. Es sei Aufgabe der Sparkassen und Raiffeisenbanken, für eine flächendeckende Versorgung von Bankdienstleistungen zu sorgen.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Neuental

Auch für die Neuentaler Bankkunden ändert sich etwas. Zwar bleibt die KSK in Zimmersrode, jedoch will die Raiffeisenbank von dort nach Bischhausen ziehen. Nahe der Tankstelle soll ein Rewe-Markt entstehen, dort will die Raiffeisenbank einen Servicepunkt mit Beratungszeiten errichten. Die Bank wolle dort von der neuen Kundenfrequenz profitieren, sagte Neuentals Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm.

Das sagt die Raiffeisenbank: „Digitalisierung ist nicht aufzuhalten"

Der Vorwurf sei falsch, dass sich die Raiffeisenbank aus der Region zurückziehe, sagt Christof Wehrum vom Borkener Geldinstitut. „Wir sind da und wir bleiben. Aber nicht wir entscheiden, ob wir einen oder zehn Mitarbeiter in den Filialen beschäftigen, sondern die Kunden.“ Doch die Zahl derer, die die Filialen aufsuchten, gehe kontinuierlich zurück: Bereits 40 Prozent der Kunden des Borkener Instituts erledigten ihre Bankgeschäfte digital: „Diese Kunden kommen nicht mehr in die Banken vor Ort – die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten.“ Die Raiffeisenbank hat den Hauptsitz in Borken, einen SB-Standort in Kleinenglis und bald in Jesberg und eine Filiale in Bad Zwesten.

Das sagt die Kreissparkasse: „Es fehlte die Kundenfrequenz“ 

Immer weniger Kunden hätten in den vergangenen Monaten und Jahren die Jesberger Filiale der Kreissparkasse besucht, sagt Vorstand Thomas Gille. Das sei weder fürs Unternehmen noch die Mitarbeiter erfreulich, denn die wollten im Dialog mit den Kunden bleiben: „Da geht es uns dann wie dem Handel – ohne Frequenz müssen wir schließen.“ Die KSK habe sich nun schweren Herzens dazu entschlossen. Mit dem SB-Standort Zimmersrode habe diese Entscheidung nichts zu tun.

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