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Jesbergs Bürgermeister Manz zur Kritik am Baulandverkauf

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Von: Claudia Brandau

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Ist noch eine grüne Wiese: Jesbergs Bürgermeister Heiko Manz am Baugebiet Silberg. Dort soll der zweite Bauabschnitt von einem Projektentwickler erschlossen werden. Im Parlament gab es dazu Streit.
Ist noch eine grüne Wiese: Jesbergs Bürgermeister Heiko Manz am Baugebiet Silberg. Dort soll der zweite Bauabschnitt von einem Projektentwickler erschlossen werden. Im Parlament gab es dazu Streit. © Claudia Brandau

Der Ausbau des Baugebiets Silberg hatte im Parlament für Unstimmigkeiten gesorgt: Lothar Klitsch (Bürgerliste) warf der Gemeinde vor, mit dem Verkauf ihr Vermögen zu verschleudern. 

Jesberg – Der Ausbau des Baugebiets Silberg in Jesberg hatte kürzlich im Parlament für Unstimmigkeiten gesorgt: Lothar Klitsch (Bürgerliste) hat der Gemeinde vorgeworfen, mit dem Verkauf an den Projektentwickler Geißler Infra ihr Vermögen zu verschleudern. Die Idee: Sie hätte das Bauland selbst erschließen und von dessen Verkauf profitieren sollen. Bürgermeister Heiko Manz verwahrt sich gegen diese „haltlose Kritik“.

Zum Hintergrund: Die Gemeinde verkauft 13 Baugrundstücke – 10 400 Quadratmeter – für 187 300 Euro an den Projektentwickler Geißler Infra aus Kirchhain: Das sind 18 Euro für den nicht erschlossenen Quadratmeter. Als fertiges Bauland soll er dann 89 Euro kosten.

Zwischen 18 und 89 Euro ist viel Luft. Hat der Vertreter der Bürgerliste vielleicht doch recht? Muss die Gemeinde wirklich ihr Bauland an eine Firma verkaufen?

Ja. Muss sie. Denn welche Alternative hätte es denn gegeben?

Dass die Gemeinde in Eigenregie mit dem Bauhof die Fläche erschließt – das war ja das Argument in der Sitzung.

Ich sehe eine solche Erwartungshaltung an unseren Bauhof als großes Kompliment an die Truppe. Die kann tatsächlich viel leisten – aber eben nicht hexen.

Bauland zu erschließen ist nun aber kein Hexenwerk, das machen viele Gemeinden ständig.

Ja, wenn sie genügend finanzielle Rücklagen haben und immer mit Hilfe von Firmen. Als finanzschwache Gemeinde müssten wir Kredite aufnehmen.

Wir haben zwar gerade den ehemals hohen Altfehlbetrag von 3,9 Millionen Euro halbiert – aber wir können immer noch keine hohe Summe aufnehmen, um ein Baugebiet auf eigenes Risiko zu erschließen.

Das Risiko trägt der Bauentwickler aber doch auch?

Ja. Genau wie das Risiko, dass die Preise für Kanal, Abwasser, Straßenbau weiter steigen. Und das Risiko, dass er nicht genügend Käufer findet. Und er trägt die Kosten für Planung und komplette Erschließung.

Das könnte die Gemeinde auch.

Aber der Projektierer hat doch auch ein ganz anderes Team, Wissen und Netzwerk als wir. Wollten wir als Gemeinde das Gebiet erschließen, müssten wir ein Ingenieurbüro fürs Projekt suchen. Die Planungskosten lägen bei rund 60 000 Euro, für Erdarbeiten, Wasser, Rohre, Straßen kämen weitere 560 000 Euro hinzu. Plus Zinsen für ein Darlehen mit 95 000 Euro.

Es ist mir ein absolutes Rätsel, wo da ein Vorteil oder gar eine Gewinnmarge von 300 000 Euro verborgen sein soll. Und ganz gleich, welche Arbeiten wir ausschreiben, als Kommune zahlen wir immer 15 Prozent mehr als ein privater Betrieb. Ein Investor hat andere Möglichkeiten als eine kleine Gemeinde.

Welche denn?

Er hat jede Menge Erfahrung, übernimmt Ingenieurkosten selber, hat niedrigere Baukosten, eine Bank im Rücken, kümmert sich ums Marketing. Großes Plus ist auch der Zeitfaktor – bei einer Erschließung in Eigenregie könnten wir frühestens 2025 das Bauland anbieten, so wird es schon ab 2023 zu kaufen sein.

Aber wenn es nichts zu verdienen gäbe, wäre das Gebiet für Firmen doch gar nichts interessant.

Im Gesamtpaket ist die Erschließung durch die Firma wirtschaftlicher – trotz einer einkalkulierten Gewinnmarge. Wir sprechen von über 700 000 Euro Invest plus Risiko! Als Gemeinde können wir weiter den Haushalt konsolidieren und trotzdem zeitnah Bauland anbieten.

Würden wir in Eigenregie vorfinanzieren, müssten andere Projekte verschoben werden, welche sollen das sein? Und zum Risiko: Wer weiß, wie lange es dauert, alle Grundstücke zu verkaufen, oder ob wir nicht auf zwei, drei sitzen bleiben? Das wäre Geld, das uns zur Refinanzierung fehlt. So liegt das Verkaufsrisiko bei der Firma, die Gemeinde erhält ihren Ertrag sofort.

Aber wäre nicht doch vielleicht eine höhere Gewinnmarge drin gewesen?

Man muss immer entscheiden, was man will. Wir wollen Bauherren und jungen Familien zu möglichst vernünftigen Preisen ein Zuhause bieten. Deshalb war es uns wichtig, unter 90 Euro pro Quadratmeter zu bleiben. Dieses Ziel haben wir erreicht. Jeder Euro mehr für die Gemeinde, erhöht den endgültigen Verkaufspreis.

Und wenn nachher alles doch teurer verkauft wird?

Wird es nicht. Wir sichern alles in gleich zwei Verträgen ab. Im Kaufvertrag und im Durchführungsvertrag. Darin ist klar festgelegt, wie der Ausbau aussehen soll, welche Qualität er haben soll und zu welchem Preis verkauft wird.

Wir haben uns wirklich Gedanken gemacht. Der Vorwurf, wir würden „unser Vermögen verschleudern“ ist deshalb totaler Unsinn. Ich sehe an keiner einzigen Stelle, wo wir mehr verdienen könnten. Zudem hat unserer Kritiker etwas übersehen.

Was denn?

Die 18 Euro pro Quadratmeter stimmen nicht. Er hat übersehen, dass wir pro verkauftem Quadratmeter Bauland noch mal sechs Euro vom Entwickler bekommen. Damit liegen wir bei 24 Euro für den Quadratmeter unerschlossenes Bauland. Ohne Risiko.

Ohne Finanzierung. Ohne Aufwand von Zeit, Arbeit, Nerven. Wir verschleudern nicht unser Vermögen, wir setzen es sinnvoll ein. Das sehen hoffentlich auch diejenigen so, die sich über erschwingliches Bauland und damit über Jesberg als neues Zuhause freuen. (Claudia Brandau)

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