Pläne eines Landwirts

Mastanlage für 30.000 Hühner soll in Jesberg gebaut werden

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Oberhalb der Jesberger Siedlung soll die neue Hähnchenmastanlage entstehen: Der Gemeinde liegt der Bauantrag für die Anlage vor.

Jesberg. In Jesberg soll nahe der Siedlung oberhalb des Schlossbergs im Schwalm-Eder-Kreis ein Hähnchenmaststall für 29.900 Tiere gebaut werden. Das Bauantragsverfahren läuft.

Der Gemeinde liegen die Unterlagen der Bauaufsichtsbehörde vor, teilt Bürgermeister Heiko Manz mit.

Der Landwirt, der den Maststall errichten will, hatte für den Bau die Wahl zwischen zwei Grundstücken: Er habe sich nun für das entschieden, das weiter von den Häusern entfernt liege. Der Abstand zwischen Stall und Siedlung betrage voraussichtlich 500 Meter, berichtet Manz.

Natürlich stoßen beim Vorhaben zwei Interessen aufeinander, sagt Manz. Auf der einen Seite wolle ein Landwirt in seine Existenz investieren, auf der anderen hätten die Anwohner Sorge vor Geruchs- und Lärmbelästigungen.

Sorge haben nicht nur die direkten Nachbarn des geplanten Stalls: Auch die Repticher Einwohner seien durch die Nähe zum Ort von eventuellen Emissionen betroffen. Die Ortsbeiräte beider Dörfer seien nun gefordert, alle Bedenken zu sammeln und zu sortieren. Ob das aber helfe, den Bau zu verhindern, sei fraglich, sagt Heiko Manz. Denn beim geplanten Stall handele es sich um einen landwirtschaftlichen Sonderbau außerhalb des Ortes. Der sei durch die Gesetzgebung privilegiert, der Landwirt habe einen Anspruch auf Genehmigung – zumindest dann, wenn die die gesetzlichen Vorgaben gegeben und die Auflagen des Immissionsschutzes erfüllt sind. Und tatsächlich seien schon viele Voraussetzungen für den geplanten Bau, der eine Nutzfläche von 1800 Quadratmetern für fast 30.000 Tiere aufweisen soll, erfüllt. Dennoch würden natürlich die Bedenken von der Unteren Bauaufsichtsbehörde geprüft und bewertet.

Und zwar nicht nur von der Gemeinde, sondern auch die von Trägern öffentlicher Belange wie beispielsweise Hessenforst und den Naturschutzgremien. Sie werden dann im Laufe des Verfahrens ihre Stellungnahmen abgeben. Erst dann wird die untere Bauaufsichtsbehörde über den Bau entscheiden.

Die Jesberger Verwaltung sei um größtmögliche Transparenz gegenüber der Einwohner bemüht, sagte Bürgermeister Manz im Gespräch mit der HNA. Doch die Gemeinde habe in diesem Verfahren keine wirklich starke Stellung oder gar Entscheidungskraft: „Wir sind im gesamten Verfahren ja nur einer der vielen Beteiligten, der gehört wird“, sagt Heiko Manz. „Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Kommentar von Claudia Brandau:

Der Hühner-Hunger ist unersättlich: Die Mast-ställe schießen im Landkreis wie die Pilze aus dem Boden. Denn Chicken-Nuggets, wie die Hühnerbrustteile so lustig auf Neudeutsch in den Fastfood-Ketten heißen, wachsen ja nicht auf Bäumen, sondern an Tieren.

An Tieren, die gezüchtet, gehalten, gemästet, geschlachtet und danach auch noch gekühlt werden müssen, bis sie auf den Tellern liegen. Und dennoch ist das Hühnerfleisch billiger als jeder Kürbis, der still und ohne jedes Zutun vor sich hin wächst.

Es ist ein irrsinniges System: Die Landwirte müssen die Tiere in unfassbarer Menge und Enge halten, um finanziell halbwegs über die Runden zu kommen, die Verbraucher wollen gerne jeden Tag Fleisch, das dann aber bitte auch richtig billig sein soll. Damit ist das einzelne Tier das Stroh nicht wert, auf dem es – wenn es Glück hat – steht.

Der Hühner-Hunger der Menschen ist die Hühnerhölle der Tiere.

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