Gunnar Trus aus Jesberg

Urne und Trauerfeier vom Schreinermeister

Motive aus seinem Hobby, dem Motorradfahren: Gunnar Trus hat bereits seine eigene Urne gestaltet. Foto: Thiery

Jesberg. Beerdigungen werden immer individueller: Davon ist Gunnar Trus, Schreiner und Bestatter in Jesberg, überzeugt - und reagiert als Geschäftsmann auf die Nachfrage. Er gestaltet individuelle Urnen aus Holz und dekoriert Trauerfeiern auf Wunsch mit einer sehr eigenen Note.

Und er hat sich auf individuelle Trauerreden spezialisiert, wenn es keinen Pfarrer gibt, der spricht.

Das Reden fällt ihm nicht schwer, er ist sehr kommunikationsfreudig. Zudem hat er vor der Schreinerlehre fünf Semester Theologie studiert, was den heute 53-Jährigen vielleicht ein wenig dafür qualifiziert. Das Angebot habe sich daraus entwickelt, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten. Dann kommt der Pfarrer nicht zur Beerdigung. Er sah den Bedarf einfach, meint er. Bei 30 Beerdigungen hielt er bisher die Trauerrede.

Alles beginne mit dem Trauergespräch, das meist sehr authentisch sei. „In dieser Situation können sich die Hinterbliebenen nicht verstellen“, sagt er. Trauer sei wie Liebe, ein sehr intensives Gefühl, bei dem alles Mögliche hoch komme. Trauer, Depression, Wut, Dankbarkeit, je nach Umstand und Mensch, sei da sehr unterschiedlich, oft sei die Verwirrung auch groß.

Er frage nach Dingen, die für das Leben des Verstorbenen bedeutsam gewesen sein könnten, wichtige Begebenheiten oder wie man sich als Paar kennen gelernt habe, Hobbies, oder auch Musik. Es komme auf die Quintessenz des Lebens an, um den Menschen, der bestattet wird, in der Trauerfeier noch einmal fühlbar zu machen. Solche persönlichen Fragen führten dazu, dass er sich ein Bild machen könne, wenn er den Verstorbenen nicht kenne. Als gebürtiger Jesberger kennt er natürlich viele Menschen und deren Besonderheiten.

Das Schwierigste sei, in den Reden nicht zu lügen. „Jeder von uns hat seine Eigenheiten, einige vielleicht mehr als andere.“ Wenn jemand schwierig war, sollte man es offen aussprechen. Authentizität ist wichtig.

Warum immer mehr Menschen immer individueller bestattet werden wollen, dafür hat Trus verschiedene Erklärungsmodelle. Zum einen liege das an den Kirchenaustritten. Die Kirche habe oft nicht mehr den Stellenwert wie früher. Damit entfielen automatisch Beerdigungsrituale.

Den Menschen fehlten trotzdem Mystik und Spiritualität. Viele suchten anderswo Halt, manchmal in anderen Religionen, ohne deshalb gleich zu konvertieren. Einige machten sich vielleicht sogar einen eigenen Mix für ihre Spiritualität. Viele dagegen seien ständig auf der Suche. Die Informationsvielfalt sei groß, damit aber auch die Orientierungslosigkeit.

Und wo das fehle, könne man mit der individuellen Note eine würdigen Rahmen bieten. Er könne nur versuchen, den Menschen, der die irdische Welt verlässt, fühlbar zu machen und die Erinnerung an ihn aufleben lassen.

Spezielles Dekor 

Dafür macht er sich nach dem Gespräch ein Bild und schreibt, dekoriert Friedhofshallen dezent unter einem Lebensmotto oder dem Beruf. Beim leidenschaftlichen Jäger streut er Laub in die Halle, beim Maurermeister drapiert er Sand und Kelle neben Sarg oder Urne.

Trus hat auch schon seine eigene Urne gebaut: Darauf hat er Motorrad-Motive gebannt. Er zeigt sie stolz, als wäre das etwas ganz Normales. Das ist es für ihn ja auch, schließlich lebt er tagtäglich mit dem Tod.

Von Christine Thiery

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