Verwunschene Orte im Landkreis

Jesberg: Pomp treibt Prinz in die Pleite

Burgruine Jesberg: Sie ist der Ausgangspunkt des Rundwanderwegs zum Prinzessinnengarten.
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Burgruine Jesberg: Sie ist der Ausgangspunkt des Rundwanderwegs zum Prinzessinnengarten.

Kultur- und Geschichtsvereine erinnern mitunter an verwunschene oder auch magische Stätten in der Region Wir stellen den Prinzessinnengarten in Jesberg vor.

Jesberg – Ein barocker Lustgarten im Jesberger Forst? Ja, den gab es tatsächlich. Und Reste dieses sogenannten „Prinzessinnengartens“ sind bis heute erhalten. Geschaffen wurde die Anlage im 18. Jahrhunderts von Prinz Maximilian von Hessen-Kassel (1689 bis 1753). Dieser hatte als neunter Sohn des Landgrafen Karls von Hessen-Kassel im Jahr 1723 von seinem Vater Güter und Herrschaft über Jesberg einschließlich des Hofguts Richerode und des nahen Dorfs Hundshausen geerbt. Noch im selben Jahr errichtete Prinz Maximilian in Jesberg im Treisbachgrund seine Sommerresidenz, einen bis heute erhaltenen zweigeschossigen Bau mit hohem Mansarddach – das „Maximiliansschlösschen“ – und einen eindrucksvollen Park nach französischem Vorbild.

Gerne verbrachte Prinz Maximilian mit seiner Familie den Sommer im ländlichen Jesberg. Auf Wunsch seiner vier Töchter Friederike, Charlotte, Wilhelmine und Karoline legte Prinz Maximilian zwischen 1723 und 1753 zusätzlich im Jesberger Forst südöstlich des Schlösschens eine Gartenanlage auf einer Waldlichtung an. Im Zentrum des Lust- und Schmuckgartens stand und steht bis heute eine uralte Traubeneiche, deren Alter nach unterschiedlichen Quellen auf 350 bis 500 Jahre datiert wird.

Jesberg: Lusgarten rund um die Prinzessinneneiche

Um die sogenannte „Prinzessinneneiche“ herum wurde ein Laubengang aus Hainbuchen als klassisches Merkmal eines Lustgartens angepflanzt. Die neu angelegte Allee vom Schlösschen zum Prinzessinnengarten wurde von Eichen gesäumt.

Prinzessinneneiche: Susanne Bannenberg, Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, zeigt das Exemplar.

Mit einem Umfang von 6,77 Metern zählt die „Prinzessinneneiche“ in Deutschland mit zu den ältesten ihrer Art. Leider befindet sich der Baum in einer fortgeschrittenen Alterungsphase. Zudem wurde eine gefährdete und streng geschützte Käferart (Eremit Osmoderma) in der Eiche nachgewiesen. Eiche, Lustgarten und Allee gehören zu den Naturdenkmalen im Schwalm-Eder- Kreis und sind gemäß der Naturschutz-Richtlinie der EU als FFH-Gebiet eingestuft.

Die barocke Gartenanlage ist nicht mehr in ihrer Gesamtheit erhalten und als solche kaum noch zu erkennen. Auf Initiative der Gemeinde Jesberg und des Heimat- und Geschichtsvereins wurde in der Nähe der alten Eiche eine „Spiegelstätte“ mit einem Hainbuchenring und Eichenbaum in der Mitte angepflanzt. Die Eichenallee verläuft vom Waldrand parallel zum Wanderweg 1 und 2 (Lulluspfad, Fernwanderweg X 16) und ist mit ihrem Restbaumbestand noch erhalten.

Jesberg: Prinz starb verarmt

Am Ende seines Lebens war der Prinz aufgrund seines und seiner Gattin Friederike Charlotte von Hessen-Darmstadt verschwenderischen Lebensstils pleite. Das Schloss fiel nach seinem Tod durch Konkursverfahren an seinen Bruder Wilhelm VIII, sonstiger Besitz wurde versteigert.

Zu spätere Zeiten waren nicht die Mittel aber auch nicht das Verständnis zur Erhaltung der Anlagen vorhanden. So wurde beispielsweise die neue Trasse der Bundesstraße 3 mitten durch den historischen Park des Prinzen gelegt. In dem Schlösschen befinden sich heute Seniorenwohnungen, eine Begegnungsstätte und eine Bibliothek.

Das gesamte Waldgebiet gehört heute Hessen-Forst. Garten und Eichenallee sind zum Teil zugewachsen und in ihrer ursprünglichen Gestaltung nur noch schlecht zu erkennen. Im Zuge der Errichtung von großen Windkraftanlagen ganz in der Nähe des „Prinzessinnengartens“ erhofft sich die Gemeinde Jesberg und der Heimat- und Geschichtsverein Ausgleichsgelder und -maßnahmen. Diese sollen helfen, die in ihrer Art in der Region einmalige, historische Stätte und die Eichenallee Besuchern und Wanderern schöner gestaltet zu präsentieren.

Von Ute-Anemone Lorenz

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