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Solarpark auf 73 Hektar: Die Energie wächst auf dem Acker

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Von: Claudia Brandau

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Wollen eine 73 Hektar große Solaranlage bei Jesberg errichten: von links Bürgermeister Heiko Manz mit Christoph Lübcke und Sebastian Gerhold von der Projektgesellschaft BLG mit einem Logo, das auf eine Zukunft mit neuen Energien wie Wasserstoff verweist.
Wollen eine 73 Hektar große Solaranlage bei Jesberg errichten: von links Bürgermeister Heiko Manz mit Christoph Lübcke und Sebastian Gerhold von der Projektgesellschaft BLG mit einem Logo, das auf eine Zukunft mit neuen Energien wie Wasserstoff verweist. © Claudia Brandau

In Jesberg soll mit einem 73 Hektar großen Solarpark an der B 3 das wohl größte Projekt in der Geschichte der Gemeinde entstehen. Es ist ein Schritt in Richtung Energiewende.

Jesberg – Wenn Christoph Lübcke von der Energiewende und ihren Herausforderungen spricht, bekommt man eine ungefähre Ahnung davon, wie sehr sich die Welt mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen wie Gas und Öl verändern wird. Denn Lübcke skizziert, wie Menschen künftig heizen, tanken, leben werden – dann, wenn Öl, Gas, Kohle keine Rolle mehr spielen, die meisten Menschen ein Elektroauto fahren, sich der Energiebedarf vervierfacht, und neue Energiequellen erschlossen werden müssen.

Bestes Beispiel für eine solche Veränderung ist der Solarpark, den Lübcke mit seiner Projektgesellschaft BLG aus Wolfhagen in Jesberg umsetzen will: An der B3 soll Richtung Bad Zwesten ein 73 Hektar großer Solarpark und damit das wohl größte Projekt entstehen, das je in der Kellerwaldgemeinde realisiert wurde.

Zurzeit befindet er sich in der Vorplanungsphase, muss also noch etliche Antragswege gehen und dabei viele Genehmigungshürden nehmen. Eine wichtige Hürde aber hat die Idee bereits genommen: Die Landwirte, denen die 68 Einzelflurstücke gehören, sind sich einig: Sie würden sie freigeben, damit dort künftig Energie statt Getreide geerntet werden kann.

Jesberg: Solarpark auf 73 Hektar

Christoph Lübcke hat dem Jesberger Parlament das Vorhaben bereits vorgestellt: „Es ist unser Ansatz, dass wir sehr transparent informieren“, sagt er. Lübcke hat keinen Zweifel daran, dass die Energiewende genau auf solchen Projekten fußt, wie dem, das gerade in und für Jesberg entsteht: Statt unzähligen kleinen Anlagen sollen große Ackerflächen zu Energielieferanten werden. Und das nicht direkt am Ortsrand, wo sie die Dorf- oder Stadtansicht stören, sondern auf solchem Gelände wie dem oberhalb der B3, wo sie von unten kaum sichtbar sind. Solch große Freiflächenanlagen sollen die Chance bieten, dass sich die Bürger beteiligen: „Die Menschen sollen die Möglichkeit haben, ins Projekt einzusteigen“, sagt Lübcke.

Solarpark in Jesberg als stabile Einnahmequelle

Denn Projekte wie das geplante sollen und können künftig für Einwohner und Gemeinden zu stabilen Einnahmequellen werden: „Solarparks könnten dazu beitragen, das Leben im ländlichen Raum bezahlbar zu machen“, sagt Jesbergs Bürgermeister Heiko Manz und rechnet es vor: 320 000 Euro nimmt die Gemeinde zurzeit jährlich an Gewerbesteuern ein. Weitere 500 000 Euro könnten künftig pro anno durch den Solarpark fließen – stetig und verlässlich ohne große Schwankungen. Christoph Lübcke bezeichnet das als „gelebte regionale Wertschöpfungsfunktion“, die noch dazu die Umwelt schütze: „Früher hat man mit Fotovoltaikanlagen nur Geld verdient – heute sind sie auch Teil des Kampfs gegen den Klimawandel“, sagt der Wolfhagener.

Aber muss man für einen so großen Solarpark nicht viel Überzeugungsarbeit in der Einwohnerschaft leisten? Manz zeigt sich zuversichtlich: Die Ortsbeiräte Reptich und Jesberg und das Parlament hätten bereits großes Wohlwollen gegenüber dem Projekt signalisiert. „Das ist ein tolles Signal“, sagt Manz.

Betroffene Flurstücke sind Vorrangflächen 

Die 68 Einzelflurstücke an der B3, auf denen die Solaranlage entstehen soll, gelten als Vorrangflächen, denn sie liegen unter dem durchschnittlichen Richtwert der Bodenpunkte. Diese Ackerwertzahl oder auch Bodenpunkte (BP) bezeichnen den Index, der die Qualität einer Ackerfläche bemisst. Die Skala reicht von 0 bis 100: 10 Punkte sind sehr schlecht, 100 am anderen Ende der Skala damit optimal. Freiflächenanlagen dürfen nur auf einem Grund errichtet werden, der weniger als 45 Bodenpunkte aufweist. In Jesberg liegen sie im Durchschnitt bei 39 Punkten, die beplanten Flächen an der B 3 weisen sogar nur 31 Bodenpunkte auf. Zum Vergleich: In Gudensberg weisen viele Flächen sehr hohe Werte auf: Der durchschnittliche Wert dort liegt laut Manz dort bei 90 Punkten. (bra)

Gemeinde trägt mit Solarpark Teil zur Energiewende bei

Christoph Lübcke und Sebastian Gerhold von BLG verwundert das nicht: Die Akzeptanz steige schnell – erst recht seit dem Ukrainekrieg und den seitdem quasi explodierenden Energiekosten.

Fakt ist aber für Lübcke, dass die Städte und Gemeinden nach den Vorgaben der Bundesregierung verpflichtet sind, die Energiewende umzusetzen – und das schnell. Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent der Stromversorgung und 60 Prozent der gesamten Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien stammen. „Dieses Ziel ist mit ein paar Paneelen auf Hausdächern nicht zu erreichen“, weiß Lübcke.

Die Zeit dränge, denn ab 2035 werden keine Verbrennermotoren mehr zugelassen, es werden also immer mehr E-Autos rollen. „Wenn wir aber in zehn Jahren nicht so weit sind, diese riesigen zusätzlich benötigten Energien zu liefern, werden dann keine Autos fahren können “, sagt Lübcke. (Claudia Brandau)

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