Wald wird nicht mehr wie früher sein 

Sterbender Wald: Durch den Klimawandel sind Buchen unter Dauerstress

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Unter dem Blätterdach: Hitze, Dürre und Wasserknappheit haben den Buchen zugesetzt. Ihre Widerstandskraft gegen Schädlinge und Pilze ist geschwächt. Die Äste der Kronen drohen herunterzufallen.

Gelbe, verfärbte Blätter, Laub, das früher als üblich zu Boden fällt. Damit versuchen die Bäume, sich vor dem Verdursten zu schützen. Der Klimawandel droht ihnen den Garaus zu machen.

Neben den Fichten, die nach der Trockenheit und den Angriffen der Borkenkäfer nur noch als verdorrtes Gerippe im Wald stehen, sind es nun auch Buchen, die ums Überleben kämpfen. Seit Wochen sterben sie rasant ab, und die Forstleute können nichts dagegen unternehmen. „Das Wasser im Boden, von dem die Buchen sonst lebten, fehlte nach den beiden trockenen Sommern“, sagt Karl-Gerhard Nassauer, Leiter des Forstamtes in Jesberg.

Die Wasserspeicher seien auch im Winter und im Frühjahr nicht aufgefüllt worden, sodass die Buchen, die man robuster gegen den Klimawandel wähnte, tot oder vom Absterben bedroht sind.

„Bislang wurden die Buchen mit dem mangelnden Niederschlag während der Vegetationszeit fertig, denn die Böden hatte genug Wasser gespeicherte, die für das Überleben ausreichten“, sagt Nassauer. Das habe sich in den vergangenen beiden Jahren geändert. 

Die Folge von Temperaturen von jenseits der 35 Grad und der ausbleibende Regen führen dazu, dass die Buchen Sonnenbrand bekommen. Dabei verfärbt sich die glatte, empfindliche Rinde und platzt auf. Der Baum ist Schädlingen schutzlos ausgeliefert.

Abwehrkräfte vor dem Kollaps

Neben dem Buchenborkenkäfer sind es vor allem Pilze, mit denen die Buchen zu kämpfen haben. Und weil die Abwehrkräfte vieler Buchen am Rande des Kollaps stehen, kann der Pilz seine tödliche Wirkung entfalten. Der Baum zeigt ein Bild der Hinfälligkeit: die Buchenvitalitätsschwäche.

Betroffen sind inzwischen Bäume an nahezu allen Standorten, Lebensräumen und Altersklassen. Befallen die Pilze die Buchen in Massen, sterben sie unwiderruflich ab.

„Für sie gibt es keine Rettung mehr, auch wenn es jetzt sehr, sehr viel regnen würde“, sagt Nassauer. Für die Buche, die sich bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von acht Grad Celsius wohl fühlt, ist es auf Dauer wohl viel zu warm.

Wald wird nicht wie früher sein 

Die Buche wird genauso wie die Fichte der Witterung weichen. Das Bild des Waldes wird sich drastisch ändern. Ob Eichen die Gewinner des Klimawandels sind, müsse sich noch zeigen.

Ganz überraschend trifft der katastrophale Zustand des Waldes die Förster nicht. Untersuchungen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen hatten anhand von Klimamodellen den Zustand des Waldes berechnet.

Die Prognosen für den Fichtenschwund waren demnach für das Jahr 2050 prognostiziert. Doch Trockenheit und Hitze haben die Prognosen überholt.

Pilz lässt die Kronen wanken

Während die Fichten vertrocknet in den Himmel ragen – „in den kommenden drei bis fünf Jahren bedeuteten sie kein Risiko“–, sind die pilzkranken Buchen eine Gefahr für Waldarbeiter und Spaziergänger gleichermaßen. 

Der Grund: Der Pilz schwächt die Kronen der Buchen derart, dass die Äste jederzeit herunterfallen können, der Baum selbst aber stehen bleibt. Das stellt auch die Waldarbeiter beim Fällen vor große Herausforderungen. Wegen des unkalkulierbaren Risikos für Leib und Leben können die Forstarbeiter nach Angaben von Nassauer die Bäume nicht wie üblich mit der Kettensäge und Keilen fällen. 

Gesperrte Straßen am Edersee

Denn allein die Erschütterung beim Einschlagen der Keile könnte reichen, dass die Äste brechen. Deshalb sollen sie künftig mit Seilen und Traktoren gefällt werden. Angesichts der Gefahren durch Buchen wurden am Edersee schon Wege und Straßen für Spaziergänger gesperrt. 

Im Bereich des Forstamtes von Jesberg ist es noch nicht ganz so weit. Dennoch appelliert Nassauer, bei Spaziergängen größte Vorsicht walten zu lassen und immer mal wieder einen Blick in die Kronen zu werfen. Vor allem bei den aufkommenden Herbststürmen sollte man den Wald meiden. Doch nicht nur Spaziergänger sind von den drastischen Veränderungen im Wald betroffen. 

Einbußen für Waldbesitzer

Einen weiteren herben Schlag haben die Waldbesitzer zu verkraften. Nach dem Preisverfall bei Fichten folgt jetzt das Buchenholz. Bislang brachten gute Buchen bis zu 140 Euro pro Festmeter. 

Durch den Pilzbefall ist laut Nassauer noch etwa ein Drittel des Stammes gut verkäuflich. Der Rest wird als Industrie- und Brennholz vermarktet zu Preisen zwischen 40 und 60 Euro. „Mit einem Schlag ist so die Arbeit mehrerer Generationen zunichtegemacht“, kommentiert Nassauer.

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