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Wolfgang Badenhausen aus Jesberg ist einer der dienstältesten Schöffen Hessens

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Von: Claudia Brandau

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Gehört bereits seit über einem halben Jahrhundert dem Jesberger Ortsschöffengericht an: Diplom-Ingenieur Wolfgang Badenhausen ist gerade für weitere zehn Jahre ins Ehrenamt gewählt worden.
Gehört bereits seit über einem halben Jahrhundert dem Jesberger Ortsschöffengericht an: Diplom-Ingenieur Wolfgang Badenhausen ist gerade für weitere zehn Jahre ins Ehrenamt gewählt worden. © Claudia Brandau

Es gibt Menschen, die brennen für ihre Arbeit – auch wenn sie die schon lange nicht mehr machen müssten, weil sie das Rentenalter erreicht haben. Wolfgang Badenhausen gehört zu ihnen: Der 75-Jährige aus Jesberg ist in jeder Hinsicht aktiv.

Jesberg – Der Diplom-Ingenieur und Fachmann für Gleisbauarbeiten ist nicht nur seit Jahrzehnten im Beruf, sondern auch im Ehrenamt erfahren: Badenhausen ist seit über 50 Jahren Ortsgerichtsschöffe in der Kellerwaldgemeinde – und damit einer der dienstältesten in ganz Hessen. Gerade haben ihn die Jesberger Gemeindevertreter einstimmig für seine sechste Amtszeit ernannt. Wolfgang Badenhausen stellt damit den Begriff des Ruheständlers, der in dieser Lebensphase gerne viel reisen und nur wenig Arbeit haben will, auf den Kopf. Verreisen kommt für ihn und seine Frau nur selten in Frage, weil sonst der zurückgelassene Kater nichts fressen mag, und die Hände in den Schoß legen ist auch keine Option für den Mann, der als Ingenieur die Welt bereiste, um den Schienenverkehr zu verbessern.

„Daheim in Jesberg habe ich mich nach solchen Reisen immer wieder geerdet“, sagt der 75-Jährige, der das Amt des Ortsgerichtsschöffen quasi von seinen Vorfahren geerbt hatte. Schon der Großvater hatte es ausgeübt, genau wie der Vater, der starb, als Wolfgang Badenhausen gerade Anfang 20 war. Als ihn der damalige Bürgermeister fragte, ob er nicht die Aufgabe vom Vater übernehmen wollte, hatte er nicht lange überlegt: „Mein Vater hat die Aufgabe weder als Bürde noch als Last gesehen – und das tue ich erst recht.“

Der Gutachter ist ehrenamtlicher Schätzer

Die Aufgabe ist nicht die eines Schiedsmannes – dieses Amt übt in Jesberg Magnus von Kortzfleisch aus – sondern eines Schätzers. Badenhausen, der auch heute als Gutachter im Hoch- und Tiefbau aktiv ist, bewertet Immobilien und Grundstücke für Banken und private Verkäufer. Nach gesetzlichen Vorschriften und Richtlinien und innerhalb eines persönlichen Spielraums: „Es ist ja nicht jedes Grundstück gleich. Am Besten ist es, wenn am Ende alle zufrieden sind.“

Der Jesberger hat Freude an diesem Ehrenamt, das viele Einblicke und Kontakte bietet, genau wie er Freude an seinem Ehrenamt als Schöffe beim Landesarbeitsgericht hatte, das er bis vor zehn Jahren ausübte. „Ich bin kein Mensch, der immer nur zu Hause rumsitzen kann.“

Badenhausen macht einen ausgeglichenen Eindruck, wirkt wie ein Mann, der zufrieden ist mit seinem Sein und Wirken. Hat er denn keine Sorge vor der sechsten Amtszeit, die immerhin zehn Jahre dauert? „Nein“, winkt Badenhausen ab. „Schauen Sie mal nur auf Konrad Adenauer: Der hatte den Mut, noch mit 73 Jahren Bundeskanzler werden zu wollen. Kanzler werde ich ganz sicher nicht mehr – aber Ortsgerichtsschöffe bleibe ich gerne.“ Badenhausen hat vor einem solch langen Zeitraum wie den kommenden zehn Ehrenamtsjahren keine Sorge: „Wenn der liebe Gott es zulässt, gehe ich danach auch noch in eine siebte Amtsperiode.“ Das nennt man dann wohl ausgesprochene Freude an dem, was man tut.

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