Jesberger wollen Flüchtlinge aufnehmen

Großes Interesse und viele Fragen: Die Jesberger informierten sich am Dienstagabend, wie sie leerstehende Wohnungen für Flüchtlinge bereit stellen können. Fotos: Thiery

Jesberg. Die Gemeinde Jesberg hat noch keine Flüchtlinge aufgenommen, will dies aber angesichts der vielen Flüchtlinge unbedingt tun und ist dabei auf die Hilfe der Bewohner angewiesen.

Da es außer den Dorfgemeinschaftshäusern keine öffentlichen Gebäude in der Gemeinde gibt, sollen leerstehende Häuser und Wohnungen genutzt werden. Zur Informationsveranstaltung kamen am Dienstag 300 Jesberger.

Das Interesse war groß, Ängste und Sorgen in der Bevölkerung auch, die sich aber im Laufe des Abends lösten. Politische Diskussionen gab es nicht. Davor hatte auch eingangs der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Michael Wolf, abgeraten. „Niemand weiß, was noch passiert. Wir müssen die Probleme, die existieren, einfach lösen.“ Die Ängste wurden ihnen auch von Heidrun Hartwig von der Kreisverwaltung genommen, die sachlich informierte. Es würden erst dann Menschen in die Gemeinde kommen, wenn es dort auch Wohnraum für sie gebe, sagte sie. Sie rechnet mit etwa 100 Menschen, die sich in Jesberg und in den Dörfern ansiedeln könnten. „Ohne die Dörfer gehts es nicht“, sagte sie

Am liebsten sei es ihr, wenn diese in kleineren Einheiten wohnen könnten, Wohnungen oder Häuser, und hofft auf Menschen, die diese zur Verfügung stellen. Zurzeit gebe es bereits Gespräche mit potenziellen Vermietern.

Die Situation sei für sie oft erst einmal schwierig. Aber dann falle meist die Hemmschwelle, so ihre Erfahrung. „Da kommen wirklich Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Sie wollen einfach nur mal ohne ständige Angst vor dem Tod leben und sind froh, mal Ruhe zu haben.“

„Stellt es euch nicht so schlimm vor, es kommt viel lockerer. Die Sprachbarriere ist da, aber die kann überwunden werden.“

Bürgermeister Günter Schlemmer meinte, jetzt sei die Chance groß, den Leerstand anzugehen, der die Gemeinde belaste. Jesberg müsse auch in die Pflicht kommen. „Wir müssen von der Null weg“, sagte er. Andere Kommunen hätten schon viele Flüchtlinge aufgenommen. Es müsse so viel privater Wohnraum wie möglich gefunden werden. Es gebe in Jesberg keinen Platz für eine Gemeinschaftsunterkunft. Die Turnhalle gehöre dem Landkreis und sei im Moment nicht dafür gedacht. Die Dorfgemeinschaftshäuser wolle man bislang nicht bereitstellen, es sei denn, es gebe keinen anderen Weg.

Schlemmer beruhigte nochmals: In den neunziger Jahren hatte Jesberg in der Spitze 120 Flüchtlinge in der Gemeinde und es sei nichts passiert. Damals habe die Gemeinde eine Vorreiterrolle im Kreis gehabt. „Das zum Thema Zahlen und Ängste. Es kommen nicht morgen 50 Leute.“ Das werde sich Schritt für Schritt aufbauen.

In Jesberg soll demnächst ein Arbeitskreis für Flüchtlinge gebildet werden. Die Bad Zwestener Gruppe wird eingeladen und soll von ihren Erfahrungen berichten.

Von Christine Thiery

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