Simultan-Turnier in Fritzlar 

Kasseler Großmeister gewinnt 23 Schachpartien gleichzeitig

Ein Genie geht von Tisch zu Tisch: Großmeister Dennis Wagner ist beim Schachturnier in Fritzlar aus allen Partien als Sieger herausgegangen. Foto: birgit picht

Ein leises Räuspern, ein Stiftekratzen – mehr ist nicht zu hören im Saal, in dem der Schachgroßmeister Dennis Wagner gleichzeitig gegen 23 Gegner spielt. 

Konzentration ist gefragt im Fritzlarer Haus an der Eder, und zwar sowohl beim 22-jährigen Wagner, der seit 2015 den Titel trägt als auch bei seinen Gegenspielern zwischen elf und 80 Jahren.

So breit die Altersspanne ist, die Geschlechterquote bei den Teilnehmern ist eindeutig. Es sind ausschließlich Männer. Der Vorsitzende des Schachklubs Grauer Turm Fritzlar, Dr. Falko Langenbein, bedauert, dass so wenige Mädchen und Frauen den Weg in den Klub finden und möchte zukünftig hier aktiv werden.

So wie er schon durch eine glückliche Kooperation mit einer Schule aus der Region dafür sorgen konnte, dass von den 30 Mitgliedern des Vereins immerhin zwölf unter 18 sind und damit für Talentnachwuchs gesorgt ist.

Alle fünf Jahre organisiert der Verein etwas Besonderes. Zum 30-jährigen Bestehen in diesem Jahr ist es das Simultanturnier gegen Wagner. Auf die Frage, was den Reiz des Spieles ausmacht, gerät Dr. Langenbein ins Schwärmen: „Schach ist Musik, Schach ist Poesie. Jedes Spiel ist wie eine Komposition zweier Komponisten.“

Poetisch und weltgewandt klingen auch die Namen der Eröffnungszüge. So beginnt der Profi beispielsweise sizilianisch, spanisch oder russisch. Die Fritzlarer haben es mit ihren achtköpfigen Mannschaften bis in die Nordhessenliga geschafft. Der Schachgroßmeister spielt natürlich in der Bundesliga. Umso spannender, wenn er, wie im Fritzlarer Simultanturnier 23 Spiele gleichzeitig bestreiten muss.

Denn das bedeutet bei jedem Gegner: Hineindenken in ein anderes Spiel. Das ist eine geistige Höchstleistung. Auch wenn gute Schachspieler oft schwer abschalten können, im Kopf Partien durchspielen – sozusagen permanent komponieren – sind Schachspieler alles andere als einseitig.

Alle Mitglieder des Vereins sind ebenfalls in anderen Bereichen wie beispielsweise Sport oder Musik aktiv. Schachspiel trainiert das Gehirn. Wer regelmäßig spielt, hat drei bis vier Züge im Voraus im Kopf und Großmeister erinnern sich an ganze Partien und Variationen, und davon eine Vielzahl.

Nach vier Stunden waren alle 23 Partien beendet. Aus allen ging Wagner als Sieger hervor. Trotz abendlicher Stunde nahm der Physikstudent sich noch die Zeit, Fragen der Teilnehmer zu beantworten und sogar einzelne Spielzüge des Tages zu besprechen, die er, so unglaublich es auch erscheinen mag, tatsächlich noch in Erinnerung hatte.

Ob erfahrener Senior oder jugendlicher Spieler, am Ende waren alle voller Hochachtung für das Genie.

Der Schachklub Fritzlar trifft sich dienstags ab 19 Uhr in der „Oase Soldatenheim - Haus an der Eder“, Waberner Straße 7, in Fritzlar. Dort findet dienstags ab 17 Uhr auch ein Jugendtraining statt.

Kontaktper Email unter grauerturmfritzlar@gmx.de

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