Viele Fragen beim Erörterungstermin zur Erweiterung des Geflügelschlachthofs

Von Keimen und Gestank

Fachleute, Behördenvertreter und Gegner hatten das Wort: Beim Erörterungstermin für die Genehmigung der Schlachthoferweiterung von Plukon in Gudensberg wurden Argumente ausgetauscht. Foto: ula

Gudensberg. Wie viele Keime könnten über die Luft von der Schlachtanlage in die bewohnten Bereiche Gudensbergs gelangen? Gefährden sie möglicherweise die Gesundheit der Bürger und Mitarbeiter? Sind die meteorologischen Grundlagen für die Berechnung der Gerüche eventuell veraltet?

Fragen über Fragen, die vor allem die Gegner einer Erweiterung des Geflügelschlachthofes der Firma Plukon in Gudensberg gestern im Bürgerhaus den Fachleuten stellten. Sie hatten als so genannte „Einwender“ das Rederecht beim öffentlichen Erörterungstermin, zu dem das Kasseler Regierungspräsidium (RP) als Genehmigungsbehörde eingeladen hatte.

Auf Wunsch der Stadt habe man diesen Termin nach Gudensberg verlegt, sagte RP-Pressesprecher Michael Conrad. Da das Thema Schlachthoferweiterung in Stadt und Region stark umstritten ist, hatten die Veranstalter offenbar mit einem größeren öffentlichen Interesse gerechnet: Im Bürgerhaussaal waren mindestens 150 Stühle gestellt, von denen jedoch nur knapp 20 besetzt waren.

Für die insgesamt 219 Einwendungen zur Erweiterung des Schlachthofs, die fristgerecht beim RP eingegangen waren, sprachen vor allem Vertreter der Bürgerinitiative Chattengau gegen Massentierhaltung (BI) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Ethische Bedenken gegen Massentierhaltung und Großschlachtanlagen, die in der Debatte immer eine große Rolle spielen, seien kein Gegenstand der fachlichen Erörterung, machte Verhandlungsleiterin Astrid Tanneberg vom RP gleich zu Beginn deutlich. Als verfahrensführende Behörde sei das RP dafür die falsche Adresse und sehe keine Steuerungsmöglichkeiten. Da müssten sich die Beschwerdeführer an den Gesetzgeber wenden.

Die Firma Plukon war vertreten durch Fachleute aus den Bereichen Immission und Abluftreinigung sowie einen Rechtsbeistand, die Behörden durch Mitarbeiter unterschiedlicher Ämter, vom Veterinäramt über die Regionalplanung bis zum hessischen Landesamt für Umwelt.

Sie alle haben bereits ihre Stellungnahmen zum Genehmigungsverfahren abgegeben. Dass diese Unterlagen nicht auch schriftlich den Einwendern zur Verfügung gestellt wurden, kritisierte Jörg Warlich (BI). Das sei ein Nachteil für die Fragesteller.

In der ersten Runde der Erörterung, in der es unter anderem um Immissionen wie schlechte Gerüche und Keimbelastung ging, zweifelten die Kritiker einer Genehmigung der Schlachthoferweiterung an den Grundlagen für Prognosen der Firma.

Plukon wiederum betonte, dass etwa ein Keimschutzgutachten, wie es gefordert werde, nicht erforderlich sei, wenn eine Abluftreinigungsanlage wie in Gudensberg ohnehin geplant werde. Gesundheitsgefährdende Keime, von den Einwendern als Gefahr bezeichnet, seien in der Luft kaum messbar.

Ein Ergebnis der Erörterung gab es am Mittwoch noch nicht. KOMMENTAR,

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Von Ulrike Lange-Michael

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