Corona-Pandemie

Gestrandet in Gudensberg: Alleinerziehende wartet verzweifelt auf Rückkehrmöglichkeit nach Australien

Die Koffer sind längst gepackt: Mona Grebing und ihre Töchter Lennox (8) und Aquila (5) warten auf einen Rückflug in ihre Heimat Australien. Aktuell wohnen sie in zur Untermiete in Maden.
+
Die Koffer sind längst gepackt: Mona Grebing und ihre Töchter Lennox (8) und Aquila (5) warten auf einen Rückflug in ihre Heimat Australien. Aktuell wohnen sie in zur Untermiete in Maden.

Die Corona-Pandemie hat den internationalen Flugverkehr zeitweise vollkommen lahmgelegt. Viele Menschen sitzen im Ausland fest und kommen nicht nach Hause. So ergeht es auch Mona Grebing, die in Maden gestrandet ist.

Maden / Nambucca Heads – Die Koffer von Mona Grebing und ihren Töchtern sind für die Heimreise nach Australien längst gepackt. Doch wann sie nach Hause fliegen darf, ist ungewiss. Wegen der Corona-Pandemie sitzt sie nun in ihrer alten Heimat Gudensberg-Maden fest. Und das, obwohl sie und ihre Töchter gültige Rückflugtickets haben. Die Berichterstattung der HNA über eine Schwälmerin, die in Australien in einem Quarantäne-Hotel ausharrt, hat die 48-Jährige dazu bewogen, sich an die Öffentlichkeit zu wenden und ihre missliche Situation zu schildern.

Mona Grebing wanderte 1999 aus Gudensberg in das australische Nambucca-Heads aus. Ihre Eltern leben bis heute in Gudensberg. Zum 80. Geburtstag ihres Vaters war im Sommer 2020 eine Reise nach Deutschland geplant. So kaufte Grebing bereits Ende 2019 Flugtickets (Hin- und Rückflug) für sich und ihre Töchter Lennox und Aquila für etwa 4050 Dollar. Dann kam Corona. Die Reise nach Deutschland stand eigentlich vor dem Aus.

Doch der Gesundheitszustand ihrer Mutter verschlechterte sich dramatisch. Die 48-Jährige entschied sich dennoch mit einer Ausreisegenehmigung der australischen Regierung sowie den bereits bezahlten Tickets nach Deutschland zu kommen, um sich um ihre Mutter zu kümmern. Gemeinsam mit ihren Kindern, „damit sie auch Erinnerungen an Oma haben.“

„Natürlich war ich mir schon damals über die möglichen Konsequenzen im Klaren“, sagt sie. Aber ihre Mutter in einer so schlechten Verfassung nicht sehen zu können und sie nicht zu pflegen, kam für Grebing nicht in Frage. Die Mutter werde wegen chronischer Erkrankungen bereits von einem Pflegedienst betreut. „Der Pflegenotstand in der Coronakrise hat meinen Willen nochmals verstärkt nach Deutschland zu kommen und mich um sie zu kümmern“, sagt sie.

Da es in der kleinen Wohnung bei ihren Eltern zu eng ist, hat Grebing bereits in Australien eine Wohnung für die fünf Monate in Maden angemietet. Die Rückreise war für den 31. Dezember geplant. „Aber zehn Tage zuvor bekomme ich eine E-Mail von der Fluggesellschaft Qatar Airways, dass sie mich und meine Töchter nicht mitnehmen können“, berichtet sie.

Die Einreisesituation in Australien ist zum aktuellen Zeitpunkt wie folgt: Ausländer dürfen nicht ohne ständigen Aufenthaltstitel in Australien einreisen. Menschen mit Aufenthaltserlaubnis (Grebing und ihr Töchter haben einen australischen Pass) dürfen einreisen. „Die Formalien sind also geklärt“, so Grebing.

Auch ihren Vater vermissen die beiden Töchter von Mona Grebing, Lennox und Aquila.

Allerdings gibt es eine Obergrenze, die laut australischen Medien bei 8000 Menschen pro Woche liegt. Seit Oktober nehmen internationale Fluglinien pro Flug nur zwischen 25 und 60 Passagiere mit Flugziel Australien mit. Wer einreist, muss direkt für 14 Tage in ein von der Regierung bestimmtes Quarantäne-Hotel. Die Kosten für die Quarantäne-Hotels werden zum größten Teil von den Einreisenden selbst getragen. „Auf Nachfrage bei der Fluggesellschaft wurde mir gesagt, dass die Regierung entscheidet, wer mitfliegen darf und wer nicht und sie keinen Einfluss darauf hätten“, erzählt Grebing.

Was die Mutter aber wütend macht: Für ihren Flug am 31. Dezember wurden im Internet noch Tickets zu horenden Preisen von etwa 12 000 bis 17 000 Euro verkauft, sagt sie. Bildschirmaufnahmen, die das beweisen, hat sie auf ihrem Handy gesichert.

Möchten gerne wieder in ihre Heimat nach Nambucca-Heads in Australien.

Dazu wurde der 48-Jährigen gesagt, dass Business-Passagiere ohnehin Vorrang hätten. Sie könne verstehen, dass es den Fluggesellschaften wegen der Pandemie auch schlecht geht, „aber das ist einfach ungerecht und macht mich wütend, wir haben schließlich Tickets.“ Es könne nicht sein, dass Menschen mit besseren finanziellen Möglichkeiten einen Flugplatz bekommen und eine Mutter mit zwei minderjährigen Kindern nicht, so Grebing. Tochter Lennox ist acht und schulpflichtig. In Gudensberg besuchte sie in den vergangenen Monaten die zweite Klasse der Grundschule. „Nun weiß ich aber nicht, wie es weitergeht. Unsere Koffer sind gepackt und wir sitzen auf glühenden Kohlen, eigentlich würde die Schule für sie wieder weitergehen“, sagt Grebing. Beim Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes in Australien sind sie bereits gemeldet. Über ein Finanzierungsprogramm der Regierung könnte Grebing auch ein deutlich teureres Flugticket ergattern. Für die alleinerziehende Mutter aber finanziell nicht so einfach zu stemmen, denn dieses muss im Nachhinein zurückgezahlt werden.

Dazu kommt, dass sie eigentlich die Wohnung in Maden zum 31. Dezember gekündigt hat. „Ich bin den Vermietern sehr dankbar, dass ich noch bleiben kann“, sagt sie. Grebing ist verzweifelt. Die Fluggesellschaft hat ihr nun einen Flug im Februar angeboten. „Aber wer weiß, ob wir nicht wieder von der Passagierliste geworfen werden“, sagt sie. Die Ungewissheit macht ihr zu schaffen. „Und wir wissen ja alle nicht, wie sich die Lage noch weiterentwickelt.“

Corona und Fliegen: Das sagt die Fluggesellschaft Qatar Airways

Qatar Airways lässt nach mehreren Anfragen der HNA in einer allgemeinen Pressemitteilung verkünden, dass Flugtickets, die vor dem 31. April 2021 ausgestellt werden, ihre Gültigkeit behalten. Im Weiteren müssen alle Reisen bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein. Konkrete Angaben zum Fall der Familie gibt das Unternehmen nicht und verweist auf die aktuellen Auflagen der Regierung. Während der Recherche hat Australien indes die Einreisebeschränkungen nochmals verschärft: Statt 8000 Einreisende pro Woche, dürfen nun nur noch 4000 Menschen in einer Woche einreisen. Mona Grebing weiß nicht mehr weiter. „Die Fluggesellschaft ist nicht zu erreichen. Ich habe Angst. Auch davor, dass die Grenzen komplett geschlossen werden.“ 

Auswärtiges Amt zum Flugverkehr während Corona-Pandemie

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet in Australien (Stand 11. Januar) 28 595 Corona-Fälle und 909 Todesfälle. Eine generelle Maskenpflicht gibt es nicht, ausgenommen sind einige Stadtteile von Sydney, da die Stadt als „Corona-Hotspot“ eingestuft wurde. Was die Einreise betrifft, so gilt die Pflicht zu einer 14-tägigen, kostenpflichtigen Hotelquarantäne in Unterkünften am Ankunftsflughafen. Eine unmittelbare Weiterreise zum Zielort in Australien ist nicht gestattet, meldet das Auswärtige Amt. Was die Flugverbindung angeht, so meldet das Amt einen „sehr stark eingeschränkten Flugplan.“ Dieser unterliege häufigen, teils tagesaktuellen Veränderungen. Flugzeitanpassungen, Umbuchungen und Stornierungen können jederzeit auftreten. 

Von Linett Hanert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.