Während Bürgerversammlung

Knüllwald kündigt Widerstand zur Stromtrasse Suedlink an

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Kritische Haltung: Das Interesse an den Informationen zur geplanten Stromtrasse und deren mögliche Folgen war riesig.

Remsfeld. Das war ein klarer Appell zum Kampf gegen die Trasse: Bei der zweiten Bürgerversammlung der Gemeinde Knüllwald zur Stromtrasse Südlink saß nicht die Firma Tennet auf dem Podium, sondern es referierten Gemeindepfarrer, Förster, Arzt und Wehrführer über Gefahren und Folgen der Freileitung durch den Ort.

Im brechend vollen Bürgerhaus in Remsfeld zeigten Informationstafeln mögliche Trassenführungen und Bilder einer veränderten Landschaft. Allein die Szenerie mit den riesigen Masten war Angst einflößend. Eine Diaprojektion zeigte die Aussagen der Politiker zu Südlink, etwa das Umschwenken der Bundestagsabgeordneten Bernd Siebert (CDU) und Dr. Edgar Franke (SPD), die Zugeständnisse gegen die Trasse machten.

Welche der zurzeit diskutierten Trassen auch in Frage kommt, alle Wege führen irgendwo an Knüllwald vorbei. Eine der wahrscheinlichsten Lösungen ist der Weg durch das Waldgebiet neben der A7. Revierförster Roland Baumunk stellte Horrorszenarien vor, wie die Rodung aussehen könnte. 20.000 bis 30.000 Festmeter Holz würden dabei anfallen, wenn elf Kilometer gerodet würden. Breite Schneisen müssten geschlagen werden, schon die Arbeiten würden die Region massiv belasten.

Dr. Rolf-Dieter Bork nannte die gesundheitlichen Risiken durch die Stromleitungen. „Jede Zelle im Körper funktioniert elektrisch“, sagte er. Wenn der Körper diesen massiven Strahlungen ausgesetzt sei, leide er. Eine der größten Folgen sei Blutkrebs. Kinder und Ältere seien besonders gefährdet. Schwangere seien gefährdet, Erbschäden vorprogrammiert. Menschen mit Implantaten und Defibrillatoren dürften nicht in die Nähe der Masten kommen. „Wir werden zu Versuchskaninchen“, rief Jürgen Jurgilewitsch.

Wehrführer Andre Hippmann demonstrierte, wie Wintereinbrüche mit Eis und Schnee die Kabel und Masten belasten könnten. „Die Kabel sind so dick wie Oberschenkel“, verglich er. Das Landen von Rettungshubschraubern an der A7 werde erschwert.

„Bürgerprotest ist der Ausdruck eines wahren und reinen Bürgerwillens“, hatte Pfarrer Heinz Hohaus eingangs dargestellt. Das Misstrauen gegen die Bundespolitik stand weiter im Raum. „Wir fordern Planungsstopp“, sagte Bürgermeister Jörg Müller. „Wir haben nur die Belastungen“, sagte er. Er bezweifele, dass dieses Vorgehen wirklich durchdacht sei. „Wir wollen die Trasse insgesamt verhindern“, sagte auch Jürgen Jurgilewitsch.

Hintergrund: Alternative Erdkabel

Ingo Rennert

Ingo Rennert, Aufsichtsratsvorsitzender der Infranetz AG aus Müden an der Aller, stellte die Alternative Erdkabel vor. Seit 1945 seien weltweit 7500 Kilometer See- und Landkabel für die Hochspannungsgleichstromübertragung verlegt worden. Bis 2015 würden in Deutschland 465 Kilometer Landkabel in Betrieb sein. Seine Aluminiumkabel mit zwölf Zentimeter Durchmesser seien eine Neuentwicklung mit geringem Stromverlust. Laut Rennert wären zwei Kabelstränge nötig. Und dafür würde ein 50 Zentimeter breiter Graben reichen. Für die Trasse könnten Feldwege, Ackerränder oder Waldwege genutzt werden. Die Bodenerwärmung würde bei weniger als einem Grad liegen.

Nach Rennerts Berechnungen kostet die Südlink-Freileitung 2,6 Milliarden Euro, die Erdverkabelung dagegen komme nur auf 2,25 Milliarden Euro. Auch die Betriebskosten des Erdkabels lägen nur bei einem Drittel der Freileitung.

Einziges Manko: Die Erdkabel sind nicht per Gesetz für die Trasse vorgeschrieben. Man müsste das also ändern.

Von Christine Thiery

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