Adipositas-Selbsthilfe: Die Gruppe spendet Trost

Vorbild an Selbstbewusstsein: Alwine Seibert-Eversmeyer mit einem Bild von Pippi Langstrumpf, das sie schon seit vielen Jahren begleitet. Die Figur mit ihrer selbstbewussten Art ist für sie ein Vorbild, auch im Kampf gegen die Krankheit Adipositas. Foto: Thiery

Wallenstein. - Alwine Seibert-Evertsmeyer ist seit kurzem im Ruhestand. Seit vielen Jahren leidet die ehemalige Kreisangestellte im Sozialamt an Adipositas (Fettleibigkeit oder Fettsucht) und gründete vor 14 Jahren mit anderen die Selbsthilfegruppe für Essstörungen im Kreis.

Für diese Gruppe konnte sie sich in der jüngsten Zeit mit der Doppelbelastung im Beruf und den Folgekrankheiten nicht voll einsetzen. Nun, im Ruhestand, möchte sie diese Arbeit wieder intensivieren.

Denn als Betroffene weiß sie um die Wirkung der Gruppe: „Sie gibt Trost.“ Und das sei es, was die Erkrankten brauchen. „Sie finden dort Menschen mit einem ähnlichen Krankheitsbild und merken, dass sie nicht alleine sind.“

Zuviel und zu wenig 

Zu den Ess-Störungen, mit denen sich die 65-Jährige auskennt, gehört die Adipositas, die mit zwanghaftem und unkontrolliertem Essen und damit einer starken Gewichtszunahme und hohem Übergewicht einhergeht. Bei der Magersucht (Anorexia nervosa) magern die Menschen durch zwanghaftes Hungern extrem ab und haben starkes Untergewicht. Durch das ständige Fasten versuchen sie, die Kontrolle über ihre Gefühle zu behalten.

Die Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa) sieht man den Betroffenen nicht an. Nach Fressattacken brechen sie und halten so das Gewicht.

Hinter dem Verhalten verberge sich meist ein mangelndes Selbstwertgefühl der Betroffenen, sagt Seibert-Eversmeyer. Auf emotionale Belastungen stopfen die Betroffenen unkontrolliert Nahrung in sich hinein oder hungern, um negative Gefühle wie Angst nicht spüren zu müssen, da sie nicht angemessen darauf reagieren können.

Es handele sich in der Regel um Menschen, die sich selbst nicht annehmen könnten und daher zu Selbstzerstörung neigten, sagt die Wallensteinerin. Oft liege die Ursache in der Kindheit. Obwohl sie dies vom Verstand her nicht wollten, laufe auf der Ebene des Unterbewusstseins ein anderes Programm ab, das sie nicht steuern könnten.

Eine Krankheit 

Die Essstörungen seien ähnlich wie die Alkoholsucht eine Krankheit. Dennoch sei dies bei vielen noch nicht angekommen. „Das soll sich ändern, dafür möchte ich noch weiter kämpfen“, sagt Seibert-Evertsmeyer.

Die Wallensteinerin ist seit 37 Jahren in therapeutischer Behandlung und kann mittlerweile besser zu sich und ihrer Krankheit stehen. Die Lösung sei für sie nicht in erster Linie das Abnehmen, sondern der Aufbau des Selbstbewusstseins mit therapeutischer Hilfe und gegebenenfalls der Unterstützung durch eine Gruppe. Die ersetze keine Therapie, sie sei aber ein Hilfsangebot.

Austausch 

Die Erkrankten merkten im Austausch, dass sie keineswegs disziplinlos sind und entwickelten mehr Verständnis für sich. So sei es auch ihr selbst gelungen, Hilfe anzunehmen und Stück für Stück selbstbewusster zu werden.

Die Gruppentreffen sollen alle 14 Tage im Psychosozialen Kontaktzentzentrum in Homberg im Memelweg stattfinden. Inhalt werden Gruppengespräche und Aktionen wie Walken und Schwimmen sein. Dazu gibt es Informationen zu Behandlungen und Therapien.

• Informationen: Alwine Seibert-Eversmeyer, Tel. 05 686 / 930 430.

Von Christine Thiery

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