Fragen und Antworten

Bald 700 Laster pro Nacht: Remsfeld fordert Verkehrskonzept für Gewerbegebiet

Zwei Bagger graben Löcher für einen Kreisel.
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In der Entstehung: Im hinteren Teil des Gewerbegebietes wird ein kleiner Kreisel gebaut, der zum Wenden der Lkw genutzt werden soll, aber auch eine Zufahrt zur K 41 bietet. Diese soll allerdings primär eine Ausweichmöglichkeit bei Unfällen sein.

Im interkommunalen Gewerbegebiet Knüllwald steigt das Verkehrsaufkommen. Der Ortsbeirat Remsfeld hat wegen der Ausweitung der Logistik ein Verkehrskonzept gefordert.

Fragen und Antworten zum Thema mit Jürgen Liebermann, Vorsitzender des Zweckverbandes Schwalm-Eder-Mitte.

Was hat der Zweckverband in Sachen Verkehrskonzept zu bieten?

Das Verkehrskonzept besteht bereits. Es ergibt sich aus dem gültigen Bebauungsplan auf der Grundlage der „Technischen Anleitung Lärm“ und einem Verkehrsgutachten. Demnach könnten täglich 1155 Laster problemlos den oberen Kreisel an den Schilfwiesen passieren, sagt Jürgen Liebermann. Die Wartezeit betrage in den Spitzenzeiten maximal 17 Sekunden.

Wie viele Laster werden beim Endausbau des Gewerbegebietes täglich die Betriebe anfahren?

Derzeit befahren etwa 425 Laster das interkommunale Gewerbegebiet. Nach dem Endausbau sollen es 755 Lkw sein. „Etwa 700 davon werden nachts fahren.“

War bei der Planung der Verkehrswege Anfang der 2000er-Jahre nicht klar, dass Logistik eine so große Rolle spielen würde?

Dass Logistiker und Spediteure eine wesentliche Rolle spielen, sei klar gewesen. „Der Bebauungsplan besagt, dass zwei Drittel der Flächen mit Transport, Spedition und Lagerung und ein Drittel der Flächen mit Dienstleitungsbetrieben, wie dem Autohof oder produzierendem Gewerbe belegt werden“, erklärt Liebermann.

Können die Laster im Gebiet die vorgegebenen Emissionswerte erfüllen und können die nächtlichen Lärmwerte eingehalten werden?

Im schalltechnischen Gutachten seien Emissions- und Immissionsgrenzwerte für Tag und Nacht festgelegt worden. Das betreffe besonders die neuralgischen Punkte an der Bahnhofstraße, dem Grünen Weg und der Langen Straße. Sie dürfen nicht überschritten werden. Die Untere Bauaufsichtsbehörde prüfe dies bei den Bauanträgen.

Ist der im Bau befindliche Wendehammer mit dem Zuweg zur Kreisstraße 41 so ausgelegt, dass er auch für Lkw-Verkehr genutzt werden kann?

„Die Anbindung wird eine Breite von 6,50 Metern haben, sodass Laster im Gegenverkehr passieren können“, berichtet der Vorsitzende des Zweckverbandes. Der Zuweg solle in erster Linie von Rettungsdiensten genutzt werden. Zudem solle die Straße bei Unfällen in der Schilfwiese eine Ausweichmöglichkeit bieten. Das bedeutet, dass eine weitere Zufahrt zum Gewerbegebiet geschaffen wird. „Dieser Weg wird von den Lkw aber sicher nicht genutzt werden, da er wesentlich länger und schwieriger zu fahren ist“, sagt Liebermann.

Parkende Laster in den Straßen könnten die Zufahrten verstopfen und für Engpässe sorgen. Wie wollen Sie das verhindern?

Nach Angabe von Liebermann kontrolliert das Ordnungsamt der Stadt Homberg in unregelmäßigen Abständen nachts die betroffenen Straßen, ein Sicherheitsdienst unterstütze das. Aus Kostengründen ist dies jedoch nicht jede Nacht möglich. Die bisherigen Kontrollen hätten gezeigt, dass die geparkten Fahrzeuge nichts mit dem Gewerbegebiet zu tun haben. „Wir hoffen zudem, dass der geplante Lkw-Parkplatz am Hasselberg die Situation entspannen wird.“

Immer wieder verfahren sich Lkw und passieren die nahe gelegenen Wohngebiete in Remsfeld. Was kann man dagegen tun?

Um dieses Problem zu lösen, müsste jeder Lkw mit einem Navigationssystem ausgestattet werden, sagt Liebermann. „Voraussetzung ist natürlich, dass der Fahrer mit solch einem Hilfsmittel umgehen kann.“ Der Vorsitzende sieht derzeit keine andere Lösung, das Problem zu beheben.

Amazon nutzt nun doch den Weg über die Neuwiesen für den Lieferverkehr der Sprinter. Wie viele Fahrten werden die Amazon-Sprinter im Endausbau täglich leisten?

Im Moment befahren die meisten Sprinter von Amazon die Straße Neuwiesen auf die B 323. Nach dem Rückbau der Zelte im oberen Bereich des Grundstücks wird der Lieferverkehr zu mindestens 90 Prozent über die Schilfwiese in den oberen Kreisel führen. Die untere Ausfahrt soll künftig nur eine Ersatzlösung sein. Es wird erwartet, dass täglich bis zu 500 Sprinter das Verteilzentrum an- und abfahren. Zurzeit sind es etwa 400 Sprinter.

Trotz vieler Vorbehalte aus dem Ortsbeirat – gibt es auch Positives für Knüllwald und die Region?

„Gewerbesteuer, Grundsteuer und Spielgerätesteuer fließen in die Kassen der Kommunen“, sagt Liebermann. Auch alt ansässige Betriebe, wie die Gastronomie und Lebensmittelgeschäfte würden von dem Gewerbegebiet profitieren. „Es ist ebenfalls gelungen bislang 400 Arbeitsplätze zu schaffen und weitere 200 Arbeitsplätze werden nach dem Endausbau dazukommen.“ Ein Standort wie Remsfeld lebe von der direkten Autobahnanbindung. Er habe aber auch die Nachteile zu verkraften. „So geht es allen Kommunen, die an einer Autobahn liegen.“ (Christine Thiery)

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