Gäste sind verunsichert

Berherbergungsverbot: Stornierungen belasten das Hotel Sonneck

Sie halten Abstände ein und bewirten Hotelgäste: Jörg Traue, Inhaber des Hotels Sonneck in Rengshausen mit Mitarbeiterin Lisa Seidel.
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Sie halten Abstände ein und bewirten Hotelgäste: Jörg Traue, Inhaber des Hotels Sonneck in Rengshausen mit Mitarbeiterin Lisa Seidel.

Und wieder steht das Hotel Sonneck in Rengshausen vor wirtschaftlichen Herausforderungen wegen der steigenden Coronazahlen. Der Grund ist das Beherbergungsverbot.

„Die Gäste sind unheimlich verunsichert“, sagt Inhaberin Christiane Traue. Seit Anfang der Herbstferien komme wieder eine Stornierung nach der anderen ins Haus. Die Hoffnung, dass das Beherbergungsverbot gekippt und andere Regeln stattdessen greifen, hat sich nun mit der politischen Entwicklung zunächst zerschlagen. Jörg Traue bedauert dies, er meint, es sei wichtiger, den Fokus stärker auf private Feiern zu richten.

Viele Seminare, das Hauptstandbein des Hotels, wurden wegen des Beherbergungsverbotes in den vergangenen zwei Wochen abgesagt. Urlauber aus den Risikogebieten mussten stornieren. Eine Familie aus Bremen konnte nicht anreisen, weil sie keinen Coronatest machen konnte. Auch solche, die nicht aus Risikogebieten kämen, hätten zunehmend Angst wegen der steigenden Corona-Fallzahlen, sagt Christiane Traue. Gerade Firmen fühlten sich der Fürsorgepflicht für ihr Personal auch verpflichtet.

Dennoch gebe es auch immer noch Kurzentschlossene, die nicht aus Risikogebieten kämen und Urlaub buchten. In den vergangenen beiden Wochen verzeichnete Christiane Traue einen Rückgang von bis zu 60 Prozent bei den Seminarbuchungen. Das Hotel hat 60 Betten und das Hauptstandbein sind Tagungsgäste. Bei den privaten Herbsturlaubern beträgt der Rückgang bislang 50 Prozent. Das sei alles sehr bedauerlich, denn das Geschäft habe gerade wieder angezogen. Die Vorbuchungen für Herbst und Winter seien vielversprechend gewesen.

Beherbergungsverbot grätscht beim Hotel Sonneck in Hauptsaison

Der Herbst ist die Hauptsaison bei den Seminaren. Die vielen Absagen würden das Hotel nun wieder wirtschaftlich stark treffen. Das Hotel hatte zu Beginn der Pandemie im März und April mit Umsatzeinbußen bis zu 90 Prozent zu kämpfen. Im Sommer verbesserte sich die Lage langsam.

Man habe wieder hoffnungsvoll in die Zukunft geschaut. Alle 20 Mitarbeiter hatten im September ihre Arbeit wieder aufgenommen. Die jetzige Entwicklung sei schlecht für deren Motivation. „Wir schreiben die Dienstpläne ständig um“, sagt Jörg Traue. Auf keinen Fall sollen Mitarbeiter entlassen werden. Das Hotel verfüge über gut eingearbeitetes Personal, das man ungern im Stich lassen möchte. „Wir müssen jetzt wieder auf Überbrückungshilfen und Kurzarbeit hoffen.“ Trotzdem bleibt er positiv. „Kopf hoch und durch.“

Man habe sich mittlerweile an die neuen Hygieneregeln gewöhnt. Alles verlaufe reibungslos. Die Gäste seien sehr vorsichtig und rücksichtsvoll. Christiane Traue meint, dass man trotz der Vorsichtsmaßnahmen, sehr wohl den Hotelaufenthalt auch genießen könne. „Wir haben viel Platz und können bisher alle Abstände einhalten“, sagt auch Jörg Traue.

Beherbergungsverbot: Ständig neue Regeln in der Coronakrise

Seminare bis zu 25 Personen durften nach den Hygieneregeln bislang noch ausgerichtet werden. Aber auch das ändere sich quasi täglich. Das Weihnachtsgeschäft mit Feiern und Veranstaltungen werde in diesem Jahr auch anders aussehen als sonst. Man wisse nicht, wie es sich weiter entwickele.

Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband habe geraten, kulant zu sein. Christiane Traue rät Gästen daher auch zu Direktbuchungen im Hotel. „Wir können flexibler reagieren, als Portale“, sagt sie. „Im direkten Gespräch mit den Kunden findet sich immer eine Lösung“, sagt sie. Und Christiane Traue baut auf einheimische Gäste im Restaurant oder auf der großen Terrasse. Sie ist daher auch zuversichtlich, dass das Hotel Sonneck auch dieses weitere Tal überwinden kann.

Das Beherbergungsverbot wird derzeit bundesweit kontrovers diskutiert. Eine endgültige Entscheidung, wie mit dem Reisen innerhalb Deutschlands umzugehen ist, gibt es noch nicht. Wir haben mit Heidrun Englisch, Geschäftsführerin des Tourismusservice Rotkäppchenland, über das Thema gesprochen. Drei Fragen.

Drei Fragen an die Geschäftsführerin des Tourismusservice Rotkäppchenland

Das Beherbergungsverbot wird derzeit bundesweit kontrovers diskutiert. Eine endgültige Entscheidung, wie mit dem Reisen innerhalb Deutschlands umzugehen ist, gibt es noch nicht. Wir haben mit Heidrun Englisch, Geschäftsführerin des Tourismusservice Rotkäppchenland, über das Thema gesprochen. Drei Fragen.

Frau Englisch, wie stehen Sie zu dem Beherbergungsverbot?
Es ist wichtig, aufzupassen und die Infektionszahlen so niedrig wie möglich zu halten. Die Frage ist jedoch, ob die Beherbergung dabei ausschlaggebend ist. In Hotels finden ja nicht zwangsläufig Menschenansammlungen statt. Ich frage mich, wieso es nicht möglich sein soll, mit Abstand essen zu gehen und dann in unterschiedlichen Zimmern zu schlafen.
Empfohlen wird derzeit, generell von Reisen innerhalb Deutschlands abzusehen. Was halten Sie davon?
Zunächst gab es den Aufruf, nur innerhalb Deutschlands Urlaub zu machen. Jetzt soll man auch deutschlandweit nicht reisen. Dabei gibt es ja nicht nur die See oder die Berge. In der Mitte des Landes hätten wir genügend Platz für Reisende. In unserer Region beispielsweise können die Menschen gut und entspannt Urlaub machen, gerade wenn sie mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Mehr noch: Auf dem Land kann man bei ausgiebigen Spaziergängen den Abstand finden, der zu Hause in der Stadt vielleicht nicht da ist. Ich finde, man muss das Thema differenziert betrachten.
Ist der Tourismus der Leidtragende der Pandemie?
Ja, auf jeden Fall. Unsere Gastronomen hätten allen Grund, frustriert zu sein. Sie haben aber keine andere Wahl als mithilfe kreativer Ideen weiterzumachen. Sie versuchen mit allen Mitteln, umsichtig zu sein. Käme aber ein zweiter Lockdown, wäre das für einige das Aus.


Von Christine Thiery und Daria Neu

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