Serie "Gespräche am Gartenzaun" 

Berndshausen: Zwischen Idylle und der A7

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Der harte Kern der Berndshäuser Dorfgemeinschaft auf einen Blick: Der Platz an den zwei Gerichtslinden in der Dorfmitte soll neu gestaltet werden. Der Ort hat 210 Einwohner, darunter sind 25 Kinder. 

In Berndshausen lässt es sich gut leben, trotz der Autobahn, darüber sind sich viele Einwohner einig. Was sie sich für die Zukunft wünschen, verrieten sie bei einem Dorfrundgang. 

Der Platz unter den zwei Gerichtslinden in Berndshausen ist der Mittelpunkt des kleinen Dorfes. Dort treffen sich die Bewohner zum Schwätzen und Feiern. Nun soll der Treffpunkt neu gestaltet werden – die Berndshäuser wünschen sich das sehr.

Das wurde klar beim Gespräch am Gartenzaun mit der HNA, zu dem sich diese Woche viele der 210 Einwohnern des Ortes zusammengefunden hatten. Sie alle wollen zeigen, wie gut es sich dort lebt. „Der Ort liegt zwar unterhalb der A 7, aber daran haben wir uns gewöhnt“, sagte Renate Wiegand. „Bei schlechtem Wetter ist es leise, bei gutem laut.“

Ländliche Idylle: Die Ziege Lina schnuppert über den Gartenzaun und lässt sich vom Berndshäuser Ortsvorsteher Karl Ziegler kraulen. 

Beim Rundgang hört man die A7 kaum. Der Wind steht günstig, er kommt von Westen. „Viele nutzen sie als schnellen Zubringer zur Arbeit“, sagt Ortsvorsteher Karl Ziegler. Das sei ein Vorteil, denn es lebten viele Pendler in Berndshausen. Mit Skepsis beobachten sie den bevorstehenden Bau des Lkw-Stellplatzes an der Raststätte der A7, der genau oberhalb des Ortes liegt. „Wer weiß, ob das lauter wird“, sagt Ziegler.

Denn sie lieben ihre dörfliche Idylle. Es gibt zwar keinen Landwirt mehr im Vollerwerb, aber einige Mähdrescher stehen in den Scheunen. Am Hof Ertzelsbach werden neuerdings Eier vom Hühnermobil verkauft, das außerhalb des Ortes in Richtung Welferode 345 Hühner beherbergt. Ramona Nickel und Andreas Rompf betreiben den kleinen Hof.

Ein wildromantischer Bauerngarten: Anette Schade ist stolz auf die Blütenpracht.

Beim Rundgang erzählt Walter Siebert von der Zeit, als es noch eine Gaststätte im Ort gab. 1974 wurde sie aufgelöst. Vor der ehemaligen Kneipe mit Saal sitzt die damalige Wirtin Christine Siebert. Sie betreibt immer noch einen kleinen Getränkemarkt, was so viel heißt, dass man bei ihr ein Feierabendbierchen trinken kann und das Neueste aus dem Ort erfährt. Außerdem gibt es den Verein Stammtisch, der sich regelmäßig im Dorfgemeinschaftshaus trifft.

25 Kinder leben in Berndshausen 

„Der zweite Verein ist die Feuerwehr mit zehn Aktiven“, sagt Wehrführer David Salzmann. Das Feuerwehrhaus befindet sich auch am DGH sowie der kleine Kinderspielplatz. Der junge Mann liebt den Ort und will genau wie Wiebke Ziegler gar nicht fort. Die Erzieherin und Mutter von drei Kindern ist in Berndshausen aufgewachsen und will dort auch bleiben. „Die Kinder könnten nicht besser aufwachsen“, sagt ihr Lebensgefährte Guido Pfennig. 25 Kinder und Jugendliche leben in Berndshausen.

Die Familie Ringk betreibt einen Therapiehof mit Alpakas im Ort. Die lustig aussehenden Tiere halten sich heute zurück und verstecken sich im Stall. Dafür lugen die beiden Ziegen Lina und Konrad über den Zaun und ein Hund bellt. „Hunde haben wir hier an jeder Ecke“, sagt Jutta Siebert. „Und alle laufen frei herum.“ Denn es ist nicht viel Verkehr im Ort.

Hier gibt es Getränke und Gespräche: Die ehemalige Wirtin Christine Siebert (links) mit Sohn André (rechts), Ivana Kasianchyk und Christian Stogarovski.

Überhaupt liegt Berndshausen entzückend zwischen den Feldern. Überall blühen die Blumen, auch im romantisch-wilden Bauerngarten von Anette Schade. Leerstand gibt es kaum, nur zwei Häuser sind nicht bewohnt von den 70 Wohnhäusern im Ort.

Ein Antikhof mit Umzugsunternehmen und die Verwaltung einer Tankgesellschaft sind die einzigen Firmen im Ort. Eine Herde Galloway-Rinder weidet auf der Wiese am Ortsrand.

Wenn die Autobahn nur leise surrt, wird die Idylle spürbar, die auch gern von Urlaubern der vielen Ferienwohnungen genutzt wird.

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