Forstarbeiter ernten 420 Kilo Zapfen bei Rengshausen

Lärchen sollen Wald stärken

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Der Leiter des Forstamtes Neukirchen Florian Koch (links) und Mitarbeiter Martin Bartsch- Stucke mit Jagdhund Lotte, zeigen die Lärchenzapfen, die im Wald bei Rengshausen geerntet wurden und nun in der hessischen Staatsdarre aufbereitet werden.

Um den Auswirkungen des Klimawandels im Wald entgegenzuwirken, muss der Wald mit neuen resistenteren Baumarten aufgeforstet werden. Die Lärche soll einen Teil des von den Stürmen, der Dürre und dem Borkenkäfer vernichteten Waldbestandes ersetzen. Dafür ernteten speziell ausgebildete Baumkletterer im Lärchenwald in Rengshausen nun die Zapfen, aus denen möglichst viele Keimlinge werden sollen.

Das sei nötig, weil auf dem Markt derzeit kein Lärchensamen zu bekommen sei, sagt Florian Koch, Leiter des Forstamtes Neukirchen. Die Nachfrage sei wegen der flächendeckenden Zerstörung der Wälder enorm hoch.

Die frisch geernteten Samen der Zapfen werden in der Staatsdarre in Hanau aufbereitet. Speziell für solche Ernten ausgebildete Fachleute klettern bis in die Wipfel der Bäume. Der Auf- und Abstieg dauert bis zu einer halben Stunde. „Um Zeit zu sparen, klettern die Männer daher von Baumwipfel zu Baumwipfel“, erklärt Koch.

Der Lärchengarten bei Rengshausen eignet sich dafür sehr gut, weil die Bäume dort gehäuft stehen. Sie wurden 1795 auf 16 Hektar gepflanzt, die Samen stammen aus Südtirol. „Man spricht von den besten Lärchen Hessens“, so Koch. Der Bestand sei von guter Vitalität und anerkanntem Samenbestand. Nach der Aufbereitung in der Staatsdarre werden sie später in einer Baumschule zu Setzlingen heranwachsen.

Durch den Sturm Frederike, die trockenen Sommer und den Borkenkäfer sind allein im Bezirk des Forstamtes Neukirchen 250 Hektar Freiflächen im Wald entstanden. Eine halbe Millionen Festmeter Schadholz mussten aus den Wäldern geschafft werden. 

Borkenkäfer schädigt Fichten

Einer der größten Faktoren für das Fichtensterben in diesem Jahr ist neben der Trockenheit der hohe Bestand der Borkenkäfer. „Die Käferherde waren dieses Jahr überall“, verdeutlicht der Forstamtsleiter. Die Population sei außergewöhnlich hoch. Die Bohraktivität sei nun abgeschlossen, allerdings überwinterten 50 bis 80 Prozent der Larven im Boden. Und die Gefahr, dass das Fichtensterben durch dieses Ungeziefer weiter geht, sei groß, weil weiter mit trockenen Sommern gerechnet werde.

Daher wolle man etwa die resistenteren Lärchen pflanzen und sie mit Eichen mischen. Auch Kiefern und Douglasien sollen vermehrt auf den Freiflächen gepflanzt werden, um den Wald dem Klimawandel gegenüber zu stärken. „Wir müssen eine stärkere Mischung der Baumarten erreichen, um das Risiko zu streuen.“ Derzeit bestehen die Wälder im Forstamt zumeist aus Buchen (32 Prozent), Fichten (22 Prozent), Kiefern und Douglasien.

Die Lärche wird bevorzugt gepflanzt, weil sie mit weniger Wasser auskommt als die Fichte. Die Fichte ist ein Flachwurzler, die Lärche ein Herz- oder Pfahlwurzler. Ihre Wurzel reicht also tiefer in den Boden, wo sich noch mehr Grundwasser befinde. Außerdem hat die Lärche den Vorteil, dass sie auf freien Flächen mit viel Lichteinfall gepflanzt werden kann.

Wildlinge der Eiche: Sie sollen demnächst in den heimischen Wäldern unter den Bäumen gesammelt und ausgesetzt werden.

Zu den Lichtbaumarten gehören auch Birke und die Kiefer sowie die Eiche. Die Birke pflanzt sich selbst fort. Um die Eiche besser zu platzieren, werden demnächst Pflücker in den Wäldern unterwegs sein, die die Wildlinge, also jungen Pflanzen, die sich unter den Eichen natürlich ausgesät haben, mit den Wurzeln heraus nehmen, damit sie gezielt gepflanzt werden können. Demnächst sollen auf zwölf Hektar freien Flächen im Gebiet des Forstamtes Neukirchen 96 000 solcher Wildlinge zur Aufforstung gepflanzt werden.

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