Polizei wütend: Schaulustige fahren mehrfach an Haus vorbei

Explosion in Knüllwald: Ehepaar starb in seinem Haus - Polizei sucht nach Ursache

Knüllwald. Nach der Explosion eines Wohnhauses in Knüllwald-Wallenstein ist die Identität der beiden Toten geklärt: Neben einer 74-jährigen Frau starb auch ihr Ehemann (79).

Dieser Artikel wird ständig aktualisiert - zuletzt am Dienstag um 20.23 Uhr. Bei der Explosion eines Wohnhauses am Montag gegen 17.15 Uhr in Knüllwald-Wallenstein ist ein Ehepaar ums Leben gekommen. Nachdem die 74 Jahre alte Bewohnerin bereits am Montag in den Trümmern tot geborgen wurde, fanden Feuerwehrleute gegen 3.40 Uhr am Dienstagmorgen auch ihren 79 Jahre alten Ehemann. Nach ihm war auch per Hubschrauber und mit einer Wärmebildkamera gesucht worden. Zunächst war sogar von vier Personen die Rede gewesen, die sich zuvor im Gebäude aufgehalten haben sollen. Die beiden Hunde des Ehepaares sind vermutlich ebenfalls unter den Trümmern eingeschlossen. 

In der Nacht zu Dienstag hatten 350 Helfer von Polizei, Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz, Technischem Hilfswerk, der Rettungshundestaffel und der Bundeswehr bis in die frühen Morgenstunden in den Trümmern nach dem Vermissten gesucht. Auch ein Trümmerhund aus Marburg wurde eingesetzt, um nach den Verschütteten zu suchen. 

Ein zwölfjähriges Mädchen aus der Nachbarschaft zog sich nach Angaben der Polizei wegen herumfliegender Glassplitter Verletzungen zu und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Trümmerteile und Hausrate lagen schon weit vor dem Haus auf dem Boden. Ein Nachbarhaus wurde von der Explosion derart in Mitleidenschaft gezogen, dass es zunächst nicht bewohnbar ist.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei soll es sich bei der Unglücksursache um eine Gasexplosion gehandelt haben, die das Wohnhaus zum Einsturz brachte. Das Haus wurde nach Angaben des Landrats Winfried Becker (SPD) mit Gas versorgt. Die Retter waren anfangs nicht sicher, ob noch Gas an der Unglücksstelle austreten würde. Mit Drehleiter und unter Atemschutz näherten sie sich dem Unglücksort. Die Bundeswehr rückte mit schwerem Gerät an, mit dem die Trümmer beiseite geschafft werden sollen. Die Annahme, dass Gas der Grund für das Unglück war, konnte Polizeisprecher Markus Brettschneider am Dienstag aber nicht bestätigen: „Die Ermittlungen haben gerade erst begonnen.“

Für die Ermittlungen ist die Kriminalpolizei in Homberg zuständig. Sie hat am Dienstag gemeinsam mit Fachleuten des Hessischen Landekriminalamtes nach der Explosionsursache gesucht. Eine harte Arbeit: Die Brandursachenermittler drehten auf der Suche nach Hinweisen jeden Stein des hohen Schuttberges um, der einmal ein Haus gewesen war. Das hatten auch viele Passanten sehen wollen: Etliche Autofahrer fuhren vor dem Gebäude Schrittgeschwindigkeit, um den Unglücksort sehen zu können. Nicht wenige wendeten sogar und kamen für einen zweiten Blick zurück. Ein Motorradfahrer aus Bad Hersfeld verrenkte sich derart den Hals, dass er auf die Gegenfahrbahn geriet – auch er wendete am Ortsschild. Polizeisprecher Brettschneider macht das nur eines: richtig wütend.

Polizeisprecher Markus Brettschneider über die Explosion

"So eine Schadenslage hatten wir noch nie", sagte Knüllwalds Bürgermeister Jürgen Roth. Mit ihm sind auch der Landrat und der Vize-Landrat des Schwalm-Eder-Kreises am Einsatzort gewesen.

Die Explosion am Montag soll so stark gewesen sein, dass man sie noch im benachbarten Ort Rodemann gehört und gespürt haben soll, wie Zeugen berichten. Rodemann liegt Luftlinie etwa acht Kilometer von Wallenstein entfernt. Bei dem explodierten Gebäude handelte es sich um einen Teil der am Ortsrand gelegenen Hüttenmühle, die aus mehreren Häusern besteht.

Mitarbeiter eines Unternehmens, das dem explodierten Haus gegenüberliegt, hatten die Explosion gesehen. Ein Notfallseelsorger kümmerte sich auch um die Zeugen. Feuerwehr, Polizei und THW befanden sich im Großeinsatz.

Die Schadenshöhe wird von der Polizei auf 150.000 bis 200.000 Euro geschätzt.

Video: Landrat Winfried Becker zum Einsatz

Explosion: Haus in Knüllwald eingestürzt

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Hier ist Wallenstein

Die Gemeinde Knüllwald hat rund 4500 Einwohner und entstand im Dezember 1971 aus dem Zusammenschluss von neun Orten, darunter auch Wallenstein, in dem heute etwas mehr als 200 Menschen leben. Das an der Autobahn 7 zwischen Bad Hersfeld und Homberg gelegene Dorf ist in der Region vor allem durch eine Burgruine und die idyllisch gelegene Lochbachklamm bekannt. 

Rubriklistenbild: © Müller

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