300 Remsfelder Soldaten zogen in den Krieg

Historische Ausstellung: Remsfelder im Ersten Weltkrieg

Blick zurück: Helmut Koch stellte Nachforschungen über seinen Großvater an und brachte damit die Ausstellung „Das Remsfelder Kirchspiel im 1. Weltkrieg“ ins Rollen. Mit Besucherin Anita Horn aus Remsfeld betrachtet er ein Bild, das die Kriegsverherrlichung darstellt. Soldat Heinrich Ruhleder ist dort gleich dreimal in verschiedenen Uniformen zu sehen.
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Blick zurück: Helmut Koch stellte Nachforschungen über seinen Großvater an und brachte damit die Ausstellung „Das Remsfelder Kirchspiel im 1. Weltkrieg“ ins Rollen. Mit Besucherin Anita Horn aus Remsfeld betrachtet er ein Bild, das die Kriegsverherrlichung darstellt. Soldat Heinrich Ruhleder ist dort gleich dreimal in verschiedenen Uniformen zu sehen.

Remsfeld. Das Elend während des Krieges zeigt Helmut Koch in der Alten Post. Ins Rollen brachte er die Ausstellung, als er Nachforschungen über seinen Großvater anstellte.

Die Pickelhaube war im Ersten Weltkrieg ein großes Problem. In den Schützengräben lugte die Spitze auf den ledernen Helmen hervor, weshalb es besonders viele Kopfschüsse gab. Erst nachdem Stahlhelme angeschafft wurden, ließ die Häufigkeit dieser Verletzungen nach. Solche Geschichten erzählt Helmut Koch in seiner Ausstellung „Das Remsfelder Kirchspiel im 1. Weltkrieg“, die noch bis zum Sonntag, 25. November, in der Alten Post in Remsfeld zu sehen ist.

Anlass für die Ausstellung ist das Kriegsende, das sich am 11. November zum 100. Male jährte. Auf 30 Tafeln hat der 69-Jährige, der in Remsfeld aufwuchs, unzählige Bilder und Dokumente über Männer gesammelt, die in den Krieg ziehen mussten. Allein 250 Feldpost-Briefe sind unter den Zeitdokumenten. Alle diese entzifferte er in mühseliger Kleinstarbeit.

Sein eigener Großvater Otto Koch war Soldat im Ersten Weltkrieg, er nahm sich 1928 das Leben. „Wir wussten überhaupt nichts über ihn“, sagt er. Deshalb habe er begonnen zu forschen. So viel habe er über seinen eigenen Großvater nicht herausbekommen, dafür aber sehr viel über andere, sagt der Homberger. Koch fand einige Unterlagen im Nachlass seiner Eltern.

Pfarrer waren stark in die Kriegspropaganda eingebunden 

Er entdeckte eine Kriegszeitung in den Archiven und forschte weiter, viele Remsfelder halfen ihm und suchten in den Hinterlassenschaften. „Nach und nach entstand so ein Bild“, sagt Koch.

Die Pfarrer und Lehrer seien in den Dörfern die Bindeglieder gewesen. Sie waren stark in die Kriegspropaganda des Kaisers eingebunden. „Die Pfarrer predigten den Krieg von der Kanzel herunter schön und hielten so die Moral aufrecht“, sagt Koch. Skurriles in der Ausstellung beweist die Verknüpfung von Kirche und Staat. Eine Altarkerze in Form einer zwölf Zentimeter großen Artillerie-Granate mit einem eingravierten „Vater Unser“ darauf zeigt, wie bewusst bereits damals mit Kommunikation umgegangen wurde.

Die Menschen in den Dörfern hingegen wussten nicht, wie sie die Höfe bewirtschaften sollten, und hatten Angst um ihre Lieben im Krieg. Der damalige Remsfelder Pfarrer Wilhelm Hochhuth lobt in den Mitteilungen des Kirchspiels die Soldaten im August 1915. „Hessen heraus, es winken blut‘ge Rosen, bei Russen und Franzosen: Pflückt euch den Strauß.“

Erinnerungen an das Elend 

Die Ausstellung greift unter anderem das Schicksal von Adam Groß aus Remsfeld auf. Sein Nachlass ist besonders groß. Er wurde mit 18 Jahren nach Serbien in den Krieg geschickt und dokumentierte alle Stationen mit farblichen Postkarten. Er kam heil nach Hause, starb aber zwei Jahre später an der Spanischen Grippe.

300 Soldaten zogen aus dem Kirchspiel Remsfeld in den Ersten Weltkrieg, 40 starben auf dem Schlachtfeld. „Noch heute läuft einem ein Schauer über den Rücken, wenn man das sieht“, sagte Anita Horn, die sich die Ausstellung anschaute.

Sie las die Zeilen vor, die August Mohr aus Völkershain im Juli 1918 an seinen Vater schrieb: „Ach lieber Vater hätte dies Elend hier mal ein Ende. Du glaubst gar nicht wie wir all dieses Elend leid sind.“

Öffnungszeiten der Ausstellung 

Die Ausstellung „Das Remsfelder Kirchspiel im 1. Weltkrieg“ ist bis zum 25. November in der Alten Post in Remsfeld zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr; Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr. Die Ausstellung soll im nächsten Jahr noch einmal zum 100-jährigen Bestehen der Volkshochschule in Homberg gezeigt werden.

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