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Gefühl von Jugend und Freiheit: Niederbeisheimer Freunde auf einem Mofa-Trip zum Steinhuder Meer

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Von: Christine Thiery

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Ankunft am Steinhuder Meer: die Mofabiker Mike Schwarz und Michael Wüst mit ihren Zündapps.
Ankunft am Steinhuder Meer: die Mofabiker Mike Schwarz und Michael Wüst mit ihren Zündapps. © Christine Thiery

Wie im Film: Knüllwälder Freunde mit 25 km/h auf Mofa-Tour. Michael Wüst und Mike Schwarz erlebten eine tolle Mofa-Tour.

Niederbeisheim – Sie sind Freunde seit der Kindheit: In ihrer Jugend sind Michael Wüst und Mike Schwarz zusammen mit Mofas durch Knüllwald getuckert und haben die Gegend unsicher gemacht. An diese unbeschwerte Zeit erinnern sich beide gern. Nun haben sie sich einen Wunsch erfüllt und sich wieder zwei gebrauchte Zündapp Mofas gekauft.

Damit fuhren sie kürzlich von Niederbeisheim bis an das Steinhuder Meer und wieder zurück. Die Idee dazu hatten die Freunde im vergangenen Jahr bei der Feier zum 50. Geburtstag von Michael Wüst. Sie hatten in fröhlicher Runde von dem Film „25 km/h“ mit Lars Eidinger in der Hauptrolle gesprochen. Bei diesem Roadmovie verwirklichen zwei Brüder nach 30 Jahren ihren Plan, mit dem Mofa durch ganz Deutschland zu fahren. Die Reise führt in dem Film vom Schwarzwald bis zur Ostsee.

Sie waren auf zwei blauen Zündapps ZR 20 und ZB 20 unterwegs

„Bei den Gesprächen darüber wuchs bei uns der Wunsch, das auch zu machen“, sagt Michael Wüst. Schnell besorgten sich die Niederbeisheimer, die mittlerweile seit 25 Jahren auch Nachbarn sind, genau die Mofamodelle, die sie früher fuhren. Zwei blaue Zündapps ZR 20 und ZB 20. Beide kosteten gebraucht um die 1000 Euro, mussten aber noch etwas überholt und in Schuss gebracht werden.

Als Ziel guckten sich die Kumpels das Steinhuder Meer aus. „Wir richteten uns nach der Arbeit und der Familie.“ Mike Schwarz ist freigestellter Betriebsrat bei B.Braun und Michael Wüst Lagerleiter bei Dr. Schuhmacher in Beiseförth. Daher sei eine noch längere Reise nicht in Frage gekommen. Drei Mal haben sie übernachtet. Nur das Hotel am Steinhuder Meer haben sie im Voraus gebucht. „Wir wussten ja nicht, wie weit wir tatsächlich kommen.“ Sie legten jeden Tag zwischen hundert und 120 Kilometer zurück. Die meiste Zeit fuhren sie auf Radwegen, was mit den Mofas erlaubt sei. Nicht jeder Radfahrer wisse dies, sagen sie.

Auf der Tour entdeckten sie auf einem Hof 70 alte Kreidler Mofas

Erste Station war ein Bikerhotel bei Höxter. Als sie den Berg hinauf knatterten, applaudierten die Motorradfahrer, die schon auf der Terrasse saßen. „Viele Passanten haben uns zugewunken und den Daumen hochgehoben“, sagt Michael Wüst. Egal, wo sie hielten, es entwickelten sich immer Gespräche mit den Menschen. „Alle haben gelacht und uns bestärkt, fanden die Idee grandios und Freunde verfolgten die Reise über unseren Whatsapp-Status“, erzählen sie. Viele von ihnen seien auch in der Jugend Mofa gefahren und erinnerten sich gern an die schönen Zeiten.

Als sich der Lenker an der Maschine von Mike Schwarz lockerte, fragten sie kurzerhand auf einem Hof nach einem Bohrer und einer Schraube. Der Inhaber des Geländes lachte nur und sperrte eine Doppelgarage auf. Da staunten die zwei nicht schlecht: 70 alte Kreidler Mofas standen darin. Diese sollen für Mofatouren genutzt werden.

Sie seien fast immer auch die maximalen 25 Stundenkilometer gefahren

Ein paar Mal haben sich die beiden auch verfahren: „Einmal standen wir ratlos mitten in der Pampa und sind zwei Stunden in einem Waldstück herumgeirrt.“ Überhaupt sei ihnen der Weg auch lang vorgekommen – länger als gedacht, sagt Mike Schwarz. Es sei eben etwas anderes, wenn ein 50-Jähriger sieben bis acht Stunden am Tag ein Mofa fährt oder ein junger Bursche. Da tue einiges weh und so leicht hüpfe man nicht mehr auf die Maschine rauf und wieder runter. „Einen Fuß mal lässig auf dem Motor abstellen?! Was früher cool war, ist heute teilweise mit Schwierigkeiten verbunden“, sagen sie und lachen.

„Wir wollten ein bisschen Nostalgie und Spaß, verbunden mit Entschleunigung“, sagen die Freunde. All das haben sie auch bekommen. Sie hatten sich eigens Motorradwesten zugelegt. Darauf steht der Schriftzug „The Riffs“. Das war ein Film aus ihrer Jugend, den sie sich oft zusammen angeschaut haben. Mike Schwarz grub sogar noch seinen alten Mofahelm aus.

Sie seien fast immer auch die maximalen 25 Stundenkilometer gefahren. „Die Mofas sind nicht frisiert“, sagen sie. 520 Kilometer legten sie an vier Tagen mit dieser Geschwindigkeit zurück. Als sie dann auf der Rückfahrt bei Spangenberg Bergheim ankamen, ging es nur noch bergab. „Da wussten wir, dass wir es schaffen“, sagt Wüst. So klar sei das nicht immer gewesen. Es gab einige kleinere Pannen und sein Schwiegervater Hubert Schneider war immer auf Abruf. Er hätte sie notfalls mit dem Hänger abgeholt. „Es war ein tolles Erlebnis“, sagen die Freunde. Und im nächsten Jahr gibt es auf jeden Fall wieder eine Mofatour, da sind sie sich sicher. Jetzt wurde aber erst einmal der 50. Geburtstag von Mike Schwarz gefeiert. Vermutlich haben sie sich auch da wieder etwas Besonderes einfallen lassen – man darf gespannt sein, wohin es sie treibt. (Christine Thiery)

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