Berufsentscheidung erfolge zu früh

Kritik an Schulen: Knüllwalder Lehrer hat Vorschläge für Berufsvorbereitung

Knüllwald. Jugendliche werden von der Schule unzureichend auf den Berufsstart vorbereitet - eine pauschale Kritik, die Dieter Goldmann, Lehrer an der Knüllwalder Berlin-Tiergarten-Schule, nicht nachvollziehen kann.

Der 55-Jährige ist dort für das Fach Arbeitslehre zuständig und kümmert sich vor allem um den Bereich der Berufsfindung. Er hat andere Erfahrungen.

Dieter Goldmann. Foto: Rohde

Mit Unterstützung von Agentur für Arbeit, Betrieben, die Praktikumsstellen anbieten, und der Jugendwerkstatt in Felsberg würden die Schüler sehr gezielt auf ihrem Weg in den Beruf betreut. Goldmann: „Sie werden intensiv begleitet, bis sie eine Stelle haben oder eine weiterführende Schule besuchen.“

Frühe Berufswahl

Hauptschüler müssten sich aber schon mit etwa 14 Jahren festlegen, welchen Beruf sie erlernen wollen. Das sei sehr früh und falle genau in die Pubertät mit ihren besonderen Problemen, erklärt Goldmann. „Es ist eine unlösbare Aufgabe für einen 14-Jährigen, in diesem Alter seine Fähigkeiten zu erkennen und sich damit in einer Bewerbung zu präsentieren“, sagt er.

Anhand einfacher handwerklicher Übungen werden daher an der Berlin-Tiergarten-Schule schon in der 7. Klasse technische Grundfertigkeiten getestet.

Eine große Rolle bei der Berufsfindung spielen Praktika. Es gelte, Kontakte in die Betriebe zu pflegen, beispielsweise zur Ausbildungswerkstatt der Firma B. Braun. Dort teste der Ausbildungsmeister auf Anfrage, welche technischen Fähigkeiten ein Schüler mitbringe. Auch zu Kleinbetrieben versucht Goldmann, Verbindung zu halten. Wegen der Vielzahl der Firmen bedeute das einen hohen Aufwand.

In der Jugendwerkstatt Felsberg können Schüler eine zweiwöchige Orientierungsphase durchlaufen, in der sie die Bereiche Hauswirtschaft, Holzverarbeitung, Metallverarbeitung sowie Maler und Lackierer kennenlernen. Am Ende gibt die Jugendwerkstatt eine Empfehlung für die Berufswahl ab.

„Die Schüler werden intensiv begleitet, bis sie eine Stelle haben oder eine weiterführende Schule besuchen.“

Auch die Eltern sind einbezogen. Bei Elternabenden müssen die Schüler die Ergebnisse der Praktika vorstellen. Gerade bei Berufen, die für junge Leute eher nicht attraktiv erscheinen und in denen Lehrlinge fehlen, könnten die Betriebe auch stärker auf die Schule zukommen, meint Goldmann. „Handwerksmeister könnten in der Schule ihren Beruf vorstellen und eventuell Begeisterung wecken.“

Motivation entscheidend

Wenn sich dann noch ein Praktikum unter möglichst realistischen Bedingungen anschließe, seien das gute Voraussetzungen, um junge Leute für eine Ausbildung zu gewinnen. Nach Einschätzung Goldmanns ist die Motivation der Jugendliche viel entscheidender als die Noten. Weitere Hilfen bietet auch die Agentur für Arbeit an, etwa Berufseinstiegsbegleiter, wenn Schwierigkeiten abzusehen sind. Und es gebe etwa das Programm Perspektive Plus mit einem einjährigen Praktikum.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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