Chorsterben

Knüller Kehlen verstummen: MGV 1903 Niederbeisheim wird aufgelöst

Packen die Fahne ein: Heinrich Ostheim, Werner Ebert, Otto Wiegel, Georg Ruske, Heinz Schlein und Ulrich Schmidt gehören zum Männergesangverein 1903 Niederbeisheim, der zum Jahresende aufgegeben wird.
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Packen die Fahne ein: Heinrich Ostheim, Werner Ebert, Otto Wiegel, Georg Ruske, Heinz Schlein und Ulrich Schmidt gehören zum Männergesangverein 1903 Niederbeisheim, der zum Jahresende aufgegeben wird.

Eine über hundert Jahre alte Tradition geht zu Ende: Die Männer vom Männergesangverein 1903 Niederbeisheim packen die Liederzettel ein und verabschieden sich zum Jahresende.

Niederbeisheim – Der Männergesangverein 1903 Niederbeisheim wird Ende 2021 aufgelöst. Der Nachwuchs fehlt und so wird die Vereinstätigkeit zum Jahresende beendet.

Vorbei ist die Zeit der gemeinsamen Chorproben und Auftritte. Mit etwas Wehmut gehen die Männer auseinander. 47 Jahre war Werner Ebert der Vorsitzende. Aber auch er kann die Truppe nicht mehr zusammenhalten. Sie singen vierstimmig, das sei mit den wenigen Mitgliedern nicht mehr umsetzbar. Der Verein wurde 1903 von Ernst Rohde gegründet. Der Kantor hatte die Leitung des Chors bis 1952 inne. Ihm folgten bis 1984 Richard Stane, bis 2001 Peter Gebbert und nun Gerhard Ploch

2003 feierten die Sänger ihr 100-jähriges Jubiläum und restaurierten ihre Vereinsfahne noch einmal von Grund auf. Diese trugen sie zu offiziellen Anlässen bei sich: Liederabenden, Chorfesten, Geburtstagen, Hochzeiten. Überall traten sie auf. Nun soll die Fahne in einer Vitrine im Dorfgemeinschaftshaus in Niederbeisheim einen Platz finden, zusammen mit anderen Relikten wie der Zelterplakette, die der Verein zum Jubiläum auf dem Hessentag in Bad Arolsen erhielt. Damals waren noch 27 aktive Sänger im Verein. Man war dem Sängerkreis Heiligenberg angeschlossen. Traditionelle Volkslieder und Schlager gehörten zum Repertoire der Kehlen aus dem Knüll.

MGV 1903 Niederbeisheim: Interesse am Singen ist weniger geworden

Werner Ebert erinnert sich, wie er als junger Mann stolz war, als er in den Verein aufgenommen wurde. Der Dorfschullehrer Richard Stanek war Chorleiter und sagte: „Nach dem Stimmbruch kommt ihr in den Gesangverein.“ So taten es viele Jungen aus dem Dorf. Großväter, Väter und Söhne traten dem Gesangverein bei. Man machte das eben so. Es sei damals gar nicht so leicht gewesen, vor den älteren Herrschaften, denen man noch eine gewisse Ehrfurcht entgegenbrachte, zu bestehen. In dieser Zeit sei die Chormitgliedschaft zudem eine der wenigen Möglichkeiten gewesen seine Freizeit im Dorf zu gestalten, erzählt Ebert.

Heute sei das Interesse gering. Die Mitgliederzahlen sanken nach und nach. 13 Mitglieder waren es zuletzt in der Jahreshauptversammlung. Es gab zu wenige aktive Sänger. Die letzte Chorprobe fand wegen der Pandemie am 10. März 2020 statt. Seitdem traf man sich mal auf ein Bierchen mit Abstand, singen war lange verboten.

MGV 1903 Niederbeisheim: Sänger wollen nach Auflösung in Kontakt bleiben

Die Nachwuchssorge trieb den Verein schon länger rum. 2014 hatten sie sich bereits dem Männergesangverein Malsfeld angeschlossen. Dorthin können nun auch all jene wechseln, die weiterhin singen wollen. Treffen will sich die Gruppe ab und an, um Erinnerungen auszutauschen und vielleicht zum Spaß ein Lied anzustimmen.

Ulrich Schmidt etwa lebt in Kassel und kam immer eigens für die Chorproben nach Niederbeisheim. Seine Freunde möchte er hin und wieder sehen. Dann gibt es eben nur die Überstunden, denn die Männer zitieren gern den Spruch: „Schön sind die Übungsstunden, noch schöner sind die Überstunden.“ (Christine Thiery)

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