Ehepaar betreibt Hof seit 1990er-Jahren

Leere am Eselhof: Keine Freizeiten in Knüllwälder Eselei möglich

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Allein mit den Eseln: Elke und Helmut Pöschko können wegen Corona derzeit keine Klassenfahrten und Ferienfreizeiten auf ihrem Eselhof ausrichten.

Wegen des Coronavirus werden in diesem Jahr wohl keine Freizeiten mehr auf dem Eselhof in Nenterode stattfinden. Für das Ehepaar Pöschko bedeutet das: aus dem geplanten Ruhestand in drei Jahren wird vermutlich nichts.

Für Elke und Helmut Pöschko sollten es noch drei schöne Jahre mit ihren Schul- und Ferienfreizeiten auf dem Eselhof werden, dann wollte das Paar in den Ruhestand gehen. Doch daran, dass es schon jetzt ganz ruhig werden würde, dachte das Paar aus Nenterode nicht. Die zwölf Esel treiben sich allein im Garten und auf der Reitbahn herum, die 30 Betten stehen leer.

Abstände und Hygieneregeln ließen sich mit den Kindern nicht einhalten, glaubt Elke Pöschko. Das sei anders als im Hotel. „Der Aufenthalt hier lebt von Nähe.“ Das sei Teil des pädagogischen Konzeptes. Die Kinder schlafen in Kojen in Mehrbettzimmern und Etagenbetten und liebten das gemeinsame Toben. Tagsüber tollen sie auf dem Hof herum und genießen Abgeschiedenheit und ländliche Idylle in Nenterode – streicheln und pflegen der Esel gehört da ebenso dazu, wie eine tägliche Reitstunde. Pöschkos sind beide Erzieher und zogen in den 1980er-Jahren von Berlin nach Knüllwald.

Den Eselhof in Nenterode betreiben sie seit den 1990er-Jahren. Helmut Pöschko hat das Nebengebäude mit viel Liebe zu einem Freizeitheim mit 30 Betten ausgebaut, er hatte eine Schreinerei auf dem Hof betrieben.

Der Eselhof hat sich als beliebtes Ziel für Klassenfahrten etabliert. „Wir haben viele Stammkunden,“ sagt Elke Pöschko. Gerade für Grundschulkinder sei der Aufenthalt paradiesisch. Sie kämen aus dem Umkreis von Kassel bis Marburg. Der Hof steht auch für Familientreffen und Sommerfreizeiten zur Verfügung. Auch dieses Jahr sei alles ausgebucht gewesen. Doch jetzt herrscht statt wuseligem Kindergeplapper gähnende Leere. „So viel Ruhe wollten wir noch nicht.“ Zu Beginn des Jahres hatte das Paar die kleine Eselei, so nannten sie das Restaurant, geschlossen. Beide sind 66 Jahre alt, der zusätzliche Betrieb der Pizzeria an den Wochenenden wurde zu viel. Dennoch haben sie in einen größeren Pizzaofen investiert und die Küche umgebaut, um die Kinder schneller versorgen zu können. Sie hatten alles genau ausgerechnet, wollten nur noch drei Jahre arbeiten und das Geld für ihren Ruhestand sparen. „Das fehlt uns jetzt“, sagt Elke Pöschko. So müssten sie wohl noch ein paar Jahre dran hängen.

Die Corona-Soforthilfe erhielten sie, denn die zwölf Esel brauchen Futter. Etwa 350 Euro pro Monat kostet sie das. „Anfangs hatten wir an Eselpatenschaften gedacht, doch das haben wir verworfen.“ Trotz der Spenden, die es gab, müssen Pöschkos an das Ersparte. Trotzdem versuchen sie, das Positive zu sehen: Sie haben Hochbeete im Garten angelegt und versorgen sich mit frischem Salat und Gemüse und werkeln herum. „Jetzt leben wir schon wie die Rentner“, sagen sie und lachen.

Das eigene Wohnmobil nutzen sie für Ausflüge in der Nähe, die große Ostseereise mit Russlandbesuch in diesem Jahr haben sie abgesagt. Nun überlegen sie, ob sie das Restaurant vorübergehend wieder öffnen, damit etwas Leben auf den Hof und ein paar Einnahmen zurückkommen.

Es gibt zudem Überlegungen das Wohnheim zu Ferienwohnungen oder Wohnungen umzubauen. Denn man wisse nicht einmal, ob es im kommenden Jahr wieder Freizeiten geben werde. „Aber wir warten nun erst einmal ab und treffen dann die größeren Entscheidungen“, sagt Elke Pöschko.

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