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Mini-Hotelcontainer an der A7: Lkw-Fahrer sind noch skeptisch - Doch andere Zielgruppe entwickelt sich

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Von: Lea Beckmann

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Maximilian Hoppe (von links), Christian Theisen, Daniel Ruscheinsky, und Ralf-Peter Kals stehen vor dem Roatel.
Maximilian Hoppe (von links), Pächter des Autohofs, Christian Theisen, Gründer und Geschäftsführer von Roatel, Daniel Ruscheinsky, Geschäftsführer der 24-Autobahnraststätten sowie Vorstand der Vereinigung deutscher Autohöfe und Ralf-Peter Kals, Gründer und Geschäftsführer von Roatel, freuen sich über den neuen Standort in Knüllwald. © Roatel GmbH

Das Start-up Unternehmen Roatel ermöglicht Fernfahrern eine Übernachtungsmöglichkeit an Autobahn-Raststätten.

Homberg/Remsfeld – „Ausgeschlafen an der Autobahn“ – so lautet das Motto des Start-up-Unternehmens Roatel aus Düsseldorf. Sie wollen mit ihren Roatels Fernfahrern eine Übernachtungsmöglichkeit an Autobahn-Raststätten ermöglichen. Und genau so eine Mini-Herberge steht jetzt an der A7 am 24-Agip Autohof Homberg bei Remsfeld.

Roatel setzt sich aus den Wörtern „Road“ (Straße) und „Hotel“ zusammen. Die Schlafkabinen befinden sich in alten Schiffscontainern, erklärt Christian Theisen, Mitgründer von Roatel. Die Idee kam den Gründern, da Lkw-Fahrer nach EU-Recht ihre wöchentliche Ruhe nicht mehr im Lkw verbringen dürfen. Sie müssen ab dem fünften Arbeitstag, den sie unterwegs sind, außerhalb ihres Fahrzeugs übernachten. „Zudem ist die Problematik, dass an den Orten, wo die Fahrer ihre Lkws abstellen können, meist keine Übernachtungsmöglichkeit vorhanden ist – wir bringen jetzt beides zusammen“, sagt Theisen.

An der A 7 bei Homberg steht das erste Roatel in Hessen. Vier Einzelzimmer stehen zur Verfügung.
An der A7 bei Homberg steht das erste Roatel in Hessen. Vier Einzelzimmer stehen zur Verfügung. © Lea Beckmann

In einen Container passen vier Einzelzimmer. Drinnen befindet sich ein Bett mit einem kleinen Beistelltisch und an der Wand hängt ein Fernseher. Das Bad – mit Dusche, Toilette, Waschbecken und einem Föhn – ist mit im Zimmer und nicht durch eine Wand getrennt. „Der Container ist wärme- und schallisoliert sowie videoüberwacht“, sagt Theisen. Die Zimmer verfügen über ein Fenster und der Container ist 2,50 Meter hoch. So fühle man sich auch nicht beengt.

A7 bei Homberg: Container-Hotel aus Schiffscontainern - Aufbau an nur einem Tag

„Wir kaufen die Schiffscontainer und bringen sie dann nach Niedersachsen in eine Schreinerei“, erklärt er. Dort werden sie komplett ausgebaut. Zwei bis drei Container werden pro Monat fertiggestellt. „Dann werden sie auf einen Lkw geladen und zum Standort gebracht – innerhalb von einem Tag sind die Roatels aufgebaut“, so Theisen. Es müssten nur Strom und Abwasser angeschlossen werden. Das sei ein Vorteil: „Die Autohöfe wollen keine monatelangen Baustellen für solche Übernachtungsmöglichkeiten und wir können zudem in kürzester Zeit auch immer noch Container dazu stellen oder abbauen“, sagt Theisen.

In jedem Zimmer gibt es ein eigenes Bad.
In jedem Zimmer gibt es ein eigenes Bad. © Roatel GmbH

Und nicht nur der Bau dieser Container höre sich einfach an, auch die Buchung sei unkompliziert. „Auf unserer Internetseite roatel.com kann man unter dem Reiter „Buchen“ den Standort und den Anreisetag auswählen“, erklärt Theisen. Nach dem Buchungsvorgang müsse nur noch online bezahlt werden. Am Anreisetag erhält man eine Check-in Bestätigung. „Den Schlüssel für das Zimmer bekommt man ebenfalls auf das Handy und um die Tür zu öffnen, muss man nur auf den Button „Zimmer öffnen“ drücken – das ist die smarteste Lösung“, so Theisen. Eine Nacht unter der Woche kostet 53 Euro, sonntags 49 Euro. „Sind die Fahrer fünf Tage oder länger unterwegs, muss der Arbeitgeber die Kosten tragen“, sagt der Gründer.

Container-Hotels an der A7: Bei Homberg geht‘s los - Lkw-Fahrer finden Preis zu hoch

Das Roatel bei Homberg werde in den nächsten Tagen für Buchungen freigeschaltet. Die Lkw-Fahrer auf dem Autohof sind allerdings noch nicht ganz von den Containern überzeugt. „Das würde keiner finanzieren – es rechnet sich nicht für uns“, sagt Fred Schröder, Lkw-Fahrer. Auch Fernfahrer Rolando Bicek findet es zu teuer. „Ich schlafe gut in meinem Lkw, da brauche ich eine solche Übernachtungsmöglichkeit nicht.“ Er halte das Roatel dennoch für eine gute Sache, aber man müsse den Preis pro Nacht senken. Auch die Mitarbeiter vom Autohof halten die Container für eine gute Idee. „Ich bin mir dennoch unsicher, ob das Angebot in Anspruch genommen wird“, sagt Anastasia Kreps.

In jedem Zimmer gibt es ein Bett mit Fernseher.
In jedem Zimmer gibt es ein Bett mit Fernseher. © Roatel GmbH

Theisen macht deutlich, dass die Idee zwar wegen der Lkw-Fahrer entwickelt wurde, aber „50 Prozent unserer Gäste sind Geschäftsleute und keine Lkw-Fahrer.“ 30 Prozent seien Privatpersonen und die restlichen 20 Prozent Lkw-Fahrer. „Das Roatel ist aber eine super Lösung für Frauen, da sie nicht in eine Gemeinschaftsdusche gehen müssten“, sagt Theisen. Er hofft, dass sich dadurch wieder mehr Frauen für den Beruf Lkw-Fahrerin interessieren. (Lea Beckmann)

Start-up Roatel

An dem Standort an der A 7 bei Homberg steht hessenweit das erste Roatel. Deutschlandweit war es das Achte. Bis Ende des Jahres soll es insgesamt 14 Roatels in Deutschland geben. Das große Ziel für das Unternehmen: 700 Roatels in Deutschland und 2000 europaweit. Das Unternehmen wurde 2019 in Düsseldorf gegründet. Das erste Roatel wurde im November 2020 in Niedersachsen in Betrieb genommen.

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