Arbeitstag beginnt erst um 23.30 Uhr

Rebekka Kienzler ist Bäcker-Gesellin in der Schneidemühle in Rengshausen

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Abwiegen, kneten und rollen: Rebekka Kienzler ist Gesellin in der Schneidemühle in Knüllwald-Rengshausen. Die Bäckerin kann sich keinen anderen Beruf vorstellen. 

Rengshausen. Sie arbeitet in der Nacht, der Verdienst ist nicht hoch, die Arbeit körperlich anstrengend. Dennoch liebt Rebekka Kienzler, die Bäcker-Gesellin in der Schneidemühle in Rengshausen ist, ihren Job. 

Auf dem Arbeitstisch vor ihr liegen Mehl, Schaber und jede Menge Teig. Auf einer kleinen Waage wiegt sie grammgenau kleine Teigbällchen ab, knetet und formt sie zu kleinen Strängen. Rebekka Kienzler hat vor einigen Wochen ihre Ausbildung zur Bäckerin beendet und ist nun Gesellin bei der Schneidemühle in Rengshausen – und kann sich nicht vorstellen, etwas anderes zu tun.

Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen beginnt für die 21-Jährige der Arbeitstag erst um 23.30 Uhr. Bis 8 Uhr morgens wiegt sie Zutaten ab, knetet Teig, presst Brötchen, ummantelt diese mit Saaten und Körnern und hilft auch mal in der Konditorei aus.

Was sie an ihrem Job besonders liebt? „Zu wissen, wie etwas hergestellt wird und etwas mit den Händen zu bearbeiten“, erzählt sie. Da schreckt Rebekka Kienzler auch vor anstrengender Arbeit nicht zurück. „Es ist körperlich sehr anstrengend. Aber ich habe mein Fitnessstudio eben an der Arbeit.“

Etwa 300 Brötchen formt die junge Frau täglich mit der Presse, füllt Gebäck mit Pudding oder fertigt Käsebrötchen. Noch viel mehr als das Teig bearbeiten mag sie aber das Tourieren. Dabei wird Fett in mehrere Schichten Teig eingearbeitet. „So entstehen knusprige Schichten bei Crossaints oder bei Gebäck“, erklärt sie. Diese Abwechslung ist es, die sie an ihrem Beruf so sehr liebt.

Die Bäckerin hat ihre Ausbildung innerhalb von zwei Jahren beenden können – vorgeschrieben sind normalerweise drei Jahre. Doch Rebekka hatte Glück: Sie bewarb sich nach ihrem Fachabitur mit Schwerpunkt Ernährung bei der Schneidemühle, konnte so ein Jahr verkürzen. Beim Landesentscheid der Bäckerjugend belegte sie sogar den 3. Platz. Sie war froh, in einem Kleinbetrieb zu lernen, in dem noch viel selbst hergestellt wird.

Etwas anderes, als ein Handwerk, kam für die 21-Jährige – fast – nicht in Frage. „Früher wollte ich Berufsschullehrerin werden“, erzählt sie. All ihre Praktika seien aber im handwerklichen Bereich gewesen, das Backen sei zudem ihre Leidenschaft. Deshalb stand für Rebekka fest: „Ich möchte körperlich arbeiten und anpacken.“

Der Verdienst war für sie kein Grund, auf den Job zu verzichten. „Man muss sich eben überlegen, ob man das wegen des Geldes macht oder weil es einem Spaß macht“, sagt Rebekka Kienzler. Einzig an die Arbeitszeiten hätte sie sich erst nach und nach gewöhnen müssen.

Die sind inzwischen aber kein Problem mehr. Nach der Arbeit lege sie sich schlafen, dann sei sie fit für den Tag. Ihre Hobbys habe sie wegen ihres Berufs nämlich nicht aufgeben müssen. „Ich bin im Karneval aktiv. Zu den Treffen abends kann ich auf jeden Fall gehen.“ Und noch einen Vorteil hat das Arbeiten in der Nacht für sie: Es bleibt tagsüber mehr Zeit für Freunde und Familie.

Rebekka Kienzlers nächstes Ziel ist die Meisterprüfung. Bis es aber soweit ist, genießt sie weiter die familiäre Atmosphäre in der Schneidemühle. „Es macht einfach Spaß, mit den Kollegen zu arbeiten.“

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