Unternehmen drohen mit Gerichtsvollzieher

Scheinfirmen setzen Empfänger unter Druck: Niederbeisheimerin warnt

Marlie Spoelstra wirft einen Brief in einen Briefkasten.
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Die Drohbriefe kommen mit der Post: Marlie Spoelstra aus Niederbeisheim warnt vor einer betrügerischen Masche.

Marlie Spoelstra warnt vor Drohbriefen mit dem Briefkopf eines Inkassounternehmens aus Düsseldorf. In denen werden die Empfänger aufgefordert, unbezahlte Rechnungen zu begleichen.

Niederbeisheim - Die Unterzeichner drohen sogar mit Pfändungen und dem Gerichtsvollzieher. Dahinter versteckten sich betrügerische Absichten, wie die Niederbeisheimerin selbst erfahren hat.

„Die Schreiben setzen Menschen bewusst unter Druck“, sagte die 62-Jährige. Sie hat vor kurzem bereits zum zweiten Mal eine Zahlungsaufforderung inklusive eines Überweisungsbeleges erhalten. Im Schreiben gibt das Inkassounternehmen an, für Glücksspiel wie die Norddeutsche Klassenlotterie oder Lotto 49 sowie Zeitschriftenverlage zu arbeiten und in deren Auftrage offen stehende Forderungen in Sammelklagen einzutreiben.

Marlie Spoelstra wurde vorgeworfen, sie habe eine Rechnung in Höhe von 780 Euro inklusive Mahnkosten offen stehen. Um das gerichtliche Mahnverfahren einzustellen, wird der Knüllwälderin in dem Brief ein Vergleich angeboten – wenn sie 290 Euro innerhalb von drei Tagen überweist.

Halte sie diese Frist nicht ein, so werde die Gesamtforderung fällig und man droht mit dem Gerichtsvollzieher und Pfändung sowie Schufa-Meldung und weiteren hohe Kosten.

Sie habe sich davon nicht beeindrucken lassen, weil sie nicht auf die Masche hereinfalle und hat Nachforschungen angestellt. Denn ein ähnliches Schreiben habe sie vor zwei Jahren erhalten. Damals hatte sie sich sehr aufgeregt. „Da werden Menschen so unter Druck gesetzt, dass manche sogar zahlen: Doch das Geld sehen sie dann nie wieder.“

Bereits beim ersten Brief habe sie sich an die Polizei gewendet. Diese habe ihr geraten, die Rechnung keinesfalls zu zahlen. Dieses Mal hat sie sich ebenfalls informiert. „Das Geld soll auf ein bulgarisches Konto gehen.“ Die Firma aber gebe es überhaupt nicht.

Die Verbraucherzentrale warnt: Nur nicht zahlen

Die Verbraucherzentrale Hessen warnt ausdrücklich vor diesem und ähnlichen Schreiben. Verbraucher sollten sich nicht durch die Drohkulisse mit Gerichtsvollzieher, Zwangsvollstreckung oder Pfändung unter Druck setzen lassen. Es kann auch Strafanzeige gestellt werden. Wer sich dennoch einschüchtern lasse und zahle, sollte wissen, dass eine Überweisung in der Regel nicht rückgängig gemacht werden könne. Das Geld sei endgültig weg. Für die Annahme des vermeintlich milderen „Vergleichsangebots“ gebe es keinerlei Rechtsgrund. Es lasse sich nicht nachvollziehen, wer hinter dieser Inkasso-Firma stecke, teilte Peter Lassek von der Verbraucherberatung Hessen mit.

Die angegebenen Handelsregisternummern (HRB) seien nicht vergeben. Bei den Geschäftsadressen handelt es sich um falsche Adressen oder Anschriften in irgendwelchen Wohngebieten. Die Verbraucherzentrale erhalte oft ähnliche Beschwerden. Die Aufmachung sei immer ähnlich. Absender sei neben der „ECE Solution Group Ltd.“ auch eine Firma namens „Mainkas Solution Group“. Gezahlt werden soll die Summe auf ein bulgarisches Konto beziehungsweise rumänisches Konto. (Christine Thiery)

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