Ferienaktion im Wildpark Knüll: So wird Wolle zum Garn

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Sponnen Wolle zu Fäden: von links Marie Hellmann, Emma Fröhlich, Polly Niedzielski und Vincent Weisheit (hinten).

Knüllwald. Drehen, zwirnen, spinnen: Wolle zu einem Faden verarbeiten und daraus auch noch eine Mütze häkeln. Wie das geht, haben Kinder im Wildpark Knüll gelernt.

Um aus einem Wollknäuel einen fertigen Faden zu spinnen, mussten die Kinder ihre Wolle zunächst einmal auseinanderziehen. Ist das geschafft, wird die Wolle auf eine Handspindel gelegt - die besteht aus einem Stab und einem Gewicht am unteren Ende. Dann heißt es drehen, drehen, drehen, damit der Faden besonders lang und reißfest wird. „Wenn der Faden lang genug ist, muss er nur noch aufgewickelt und von der Spindel abgenommen werden“, sagt Kirsten Mitlacher, Leiterin des Projekts.

Hat man dann die Wolle zu mehreren Fäden versponnen, kann man die noch miteinander verzwirnen. „Die Fäden werden einfach zu einem Faden verdreht. Dann erhält man ein Wollknäuel und kann anfangen zu Häkeln.“

Viel Zeit nötig

Diese jahrhundertealte Arbeit braucht viel Zeit - im Mittelalter habe man 400 Stunden gesponnen, um die nötigen Fäden für ein Herrenhemd zu erhalten. Es ist also viel Geduld für das Spinnen nötig. Das bestätigt Anna Hutter, Mitarbeiterin bei dem Projekt. Ist man geübt, könne man schon in einer Stunde eine komplette Spindel voll spinnen, sagt Mitlacher.

Mit einem Spinnrad gehe die Arbeit jedoch wesentlich leichter, sagt Hutter. Dabei müsse man nicht gleichzeitig ziehen, drehen und die Spindel halten. „Beim Spinnrad nutzt man die Füße und das Rad dreht sich.“ So hat man die Hände frei, um die Wolle zu einem Faden zu ziehen.

Obwohl es einige Übung erfordert, gleichzeitig Faden und Spindel zu halten und diese noch zu drehen, fanden die Kinder Gefallen am Spinnen mit der Handspindel. Konzentriert halfen sie sich gegenseitig beim Herstellen ihres selbstgesponnenen Fadens.

Geriet das Handwerk des Spinnens vor einigen Jahren in Vergessenheit, interessieren sich nun wieder mehr Menschen dafür. Dass das Spinnen wieder zum Trend wird, erklärt sich Anna Hutter so: „Man hat einen Kontrast zur Arbeit am Computer und kann etwas mit seinen Händen machen.“ Besondere Fähigkeiten seien nicht nötig, um Wolle zu einem Faden zu spinnen. Jeder der Geduld habe, könne das Spinnen lernen. Mit den Fäden kann dann gehäkelt oder gestrickt werden. „Manche verkaufen auch einfach ihre gesponnene Wolle“, sagt Hutter.

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