Feierlichkeiten verschoben

Konfirmation in Zeiten von Corona: Termine oft erst im Sommer oder Herbst

Konfirmandenunterricht in Coronazeiten: Jolina Böttcher bereitet sich mit Pfarrerin Heike Schneider (links) auf die Konfirmation vor.
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Konfirmandenunterricht in Coronazeiten: Jolina Böttcher bereitet sich mit Pfarrerin Heike Schneider (links) auf die Konfirmation vor.

Aufgrund der Corona-Pandemie können die Konfirmationen vielerorts nicht wie sonst üblich in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten stattfinden. Viele in Sommer oder Herbst geplant.

Die Situation unterscheidet sich kaum von der vor einem Jahr: Aufgrund der Corona-Pandemie können die Konfirmationen vielerorts nicht wie sonst üblich in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten stattfinden. Viele Kirchengemeinden haben die Feierlichkeiten in den Sommer oder gar in den September verschoben.

Pfarrer, Kirchenvorstand, Eltern und Konfirmanden im Evangelischen Dekanat Fritzlar-Homberg versuchten, trotz der unsicheren Pandemie-Lage die jeweils beste Lösung für alle Beteiligten zu finden, sagt Dekanin Sabine Tümmler. Auch, um für Planungssicherheit zu sorgen.

„Es muss entschieden werden, ob man drinnen oder draußen feiert, ob man in eine Gaststätte geht oder sich Essen liefern lässt. Die Sommertermine des vorigen Jahres hätten sich bewährt, sagt die Dekanin. Auf diese Erfahrung könnten die Kirchengemeinden nun zurückgreifen.

Konfirmationen: Inzidenzzahlen waren lange zu hoch

Die Konfirmation, die „Bestätigung“ bedeutet, stelle die Jugendlichen in der Übergangsphase zum Erwachsensein in den Mittelpunkt. Daher ist es laut Tümmler wichtig, dass sie auch unter Corona-Bedingungen möglich ist.

Auch Dekan Christian Wachter befürwortet, die Konfirmationen auch in der Pandemie-Zeit stattfinden zu lassen. Daher mussten die Kirchengemeinden im Altkreis Ziegenhain zum größten Teil auch ihre Konfirmationen in den Sommer verschieben.

„Direkt nach Ostern waren die Inzidenzzahlen so hoch, dass keine Konfirmationen stattfinden konnten“, sagt Wachter. Zudem wollten Familien auch unter diesen Umständen keine Konfirmationen feiern.

Einige Konfirmationen im Dekanat Melsungen noch vor den Sommerferien

Im Dekanat Melsungen gehen einige Gemeinden noch weiter und haben sich entschieden, die Konfirmationen ins kommende Jahr zu verlegen. Ganz gemäß der Devise „je später, je sicherer“, so Dekan Norbert Mecke. Das Gute sei: „Das Ja Gottes steht – sowohl früher, als auch später“, sagt Mecke.

Wieder andere Gemeinden im Melsunger Dekanat seien optimistischer gewesen. Sie haben geplant, die Konfirmationen noch vor den Sommerferien stattfinden zu lassen. „Dann meist im Freien“, sagt Mecke.

Konfirmandin aus Caßdorf berichtet, wie sie die Vorbereitungen auf das große Ereignis erlebt

Jolina Böttcher wird in diesem Jahr konfirmiert. Inzwischen steht fest, dass die 14-Jährige nicht wie geplant Ende Juni mit ihrer Familie im Garten feiern kann, sondern erst im September. Die eineinhalb Jahre der Konfirmandenzeit standen für die Schülerin, die dem Kirchspiel Caßdorf angehört, wie so vieles unter dem Einfluss der Pandemie.

In dieser Zeit habe der Unterricht noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen, als dies sonst der Fall gewesen wäre. Sich sehen, sich begegnen: Das sei derzeit besonders wichtig, sagt Pfarrerin Heike Schneider. Damit genau das mit den Konfirmanden möglich wird, hat sie sich besonders viel Mühe gemacht und unterrichtet die Jugendlichen zeitversetzt in Kleingruppen.

Zuletzt zum Schutze aller nach Möglichkeit sogar im Freien. Sie spüre, dass die jungen Menschen gerade in diesen Zeiten Gespräche benötigten, um mit der Situation Zuhause oder in der Schule umgehen zu können.

Konfirmanden freuen sich auf Unterricht

Diese Treffen sind auch für Jolina Böttcher wichtig: „Das ist das Einzige, was wir im Moment haben“, sagt sie. Alle freuten sich auf den Unterricht. Sie schätzt diese Abwechslung. „Ich finde es gut, wenn man mal darüber sprechen kann, wie es einem geht.“ Und Gesprächsbedarf habe es viel gegeben. Nicht nur die Diskussionen rund um die Zeit des Erwachsenwerdens waren Thema. Der Umgang mit Corona, Isolation und Quarantäne beschäftigten die Jugendlichen ebenso wie die Tatsache, dass Menschen im Umfeld an dem Virus erkrankt waren.

Erwachsenwerden erhalte noch einmal eine ganz andere Bedeutung unter diesen Vorzeichen, Geduld sei gefragt. Daher sagt die Schülerin ganz sachlich: „Schade, aber man kann es nicht ändern“. Auch auf den geplanten Syltaufenthalt musste die Gruppe verzichten.

Konfirmanden stellen sich in Video vor

In Zweier-, Dreier- und Vierergruppen bereiten sie sich nun also auf das christliche Fest vor. In Caßdorf werden auch Jugendliche aus Roppershain und Holzhausen unterrichtet. Diese Gruppen feiern zeitversetzt die Konfirmation, um die Hygiene- und Abstandsregeln in den Kirchen einhalten zu können.

Da der Vorstellungsgottesdienst wegen der Hygieneregeln ausfallen musste – in Zeiten von Corona sei nicht genug Platz in der Kirche gewesen, um einen gemeinsamen Gottesdienst zu feiern – drehten die Konfirmanden ein Video. Unterstützt wurden sie dabei von Jugendarbeiterin Kirsten Schopf. Der Titel des Projektes lautet: Wann reißt der Himmel auf. „Es soll ein Hoffnungsschimmer werden und zusammenfassen, was uns Kraft gibt in dieser Zeit“, sagt Schneider.

Bei den Treffen mit den Jugendlichen gehe es ihr vor allem um den seelsorgerischen Aspekt. „Wir begleiten in dieser Zeit eine Entwicklung.“ Die Menge des gelernten Stoffes sei nicht so wichtig gewesen. Es habe anfangs Monate ganz ohne Unterricht gegeben. Die Konfirmandenzeit begann im September 2019, im ersten Lockdown hatte die Gruppe nur über WhatsApp Kontakt.

Fest der Konfirmation ist Lichtblick

Jolina sagt, sie habe gelernt nicht aufzugeben, kleine Schritte zu gehen und wisse nun, was wichtig sei: mit Freunden und Familie reden, Musik und Tanzen, Erinnerungen an schöne Zeiten. All das seien Lichtblicke. Und so sieht sie auch dem Fest der Konfirmation entgegen.

Das Video der Konfirmanden ist auf YouTube zu sehen unter: ev. Jugend Homberg Land/Himmelfahrtsgottesdienst. Es soll auch nach den Pfingstgottesdiensten in Holzhausen, Caßdorf und Roppershain auf der Leinwand gezeigt werden. (Christine Thiery, Christina Zapf, Barbara Kamisli, Lea Beckmann)

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