Kritik der Gegner von Stromtrasse: Tennet sorgt für Zeitdruck

Fritzlar-Homberg. Die Firma Tennet hat am Freitag den Beginn des Planungsverfahrens für die Gleichstromtrasse Südlink eingeläutet und ihren Antrag zur Bundesfachplanung bei der Bundesnetza-gentur eingereicht.

Der Landesverband der Bürgerinitiativen gegen Südlink kritisiert den Zeitpunkt der Antragseinreichung in der Vorweihnachtszeit. Mit dem Einreichen des Antrags werde das förmliche Planungsverfahren mit seinen gesetzlichen Fristen in Gang gesetzt, erklärte der Fritzlarer Ingmar Theiß. Er ist Sprecher des Landesverbandes. Nach den gesetzlichen Regelungen habe die Bundesnetzagentur nun „unverzüglich“ Antragskonferenzen vorzubereiten.

Auch wenn die Bundesnetzagentur bereits im Vorfeld der Antragsstellung angekündigt habe, sich durch die gesetzlichen Vorgaben zeitlich nicht unter Druck setzen zu lassen, stelle die Antragsstellung durch Tennet in der Vorweihnachtszeit für die Betroffenen ein weiteres Kapitel der Verunsicherung dar.

Insbesondere für die betroffenen Kommunen, die als Träger öffentlicher Belange in den Antragskonferenzen für ihre Bürger anzuhören und zu beteiligen sind, stelle die Einreichung und Veröffentlichung des Antrags kurz vor Weihnachten eine organisatorische Zumutung dar, erklärte Theiß. Viele Mitarbeiter in den Rathäusern und Behörden befänden sich bereits in den Weihnachtsferien. Den Trägern öffentlicher Belange bleibe damit kaum Zeit, sich in angemessener Weise mit den insgesamt fast 3000 Seiten starken Antragsunterlagen bis zu den Antragskonferenzen auseinanderzusetzen.

Unterdessen stelle die Antragseinreichung auch einen offenen Affront gegen die Bayerische Landesregierung dar, die sich bis zum Frühjahr 2015 einen Bürgerdialog zur Energiewende mit ihren Bürgern ausbedungen hatte. Nun müssten sich die Menschen in Bayern fragen, welchen Wert eigentlich das Veto ihrer Landesregierung habe, wenn Tennet sich darüber einfach hinwegsetzen könne.

Unterdessen übten sich die übrigen Landesregierungen in Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein weiter in Schweigen und hofften offenbar, dass der Kelch der protestierenden Bevölkerung möglichst schnell mit der Umsetzung der Baupläne an ihnen vorüber gehe, meinte Theiß.

Die Sorgen in der Bevölkerung seien jedoch groß, und es zeichne sich ein stetig wachsenden Widerstand gegen Südlink ab. (hro)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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