Hans-Joachim Bauers "Klimakonferenz" macht auf Wandel in der Natur aufmerksam

Don Quichotte und das Eis

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Das war der Plan: Dr. Hans-Joachim Bauer mit der Skizze von Werner Krauss, die der Aktion zugrunde lag.

Homberg. Hans-Joachim Bauer ist bekannt für ausgefallene Projekte. Das gab ihm in Argentinien eine Zeitung schriftlich: Der Künstler kämpfe mit seinen "verrückten Ideen" einen Kampf gegen Windmühlen und sei ein "Don Quichotte des Eises".

Tatsächlich stellt der Homberger ungewöhnliche Dinge auf die Beine: So wie seine Kunstaktion "Klimakonferenz", mit der er in Argentinien auf den Wandel in der Natur aufmerksam machen wollte.

Hans-Joachim Bauer erschüttert der Vergleich mit Don Quichotte nicht. Im Gegenteil, er freut sich über die Öffentlichkeit, die seine Landart (Landkunst) in Südamerika erhielt. Zeitschriften und Fernsehsender berichteten über Bauers Aktion, bei der er einen abgebrochenen Eisberg von einem Boot zurück zum Gletscher ziehen ließ. Bauers Anspruch: Er wollte auf den Klimawandel aufmerksam machen, die Menschen zum Nachdenken und Innehalten anregen.

Es stört den 67-Jährigen nicht, dass seine Kunstwerke keinerlei Beständigkeit haben, sich binnen Tagen oder Stunden, oft gar Minuten verflüchtigen, zerfallen, schmelzen, vergehen. Wehmut habe keinen Platz in einer Kunst, die mit Materialien aus der Natur philosophische oder politische Ideen darstellen will: "Es ist nun einmal alles vergänglich."

Die Vergänglichkeit war auch das Thema der Aktion am Gletscher. Deren Vorbereitung hatte wochenlang gedauert und sich als echte Geduldsprobe erwiesen. Die Behörden brauchten lange, um die naturschutzrechtliche Erlaubnis zum Befahren des Gletschersees zu erteilen. Dann brauchte Bauer ebenfalls Wochen, um die richtigen Helfer und Bootsführer zu finden - und dann war binnen drei Stunden alles vorbei.

Der Eisblock war zum Gletscher gezogen, das Spektakel vorbei. Was davon bleibt, sind Fotos, Zeitungsartikel, Fernsehberichte. "Mein Lebenswerk wird nie im Museum, sondern nur im Internet zu sehen sein." Dort gilt Bauer als Experte für die Landkunst, die die Menschen zum Staunen bringt: so wie der Untergang der Titanic, die er zum Hessentag in ein Weizenfeld gesät hatte, oder der Hase, dessen Silhouette er auf einer Länge von 300 Metern an der A7 hatte wachsen lassen.

Das alles macht Bauer nicht zum Spaß, sondern weil es ihm ein Anliegen ist. Im Internet-Lexikon Wikipedia ist ein Artikel zu ihm zu finden. Dort heißt es: "Ein Schwerpunkt von Bauers Arbeit erwächst aus der gelebten Spannung zwischen Euphorie und Schuldbewusstsein in Bezug auf die Aneignung der Natur durch den Menschen."

Kunstwerke wie die argentinische "Klimakonferenz" machen auf das Schuldbewusstsein aufmerksam. Doch so vergänglich die Aktion war, sie scheint etwas in den Köpfen zu bewegen. Der Homberger Don Quichotte des Eises hat den Beweis: Eine Naturschutzbehörde aus Chile hat den Homberger eingeladen, sie will ihn in die Antarktis begleiten. Jüngster Gast der Behörde war der amerikanische PC-Pionier Bill Gates. Der wurde, als er noch in kalten dunklen Garagen Computerteile zusammenschraubte, bestimmt als Don Quichotte bezeichnet. Was dabei herauskam, ist bekannt.

www.bauer-landart.de

Von Claudia Brandau

Zur Person

Dr. Hans-Joachim Bauer, geboren 1942 in Fritzlar. Nach kaufmännischer Lehre studierte er Volks- und Betriebswirschaft. Es folgten Aufenthalte in Indien und Spanien. Danach war Bauer als Lehrer an einer beruflichen Schule tätig. Es folgte ein zweites Studium der Philosophie, Geschichte und Politik. In seiner Promotion befasste er sich mit dem Thema " Der Einfluss nationaler Geschichtsbilder auf die lokale Geschichtsschreibung." Es folgten diverse Publikationen und Erzählungen. Einzelausstellung 1992 in der Ev. Akademie Hofgeismar, Landart ab 1994. Zu den bekanntesten Werken zählen unter anderem Hasenjagd (April 1998), Wasser (Oktober 2002 in der libyschen Wüste), Pseudomonas (November 2007 in Chile), Titanic (Juni 2008 in Homberg). (ras)

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