Kreistag billigt Pläne für Aufbau von Vertrieb sowie eine Beteiligung der Städte und Gemeinden

Lob für den Kurs der neuen EAM

Bald ganz kommunal: Neben den Landkreisen sollen sich künftig auch Städte und Gemeinden am Geschäft des Stromversorgers beteiligen. Archiv-Foto: Heiko Meyer

Schwalm-Eder. Die kommunale Ausrichtung des Energieversorgers EAM soll deutlich gestärkt und gemeinsam mit den Städtischen Werken Kassel ein Vertrieb aufgebaut werden. Bis zu 130 Städte und Gemeinden aus dem Geschäftsgebiet der EAM wollen Anteile an dem Unternehmen erwerben (wir berichteten).

Aus dem Schwalm-Eder-Kreis haben 15 Kommunen die grundsätzliche Bereitschaft erklärt, sich an dem Geschäft zu beteiligen. Die Entscheidungen in den Parlamenten stehen in den nächsten Wochen an.

Im Schwalm-Eder-Kreis, der sich bereits am Rückkauf der Eon-Geschäftsanteile beteiligt hatte, gibt es für die Pläne viel Rückenwind. Im Kreistag sprach sich am Montag allein die FDP dagegen aus. Die Liberalen sehen in der Rekommunalisierung ein zu großes Risiko. Im Stromvertrieb würden zwar nur etwa 20 Prozent der Erträge erwirtschaftet, diese Sparte sei aber wichtig, um eine eigene Identität aufzubauen, erklärten übereinstimmend Sprecher von SPD, CDU und FWG.

Etwa 20 Millionen Euro sollten in den kommenden zehn Jahren in den Aufbau des Vertriebs investiert werden. Ziel sei es, möglichst viele der derzeit noch etwa 700 000 Eon-Kunden zur EAM zu holen. Viele Menschen scheuten einen Anbieterwechsel wegen der formalen Hürden. Hier müsse der Vertrieb Hilfestellung leisten.

Einen ruinösen Wettbewerb mit etablierten Stadtwerken dürfe es nicht geben, forderten unter anderem die Grünen. Stattdessen sollte man dafür sorgen, dass das Unternehmen auf eine noch breitere kommunale Basis gestellt wird. Die EAM sollte sich auch an der Erzeugung erneuerbarer Energien beteiligen. Was die großen Energiekonzerne leisteten, sei nicht im Sinne der Bürger, erklärte die Linke.

Die Rekommunalisierung der Stromversorgung sei eine historische Chance. Die Erträge resultierten hauptsächlich aus den von der Bundesnetzagentur geregelten Netzentgelten (CDU). Ohne nennenswertes Eigenkapital könnten sich die Städte und Gemeinden erhebliche Werte schaffen (FWG). Die SPD erhofft sich mehr Einfluss auf die Unternehmenspolitik. Für das Gelingen der Energiewende sei die Windkraft auch in unserer Region unverzichtbar.

„Die kommunale Familie ist künftig in der Verantwortung für das Stromnetz. Die Wertschöpfung bleibt in der Region“, fasste Erster Kreisbeigeordneter Winfried Becker zusammen.

Die Menschen würden ihren Stromanbieter nur wechseln, wenn der Preis stimme, nicht, weil der Versorger wieder den von früherer bekannten Namen trage, argumentierte die FDP. Die Modalitäten für den Beitritt der Kommunen seien sehr kompliziert.

Von Heinz Rohde

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