Landratskandidat über seine politischen Ziele

Winfried Becker im HNA-Interview: „Land lässt Kommunen hängen“

Möchte Landrat werden: Winfried Becker, derzeit stellvertretender Landrat des Schwalm-Eder-Kreises, tritt bei der Direktwahl am 29. März an. Foto: Rohde

Schwalm-Eder. Zwei Guxhagener werden die Landratswahl unter sich ausmachen: Mark Weinmeister (CDU) und Winfried Becker (SPD).

Wir sprachen mit dem stellvertretenden Landrat über diese Ausgangssituation und seine politischen Ziele.

Herr Becker, Sie haben mit Mark Weinmeister ja einen starken Konkurrenten um das Amt des Landrats erhalten. Welche Chancen rechnen Sie sich aus? 

Becker: Das ist richtig. Mark Weinmeister ist ein angesehener Politiker. Ich möchte natürlich gerne die Wahl für mich entscheiden und bin auch zuversichtlich. Bei Direktwahlen kann es immer Überraschungen geben. Ich glaube, dass die Chancen fifty-fifty sind.

Sie sind in letzter Zeit häufig zusammen zu sehen. Sie wären als Landrat und Erster Kreisbeigeordneter ein schlagkräftiges Gespann - oder? 

Becker: (lacht) Ach nein! Wir haben zwar ein freundschaftliches Verhältnis, aber Mark Weinmeister sollte seine Arbeit als Staatssekretär fortsetzen.

Inhaltlich scheinen Sie ja sehr ähnlich Positionen zu haben. Wo gibt es Unterschiede? 

Becker: Es gibt in der Tat Schnittmengen, aber auch sehr unterschiedliche Ansätze, vor allem, wenn es um die finanzielle Ausstattung der Kommunen geht. Die Städte und Gemeinden erhalten immer mehr Aufgaben aufgebürdet, aber keinen finanziellen Ausgleich. Unsere Bürger werden immer mehr belastet.

Das ist Landespolitik. Was kann der Landkreis tun, um die ländliche Region attraktiv zu halten?

Becker: Um den Spielraum der Kommunen nicht noch mehr einzuengen, haben wir die Kreisumlage gesenkt. Wir haben den zweitniedrigsten Wert in Hessen. Das spart unseren Städten und Gemeinden jährlich 7,2 Millionen Euro.

Wird es dabei bleiben?

Becker: Ja. Vielleicht kann die Umlage sogar in den nächsten Jahren noch gesenkt werden.

Aber Geld ist auch nicht alles. Wo kann der Landkreis sonst noch steuern, um den ländlichen Raum zu fördern? 

Becker: Wir müssen die Fördermöglichkeiten ausschöpfen, die etwa die EU bietet. Der Landkreis hilft dabei. Bei der Krippenversorgung haben wir beispielsweise überproportional viel Geld in den Landkreis geholt, insgesamt neun Millionen Euro, und auch bei Leader-Förderung sind wieder alle fünf Regionen berücksichtigt worden. Die Förderung der Interkommunalen Zusammenarbeit, beispielsweise bei Gewerbegebieten, schafft und sichert Arbeitsplätze im Landkreis.

Das wird sich mit den Zielen decken, die Mark Weinmeister verfolgt. Wo unterscheiden sich ihre Positionen? 

Becker: Was der Landesregierung vorzuwerfen ist, der ja auch Mark Weinmeister angehört, ist, dass man die Kommunen hängen lässt.

Das klingt bekannt. Wo wollen Sie eigene Schwerpunkte setzen? 

Becker: Ich möchte das vorhandene Beratungsangebot im Bereich der Pflege ausbauen und die Mobilität für die Menschen verbessern. Das ist vor allem für ältere Leute wichtig. Die Angebote an Bürgerbussen sollten ausgebaut werden, auch mit finanzieller Unterstützung durch den Landkreis. Schnelles Internet ist für den ländlichen Raum ebenfalls sehr wichtig. Gemeinsam mit anderen nordhessischen Landkreisen sind wir da schon aktiv geworden.

Wenn wir über Ausgaben reden, wie steht es denn um den Haushalt des Landkreises? 

Becker: Wir hatten schon in den vergangenen zwei Jahren ausgeglichene Haushalte, und das wird wohl auch in diesem und im nächsten Jahr so sein.

Wann wird es denn wieder die geforderten Altkennzeichen geben? 

Becker: (lacht) Schon bald. Ich habe bereits einen Antrag beim Verkehrsministerium gestellt.

Von Heinz Rohde

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