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Landwirt will mit Pflanzenkohle der Klimakrise entgegenwirken

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Von: Lea Beckmann

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Malte Groß vom Biohof Groß baut klimapositive Kartoffeln an: Dazu benötigt er die in dem Eimer vorliegende Pflanzenkohle.
Malte Groß vom Biohof Groß baut klimapositive Kartoffeln an: Dazu benötigt er die in dem Eimer vorliegende Pflanzenkohle. © Lea Beckmann

Malte Groß vom Biohof Groß in Mühlhausen baut klimapositives Gemüse an. Für sein Pilotprojekt mit klimapositiven Kartoffeln benötigt er Pflanzenkohle.

Mühlhausen – „Wir experimentieren immer mal bei unserem Anbau von Gemüse“, sagt Malte Groß vom Biohof Groß in Mühlhausen. Nun startet er ein Pilotprojekt, um einen Teil zur Lösung der Klimakrise beizutragen: Zum ersten Mal in dieser Saison werden auf dem Biohof Groß klimapositive Kartoffeln angebaut.

Groß setzt auf die Zusammenarbeit mit dem Allgäuer Start-up Kohlekumpels. Diese unterstützen den Landwirt beim Anbau. Doch wie genau? Der Anbau des klimapositiven Gemüses erfolgt mit Pflanzenkohle. Diese bekommt Groß von den Kohlekumpels. Pflanzen nehmen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre auf und verwenden den darin enthaltenen Kohlenstoff für ihr Wachstum. Fallen dann pflanzliche Reststoffe an, werden diese in einem Prozess zu Pflanzenkohle verarbeitet. Somit wird der Kohlenstoff in der Pflanzenkohle fixiert. Der Kohlenstoffanteil in Pflanzenkohle muss mindestens 90 Prozent betragen.

Klimapositive Kartoffeln: Pflanzenkohle bindet Kohlenstoffdioxid im Boden

Mit der Pflanzenkohle hat der Landwirt die Möglichkeit, Kohlenstoff in seine Ackerflächen zurückzuführen. Das bedeutet: Wenn diese besondere Kohle im Ackerboden ist, wird das vorher noch klimaschädliche Kohlenstoffdioxid in Form von stabilem Kohlenstoff dauerhaft gebunden und kann nicht mehr zurück in die Atmosphäre.

Klimapositiv garantiert, dass mindestens 20 Prozent mehr Kohlenstoffdioxid der Atmosphäre entzogen und dauerhaft im Boden gespeichert wird. „Wir bringen also mehr Kohlenstoffdioxid in den Boden, als dass was wir beim Anbau ausstoßen“, sagt Groß. Das sei aber nicht der einzige positive Effekt: Zum einen wird durch die Pflanzenkohle die Bodenqualität und die Nährstoffverfügbarkeit für Pflanzen gefördert. „Zum anderen wird durch den Kohleanteil Wasser im Boden besser und länger gespeichert – im Hinblick auf die häufigeren Dürrejahre ist so ein Aspekt wichtig“, erklärt der Landwirt. Der Kohlenstoff der Pflanzenkohle wird in den landwirtschaftlichen Böden mehrere Jahrhunderte vorhanden sein.

Biohof Groß: Pflanzenkohle wird zusammen mit Mist in den Boden gebracht

Doch die Pflanzenkohle wird nicht alleine auf dem Ackerboden verteilt. „Die wird zusammen mit Mist in den Boden gebracht“, erklärt Groß. Kohlenstoff allein bringe nichts, denn dieser binde Stickstoff und „so kann keine Pflanze wachsen.“

Wenn sich die Ernte der Kartoffeln rentiert, möchte Groß weitere Gemüsesorten, wie Tomaten oder Gurken, klimapositiv anbauen. Die klimapositiven Kartoffeln werden ab Ende August im Laden auf dem Biohof verkauft. 15 Prozent wird der Preis auf ein Kilo Kartoffeln bezogen steigen. Der Anbau von Gemüse mit Pflanzenkohle sei nämlich aufwendiger. „Die Entscheidung liegt letztendlich beim Verbraucher, ob er mehr Geld ausgeben möchte“, sagt Groß. Er habe ein gutes Gefühl bei diesem experimentellen Anbau. (Lea Beckmann)

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