Nächstes Ziel: HNA-Cup im Mai in Malsfeld

Fußballer der JSG Edermünde spielten vor Bundesliga-Partie in der Bay Arena

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Die Mannschaft vor der Bay Arena in Leverkusen: hinten von links Eliano, Paul, Felix, Tom, Sam, Max, Leon, Magnus, Arian, Rafael, vorne sind die Trainer Carsten Dauth (links) und Marc Sander mit Nele und Konrad zu sehen.

Die Profis von Bayer 04 Leverkusen und 1. FC Nürnberg mussten sich die Bay Arena mit der F-Jugend der JSG Edermünde teilen. Wir haben die Kinder bei ihrem Abenteuer begleitet. 

Er ist zufrieden an diesem Samstag, wenn auch etwas gelangweilt. Zufrieden, weil er wie immer sorgfältig gepflegt wurde. Das saftige Grün ist auf den Millimeter genau getrimmt und ausreichend gewässert. Gelangweilt, weil wieder alles wie üblich ablaufen würde: Schwere Füße, die über ihn donnern, ineinander verkeilen und Fetzen aus ihm herausreißen. Das kränkt ihn immer etwas in seinem eitlen Stolz. Nicht umsonst trägt er seit vergangenem Jahr den Titel „Bester Fußball-Rasen in der Bundesliga“. Wenn er könnte, der Rasen der Leverkusener Bay Arena würde frustriert aufseufzen.

Doch plötzlich spürt er etwas Unerwartetes. Viele schmale Füße in Nockenschuhen, die leichtfüßig Bälle über seine Oberfläche dribbeln. Es kommt selten vor, dass in der Bay Arena Nationalspieler Konkurrenz bekommen. Doch an diesem Tag müssen sich die Profis von Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC Nürnberg den heiligen Rasen mit vier Jugendmannschaften teilen, unter anderem der JSG Edermünde. „Das ist ein unvergesslicher Tag für die Kinder“, sagt Trainer Marc Sander freudestrahlend.

Kampfbereit: So gingen die Edermünder in die Partie gegen Westwacht Aachen. 

Auf seine F-Jugend werden alle Augen vor dem Bundesliga-Spiel gerichtet sein. „Ich konnte es gar nicht glauben“, erzählt Sander. Der Leverkusen-Fan hatte das Einlagespiel ermöglicht und damit den Sprung vom Fußballplatz im Dorf mit maximal 300 Zuschauern zu einem Bundesliga-Stadion. Die zwölf Spieler aus Edermünde, Besse, Brunslar und Wolfershausen haben kaum Zeit, sich an die Dimensionen des 30 000 Plätze umfassenden Stadions zu gewöhnen. Dann stellen sie sich einer der besten Mannschaften aus Aachen.

Doch während der Busfahrt nach Leverkusen ist von Nervosität noch keine Spur, im Gegenteil. Die Kinder tauschen Fußballkarten aus, schmökern in Fußballmagazinen und bringen sogar die Geduld auf, der ahnungslosen HNA-Reporterin die Abseitsregel wiederholt zu erklären. Aufruhr kommt erst in die Sitzreihen, als die weiße Fassade des Stadions auftaucht. Dort werden die Nachwuchsspieler den Kindheitstraum vieler Väter und Großväter erfüllen, die mit dem Fanclub angereist sind.

Hielt einige spektakuläre Schüsse: Torwart Felix vor dem Bundesliga-Stadion in Leverkusen.

„Etwas neidisch bin ich schon“, gibt der ältere Bruder der einzigen Fußballspielerin an dem Tag lachend zu. „Meine Mama ist viel aufgeregter als ich“, sagt Nele Dauth und grinst. Die neunjährige Stürmerin steht wie die meisten ihrer Kameraden quasi schon ihr halbes Leben lang auf dem Fußballplatz. „Wir haben im Schwalm-Eder-Kreis die meisten Spiele gewonnen“, sagt ihr Trainer. Einfach werde es trotzdem nicht gegen die Mannschaft aus der Großstadt. Normalerweise spielen sie nach dem Fair-Play-Gedanken, erklärt Carsten Dauth, ebenfalls Trainer. In Leverkusen erhalten die Kinder einen Eindruck vom Leben als Profispieler. 

Neben Schiedsrichtern verfolgen Kameras jede ihrer Bewegungen. Das geht auch an den Edermündern nicht spurlos vorbei. 40 Minuten lang messen sie sich mit Westwacht Aachen und liegen zunächst mit 0:1 hinten. Doch dann passiert das, womit keiner wirklich gerechnet hatte, wie Dauth sagt. Sie beißen sich durch, als ob ihnen nicht nur ihre Familien, sondern tausende Zuschauer von der Tribüne zujubelten. Nach Toren von Max und Rafael ertönt der Schlusspfiff. „Wir haben uns als Team durchgesetzt“, resümiert Abwehrspieler Konrad über den verdienten 2:1-Sieg.

„Es war spannend und mitreißend. Es war alles, was das Bundesligaspiel nicht war“, sagt Trainer Sander mit einem Augenzwinkern. Er ist überzeugt: Seine Mannschaft ist nach diesem Abenteuer bestens auf den HNA-Cup vorbereitet. Auch die Kinder sind sich einig: „Selbst in dem Stadion spielen, das war das Beste.“ So war der Tag voller Gänsehautmomente nicht nur für den Rasen, sondern auch für die Edermünder eine willkommene Abwechslung.

So sehen Sieger aus: Die Mannschaft nach dem Spiel mit dem ehemaligen Profi-Fußballspieler von Bayer 04 Leverkusen Stefan Kießling (links). 

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