Ab sofort nur noch mit Maske 

Maskenpflicht in Kraft: Menschen im Altkreis Fritzlar Homberg halten sich daran

Maskenpflicht in Kraft: Menschen im Altkreis Fritzlar Homberg halten sich daran
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Eine Glasscheibe sorgt für Sicherheit: Dejan (links) und Simonetta Skamla verkaufen im Eiscafé am Fritzlarer Marktplatz Eis in Bechern. Für das Foto haben sie das Fenster etwas weiter geöffnet, als es normalerweise der Fall ist.

Die meisten Menschen im Schwalm-Eder-Kreis tragen seit gestern Maske und setzen somit die bundesweit geltende, neue gesetzliche Pflicht um: In Bahnen, Bussen und Geschäften darf man in Hessen nur noch mit Mund-Nase-Schutz unterwegs sein. Erste Stichproben unserer Zeitung im Altkreis Fritzlar-Homberg zeigen: Die Vorschrift wird von den Menschen angenommen.

 Das bestätigt auch Landrat Winfried Becker: Auch wenn noch keine detaillierteren Informationen vorlägen, so sei sein erster Eindruck, dass sich die Menschen sehr diszipliniert verhalten und die Masken sowohl in den öffentlichen Verkehrsmitteln als auch in den Geschäften tragen. Damit leisteten alle einen Beitrag dazu, dass sich das Virus auch weiterhin nicht so stark ausbreite. Schon vor der Maskenpflicht sei die Akzeptanz groß gewesen, sagt Markus Brettschneider, Pressesprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. „Viele Menschen haben schon an den Tagen zuvor beim Einkaufen Masken getragen.“

 Das Verständnis für die nun geltende Pflicht sei hoch. Halte sich jemand nicht an die Vorgabe, trage keine Maske oder halte das Abstandsgebot nicht ein, suche die Polizei das Gespräch. Dafür seien aber keine zusätzlichen Beamten im Einsatz. „Wir beobachten es im Tagesgeschäft mit“, so Brettschneider. Sollte es Probleme geben, schreite die Polizei ein. Doch waren die Ordnungshüter diesbezüglich gestern nicht stark gefordert. Denn Gesichtsmasken prägten das Bild der Städte und Gemeinden im Altkreis. Die Menschen setzten die Vorgaben in den Geschäften. Verkäufer lobten ihre Kunden. 

„Die Leute warten geduldig, bis sie das Geschäft betreten dürfen“, sagte Dagmar Meister, Verkäuferin in der Fleischerei Siemon in Grifte. Reibungslos sei die Vorgabe gestern auch im Edeka-Markt in Knüllwald umgesetzt worden. „Alle Kunden sind mit Maske gekommen, das hat gut geklappt“, sagt Marktleiter Mike Hassa. Auch bei der Busfahrt mit der Linie 500 von Kassel nach Fritzlar wird deutlich: Die Menschen nehmen die neue Pflicht ernst. Sie halten Abstand zum Fahrer, lassen die Masken auf und ausreichend Platz zu anderen Fahrgästen.

Maskenpflicht:Sprechen strengt plötzlich an

Ein Blick, ein Lächeln, zwei vorsichtige Schritte zur Seite und die Freude darüber, dass die Menschen trotz aller Beschänkungen, die das Coronavirus so mit sich bringt, so fröhlich, nett und höflich sind. Und gleichzeitig das Gefühl, dass irgendetwas nicht ist, wie es sein sollte. Die Erleuchtung kommt nach Verlassen des Tankstellenshops, beim Einsteigen ins Auto: Das Lächeln des Mannes, das man da eben noch so erfreut erwidert hat, konnte man nur aus einem Grund sehen: Er trug keine Geschichtsmaske.

Es ist Tag 1 einer neuen Zeit. Einer Zeit, in der Menschen nur noch mit Mundschutz in Supermärkte, Kleidungsgeschäfte, Buchläden und Co. dürfen. Und doch scheint sich das Unterbewusstsein an die Situation gewöhnt zu haben. Wir haben uns im Kreisteil danach umgeschaut, wie die Menschen den ersten Tag der Mundschutzpflicht meistern.

Regeln werden eingehalten: In der Fleischerei Siemon in Grifte halten Kunden den nötigen Abstand zum Personal. Die Verkäuferinnen Claudia Schütz (hinten rechts) und Dagmar Meister (vorne rechts) tragen ebenfalls Mundschutz.

Ein mulmiges Gefühl bleibt nicht aus, als es in das erste Geschäft geht. Zwar halten sich alle Kunden an die Vorgaben. Das eigene Hirn kreist aber nur um sich selbst. Prompt treten die ersten Probleme auf – die angesichts der Krise natürlich gar keine sind. Die Gummibänder hinter den Ohren jucken und die Brille beschlägt beim Atmen.

In vielen Läden ist die Kundenzahl begrenzt – in kleineren Geschäften dürfen sich maximal zwei bis drei Personen gleichzeitig aufhalten. So ist das auch in der Fleischerei Siemon in Grifte. Geduldig wartet eine Frau vor der Tür, bis sie eintreten darf. Wenn es sein muss, weisen die Verkäuferinnen Dagmar Meister und Claudia Schütz freundlich darauf hin. Aber: „Die Menschen halten sich sehr gut an die Beschränkungen“, sagt Meister. Das Personal der Fleischerei trägt ebenfalls Gesichtsmasken. Ein Umstand, an den sie sich noch gewöhnen müssen: „Es macht sehr müde und strengt deutlich mehr an, mit Mundschutz zu sprechen, erzählt Meister.“

Davon kann ich inzwischen ein Lied singen. Mit Menschen sprechen, Fragen stellen, auf sie zugehen – das gehört zu meinem Job. Um Vertrauen aufzubauen ist es wichtig, den Menschen ins Gesicht sehen zu können – und sie in meins. Selten waren meine Stimmbänder so beansprucht wie heute. Ebenso meine Ohren. Während die Kollegin im Bus sitzt und die Maske während ihrer Recherche aufbehalten muss, heißt es für mich: Maske auf und raus aus dem Auto, Maske ab und rein in das Auto. Das ist etwas nervig. Vielen Menschen scheint es ähnlich zu gehen: Auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes in Besse ist immer wieder zu beobachten, dass Kunden wie befreit ihre Maske abnehmen, sobald sie an ihrem Auto die Einkäufe verstauen.

Neben Dingen für den täglichen Bedarf, ist auch die Lust auf Eis groß. Simonetta und Dejan Skamla dürfen es im Eiscafé del Corso in Fritzlar wieder verkaufen – mit Gesichtsschutz und heruntergelassener Scheibe. „Die Leute haben Lust auf Eis“, sagt Skamla. Allerdings fiele es einigen schwer, sich an die vorgeschriebenen 50 Meter Abstand zur Eisdiele zu halten. Eis in der Waffel gibt es derzeit allerdings nicht. Das fällt einer Kundin direkt ein, als sie sich die süße Nascherei bestellt. Da braucht es gar keinen Hinweis des Verkäufers mehr.

In Gudensberg bleibt die Gesichtsmaske beim Spaziergang durch die Stadt einfach auf – egal wie warm es darunter wird. Dort prägen Gesichtsmasken das Straßenbild. Viele Menschen sind auch abseits der Geschäfte mit Mundschutz unterwegs. Im Klamottenladen stöbert eine Kundin nach Pullovern, hier und da stehen Menschen – mit Abstand – zum Gespräch beisammen. In der Chattengau-Stadt scheint der Online-Handel kräftig zu boomen. Vor dem kleinen DHL-Paketshop neben der Bäckerei Schwarz tummeln sich Menschen und Pakete – allesamt mit gebührend Abstand und Gesichtsmasken. Sie lassen sogar den Straße frei, damit Passanten ungehindert und sicher an ihnen vorbeilaufen können. Vorbildich.

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