Mietnomaden

Es bleiben Berge von Müll: Mieter sollen in Unshausen Wohnung demoliert haben

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Teilweise zerstört und voller Müll fand Ralf Kramer seine Wohnung vor.

Ein Unshäuser vermietete 2006 seine damals frisch renovierte Wohnung. Nun ist die Wohnung zerstört und voller Müll - von den Mietern keine Spur. 

Ralf Kramer aus Unshausen vermietete 2006 eine 150 Quadratmeter große Wohnung über zwei Stockwerke an eine junge Familie mit sechs Kindern. „Die Zimmer waren frisch renoviert und nun ist alles voller Müll und zerstört“, sagt Kramer. Manchmal wünscht sich Ralf Kramer weit weg von seinem Fachwerkhaus in Unshausen. Der 65-jährige Rentner hat harte Zeiten hinter sich – und höchstwahrscheinlich noch vor sich. Der Streit, den er über Jahre mit seinen Mietern geführt hat, sitzt ihm sichtlich in den Knochen. 

Kopfschüttelnd läuft der Unshäuser durch den Garten, in dem nichts mehr grün ist, vorbei an großen Müllbergen in die Wohnung. Dort sind Klinken aus den Fensterrahmen herausgerissen, Wände und Böden demoliert, Waschbecken zerbrochen, draußen bröckelt Putz ab. Die volle Miete habe Kramer seit 2017 nicht mehr bekommen. Nach mehreren Abmahnungen, einer fristgerechten und schließlich einer fristlosen Kündigung, schaltete er im Herbst vergangenen Jahres einen Rechtsanwalt ein. „Alles wurde ignoriert. Also stand tatsächlich die Zwangsräumung an.“

Teilweise zerstört und voller Müll: das Wohnzimmer der vermieteten Wohnung.

Einen Tag, bevor Kramer die Polizei erwartet habe, sei die Familie dann wortlos gegangen. „Der Schlüssel lag im Briefkasten, weg waren sie.“ Doch der Spuk ist nicht vorbei. Was bleibt, sind Berge von Müll und Schäden, die Kramer selbst auf etwa 30 000 Euro schätzt. „Ich weiß nicht, wie ich das ohne Hilfe schaffen soll.“ Dabei habe alles vor 13 Jahren so friedlich angefangen. „Vor allem der Vater hat einen guten Eindruck gemacht. Er war meiner Ansicht nach sogar handwerklich begabt“, erinnert sich der ehemalige Fahrschullehrer, der selbst seit 1983 mit seiner Frau in Unshausen lebt. Die ersten Jahre mit seinen Mietern seien ruhig verlaufen. „Dann fing es mit lauten Streitigkeiten an.“ Immer wieder habe Kramer Tritte gegen die Wände gehört, die er für einige Schäden verantwortlich macht.

Demoliert: das Waschbecken.

Dass er nun mit dem Schaden allein ist, macht den Rentner wütend: „Man fühlt sich so machtlos. Das ist doch nackte Gewalt.“ Das Fachwerkhaus will er irgendwie wieder in Schuss bringen. Ob er aber noch weiter dort leben möchte, das weiß Kramer nicht. Positive Gefühle verbinde er schon lange nicht mehr mit diesem Ort, seiner Heimat.

Das sagt Marek Illian vom Verein Haus und Grund 

Rechtsanwalt Marek Illian vom Haus- und Grundbesitzerverein in Homberg kennt Probleme mit Mietnomaden. Vor allem sei der wachsame Blick vor Abschließen des Mietverhältnisses entscheidend. „Mithilfe einer Mieterselbstauskunft kann der finanzielle Aspekt im Vorfeld abgeklärt werden“, so der Rechtsanwalt. Sei ein Mieter grundsätzlich bereit Auskunft über seine Person zu geben, sei dies schon einmal ein gutes Zeichen. „Bei einem Mietverhältnis handelt es sich um ein ständiges Geben und Nehmen.“ Je offener das ablaufe, desto besser. Ohnehin rät Illian Vermietern, mit einer gesunden Menschenkenntnis an das erste Gespräch heranzugehen. 

„Ist ein potentieller Mieter beispielsweise total überschwänglich im Gespräch, entpuppt sich die Wahrheit oft als Gegenteil.“ Im zweiten Schritt sei ein guter Mietvertrag mit klaren Regeln unverzichtbar. Außerdem rät der Rechtsanwalt, eine Mietkaution von drei Kaltmieten einzufordern. Wenn es tatsächlich schwerwiegende Probleme gebe, sei ein Räumungsverfahren nach der fristlosen Kündigung der letzte Schritt

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