Milchbauern sehen sich in Existenz bedroht

Milchbauern aus dem Schwalm-Eder-Kreis protestieren gegen die Auswirkungen der Milchpreis-Politik. Unser Foto zeigt von links Robin Krug, Ralf Krug, Dirk Fehr und Günther Koch mit einem Protestplakat

Schwalm-Eder. Die derzeit extrem niedrigen Preise für Milch sind auch für Landwirte aus dem Schwalm-Eder-Kreis existenzgefährdend. Darauf machen Bauern aufmerksam, die im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) organisiert sind.

Konventionell arbeitende Landwirte erhalten seit Monaten 28,5 Cent pro Kilogramm Milch. Die Erzeugerkosten lägen aber schon bei 23,4 Cent. „43 Cent wären nötig, um nachhaltig produzieren zu können“, sagt Dirk Fehr (44). Er führt in Guxhagen einen Betrieb mit 95 Kühen.

Verbraucher können Milch derzeit schon für 55 bis 59 Cent pro Liter kaufen. „Aber die Kunden haben durchaus Verständnis für unsere Situation und würden auch höhere Preise bezahlen“, meint Ralf Krug (47), der einen Betrieb in Beuern hat.

Der Markt sei wieder einmal überschwemmt mit Milch. „Die Preise sind total abgeschmiert. Das ist die dritte schwere Krise innerhalb von sechs Jahren“, sagt Günther Koch (57), Milchbauer aus Homberg. Mit Hinweis auf den freien Markt würden alle Initiativen zur Regulierung des Systems von der Politik abgelehnt. Offenbar werde dieser Wettbewerb in Kauf genommen, um einen Strukturwandel zu erreichen, bei dem nur große Betriebe überlebten.

Der BDM fordert ein Krisenmanagement auf europäischer Ebene. Die Monitoringstelle der EU könnte auf Krisen mit einem abgestuften Katalog freiwilliger und verbindlicher Interventionen reagieren. Dazu gehöre eine zeitlich befristete Deckelung der Milchanlieferung und ein Anreizprogramm zur Mengenreduzierung. Das lasse sich ohne Subventionen regeln. Koch: „Und niemand will zur Milchquote zurück.“

Hintergrund: "Besser an einem Strang ziehen"

In Sachen Milchpreispolitik sind der Regionalbauernverband Kurhessen mit Sitz in Homberg und die Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Milchviehalter (BDM) aus dem Landkreis längst nicht einer Meinung.

Dass es im Dezember ein Gespräch über eine mögliche Marktregulierung gegeben habe, sei daher bemerkenswert gewesen, sagt Landwirt Günther Koch (Homberg). „Es war das erste Gespräch seit 2009.“ Im Januar soll ein weiterer Austausch folgen. Koch: „Wir sollten besser an einem Strang ziehen.“ Zu den Forderungen der BDM-Landwirte wollte sich der Regionalbauernverband zum derzeitigen Stand der Gespräche nicht äußern. (hro)

Von der Politik in Deutschland und in Europa fühlen sich die Landwirte im Stich gelassen. Mit großflächigen Plakaten, die an Hauptverkehrsstraßen aufgestellt worden sind, weisen sie auf die dramatische Situation hin.

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