Mit Vorsicht zurück zur Normalität

Nach Monaten der Schließungen eröffnen nun die ersten Sportstätten

Matthias Botthof, Betreiber der Sportschule Gudensberg, begrüßt die allmähliche Wiedereröffnung von Sportstätten mit speziellen Hygienekonzepten.
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Matthias Botthof, Betreiber der Sportschule Gudensberg, begrüßt die allmähliche Wiedereröffnung von Sportstätten mit speziellen Hygienekonzepten.

Die Besucher und Betreiber von Fitnessstudios und Sportstätten atmen auf. Nach Monaten der Schließungen sehen sie einen Lichtblick: Die ersten Eröffnungen stehen bevor.

Gudensberg/Wabern - Ab kommendem Montag können Sportler in geschlossenen Anlagen unter strengen Hygienebedingungen trainieren – allerdings nur mit Einzeltermin und jeweils nur eine Person pro 40 Quadratmeter Trainingsfläche. Doch das ist im Vergleich zu den vergangenen Monaten, in denen es weder Training noch Wettkämpfe gab, schon viel. Gerade der Breitensport war bisher von den Beschränkungen besonders betroffen. Die Folge: Leere Vereinskassen, Einbrüche bei den Einnahmen, mancher Betreiber am Rande der Insolvenz.

Aber: Nicht nur das wirtschaftliche Überleben von Sportstätten und das der mit ihnen verbundenen Arbeitsplätze stehen nach der Zwangspause auf dem Spiel. „Regelmäßiger Sport in Verbindung mit gesunder Ernährung und ausreichend Erholung ist die Grundvoraussetzung für ein starkes Immunsystem“, sagt Matthias Botthof, Betreiber der Sportschule Gudensberg. „Es haben weniger die Leistungssportler als die normalen Bürger unter der Schließung gelitten.“ Die Mitglieder seines Studios stammten aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten.

„Der junge Athlet mag auch im Freien trainieren, aber ältere und Menschen mit spezifischen Beschwerden und Bedürfnissen wie Rücken- und Knieproblemen?“ Hier seien Spaziergänge allein keine sinnvolle Alternative zum Krafttraining.

Für Botthof waren die Schließungen der Sportstätten nie alternativlos: „Mit einem effizienten Hygienekonzept kann die Infektionsgefahr auf ein verantwortbares Maß minimiert werden.“ Sein Vorschlag: eine festgelegte Anzahl von maximal zugelassenen Besuchern im Verhältnis zur Trainingsfläche, buchbare Zeitfenster, Abstandsregeln, regelmäßige Desinfektionen und Maskenpflicht.

All das gilt nun auch in Hessen. Sowieso gelte: „Regeln sind immer nur so gut wie die Kontrollen ihrer Einhaltung“, so Botthof. Die meisten Trainierenden haben die Hygieneregeln in der Vergangenheit befolgt. „Auch wenn nur mit Einzelterminen und nur mit 15 Personen gleichzeitig auf der 600 Quadratmeter Trainingsfläche – ich bin froh, endlich wieder öffnen zu können“, sagt er. Staatliche Hilfen seien bisher nur teilweise und verzögert ausgezahlt worden. „Jeder Monat, den ich schließen musste, hat mich wirtschaftlich um ein Jahr zurückgeworfen“, so Botthof. Die im Frühjahr üblichen Neuanmeldungen blieben bisher aus.

Kurt Richter von der SG Uttershausen/Lendorf hofft, nach den Impfungen wieder öfter das Flutlicht des Sportplatzes einschalten zu können.

Für Kurt Richter von der SG Uttershausen/Lendorf stehen Gesundheit und Vorsicht im Vordergrund. „Gerade im Mannschaftssport besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko.“ Dies sei vor allem in den Umkleidekabinen hoch. „So lange nicht vor jedem Zusammentreffen der Sportler Schnelltests gemacht werden können, sollte der Betrieb nicht wieder aufgenommen werden.“ Dies sei allerdings teuer und aufwendig. Richter setzt auf die Impfungen: „Ich hoffe, dass spätestens im Herbst die breite Masse der Sportler geimpft sein wird und wir – soweit irgend möglich – endlich zur Normalität zurückkehren können.“ (Raphael Digiacomo)

Das sagt das Ministerium

Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration hatte die Schließungen der Sportstätten bis zum 7. März bisher damit begründet, dass Kontakte minimiert und Mobilitätsströme reduziert werden sollten.

Alternativen habe es aufgrund des dynamischen Infektions Geschehens nicht gegeben, bestehende Regeln seien regelmäßig überprüft worden. Sport alleine, zu zweit oder innerhalb eines Haushalts war sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum gestattet: Damit sollte gesichert werden, dass die Menschen gesund bleiben. Der Bund leiste Hilfen für Sportbetriebe, und bestimme auch deren Konditionen. Aufgrund des elektronischen Verfahrens könne es zu Verzögerungen kommen, allerdings seien in den vergangenen Wochen erhebliche Abschlagszahlungen erfolgt.

Die Landesregierung ergänze das Angebot durch Hilfsprogramme wie das der Notfallkasse und der Mikro-Liquidität. Erstere biete betroffenen Unternehmen einmalige Hilfen bis zu 100 000 Euro, zweitere in den ersten zwei Jahren tilgungsfreie Darlehen. (rdg)

Informationen: zum Programm Notfallkasse zu.hna.de/notfallkasse, zum Programm Mikroliquidität zu.hna.de/mikroliquidität

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