Krankenhaus in Fritzlar

Mord-Anklage in fünf Fällen gegen falsche Ärztin am Fritzlarer Hospital

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Mord in 5 Fällen: Falsche Ärztin aus dem Schwalm-Eder-Kreis wird jetzt am Landgericht Kassel angeklagt.

Mord-Vorwurf gegen falsche Ärztin: Meike W. soll am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar (Nordhessen) für den Tod von fünf Menschen verantwortlich sein.  Sie wird nun angeklagt.

  • Falsche Ärztin aus dem Schwalm-Eder-Kreis hatte im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar  gearbeitet
  • Fünffache Mord-Anklage von der Staatsanwaltschaft gegen sie.
  • Ebenfalls wird ihr Körperverletzung in elf Fällen vorgeworfen

Update vom Montag, 18.05.2020, 17.55 Uhr: Ein sauberer Abschluss des Themas „falsche Ärztin“ – dies sei einer der größten Wünsche des Hospitals in Fritzlar im Schwalm-Eder-Kreis, teilt Dr. Sven Ricks, kaufmännischer Geschäftsführer im HNA-Gespräch mit. 

In Richtung Abschluss – zumindest in rechtlicher Hinsicht – geht es tatsächlich. Gestern gab die Staatswanwaltschaft bekannt, das gegen die angeschuldigte Meike W. unter anderem der Vorwurf des Mordes in fünf Fällen sowie der gefährlichen Körperverletzung in elf Fällen erhoben wird. 

„Wir erhoffen uns ein faires und zeitnahes Urteil“, sagt Ricks. Auch in einer gemeinsamen Pressemitteilung betonen die Geschäftsführung des Krankenhaus sowie das Kuratorium der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, man habe die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen von Beginn an ohne Wenn und Aber vollumfänglich unterstützt. 

Mord in 5 Fällen: Krankenhaus hat hohe Folgekosten

Die kriminelle Energie der falschen Ärztin habe schweren Schaden hinterlassen, heißt es weiter. Neben den dramatischen gesundheitlichen Folgen erinnern Klinikleitung und Stiftung zudem an die finanziellen Konsequenzen und die Auswirkungen auf das Ansehen des Hauses.

„Allein den Schaden durch zu Unrecht erhaltene Gehälter und die Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen beziffert das Krankenhaus mit 245 000 Euro“, heißt es in der Mitteilung. Jorg Estorf, Rechtsanwalt des Hospitals, bestätigt: „Dem Fritzlarer Krankenhaus wurde durch die falsche Ärztin ein nicht unerheblicher Vermögensschaden zugefügt.“ 

Daher habe man bereits vor Monaten Strafanzeige wegen schweren Betruges erstattet. „Die Klinik möchte sich zudem zivilrechtliche Regressmöglichkeiten offenhalten“, sagt Estorf. 

Mord in 5 Fällen: Zahl der mutmaßlichen Mordopfer auf fünf angehoben

Warum nun plötzlich von fünf Todesfällen die Rede ist, wo zuvor immer von vier Verstorbenen gesprochen wurde, erklärt Estorf so: „In einem Fall war die Einschätzung im Vorfeld nicht klar. Nun gab es erneut ein fachärztliches Gutachten mit dem klaren Ergebnis, dass es sich um fünf Todesfälle handelt.“ 

Ricks erinnere sich noch sehr gut an die schwierige Zeit, als das Thema erstmals im November letzten Jahres aufkam. „Es war belastend – und zwar für alle Mitarbeiter.“ Doch die „Welle der Solidarität“ die anschließend über die Klinik geschwappt sei, habe Mut gegeben. 

„In Krisensituationen wachsen unsere Mitarbeiter ganz eng zusammen.“ Und dies sei enorm wichtig. Denn die falsche Ärztin sei nicht das einzige Thema, das das Krankenhaus in der jüngeren Vergangenheit beschäftigt habe. 

„Auch die Coronakrise ist eine zusätzliche harte Belastung für unser Team.“ Hinsichtlich beider Krisensituationen setze Ricks vor allem auf zwei Dinge: „Offenheit und Transparenz.“ Ein zügiges Verfahren und ein gerechtes Urteil sollen dafür sorgen, „dieses traurige Kapitel endgültig abschließen zu können.“

Mord in 5 Fällen: Falsche Ärztin im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar angestellt

Originalmeldung vom Montag, 18.05.2020, 13.13 Uhr: Kassel –  Mord in fünf Fällen, gefährliche Körperverletzung in elf Fällen und der Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz werden Meike W., der falschen Ärztin, die am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) zu Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft Kassel hat nun Anklage am Landgericht Kassel erhoben. Wegen des Erschleichens der Anstellung in dem Krankenhaus werden der Frau aus dem Landkreis Kassel zudem Urkundenfälschungen und ein Betrug zur Last gelegt, so Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied.

Mord in 5 Fällen: Falsche Ärztin aus dem Schwalm-Eder-Kreis wird angeklagt

Die 49-Jährige, die zuletzt in Kiel wohnte und seit dem 29.10.2019 unter anderem wegen Mordes in Untersuchungshaft sitzt, steht in dem Verdacht, sich mittels gefälschter Unterlagen eine Anstellung als Assistenzärztin erschlichen zu haben. 

Sie war im Hospital in Fritzlar von Anfang November 2015 bis August 2018 tätig, zuletzt im Controlling. Zuvor war sie in anderen Abteilungen eingesetzt, unter anderem bis Ende Oktober 2017 als Assistenzärztin in der Abteilung für Anästhesie. Dort soll die Beschuldigte als Assistenzärztin mehrfach eigenverantwortlich Anästhesien durchgeführt haben, obwohl sie nicht über die dazu erforderliche Ausbildung verfügte. 

Mord in 5 Fällen: Falscher Ärztin werden zahlreiche Behandlungsfehler vorgeworfen

Der Fall der falschen Ärztin am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar hat bundesweit ein großes Medieninteresse ausgelöst.

Dabei sei es mehrfach zu Behandlungsfehlern gekommen, wie beispielsweise die fehlerhafte Dosierung der Anästhetika und das Übersehen eines Aspirationsereignisses. Angeklagt sind 16 Behandlungsfälle, in denen Gesundheitsschäden – etwa Organschäden durch eine mangelnde Durchblutung – eingetreten sein sollen. In fünf dieser Fälle sollen Patienten, zwei Männer (58 und 80 Jahre) und drei Frauen (77, 81 und 86 Jahre), aufgrund der Fehlbehandlungen – durch Multi-Organ-Versagen, schwere Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems – verstorben sein. 

Mord in fünf Fällen: Falsche Ärztin habe aus eigensüchtigen Motiven gehandelt

Den Mord soll die Angeschuldigte aus eigensüchtigen Motiven in Kauf genommen haben, so der Oberstaatsanwalt. Außerdem muss sie sich wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges in drei Fällen, Urkundenfälschung in fünf und Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen in neun Fällen verantworten. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens wurde noch nicht entschieden.  

Von Maja Yüce 

Mord in fünf Fällen: Ermittlungen gegen falsche Ärztin laufen seit Anfang 2019

Die Ermittlungen im Fall der falschen Ärztin Meike W., die von 2015 bis 2018 am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) gearbeitet hat und 2012 Bürgermeisterin in Bad Emstal werden wollte, dauerten zuletzt an. 

Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte schon Anfang 2019 damit begonnen gegen die ehemalige Ärztin des Fritzlarer Hospitals (Schwalm-Eder-Kreis) zu ermitteln. 

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